Like Butter on Toast

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Ein Film von und über Artisten und Akrobaten

Als Werner Buss, der programmatische Kreativkopf der GOP-Gruppe, an diesem Abend auf die Bühne des GOP tritt, steht er nicht, wie üblich zu Beginn einer Premiere, vor dem roten Vorhang des Theaters, sondern vor einer Leinwand. Spätestens während seiner Einführung wird deutlich, dass dem Publikum an diesem Abend nicht nur eine Show außerhalb des aktuellen Programms, sondern auch in ungewohnter Form geboten wird: auf dem Programm steht der Film „like butter on toast“.

Mit knappen Worten führt Buss das Publikum, das nach eigenem Bekennen zu mindestens 98% aus erfahrenen GOP-Besuchern besteht, in den Film ein. Uns erwartet eine Rundschau über das Werden und Leben von Artisten, das Entstehen der GOP-Programme und die Philosophie des Varieté. Wer sich, wie ich, also schon immer mal gefragt hat, wie und wo die GOP-Verantwortlichen die ganzen unterschiedlichen Künstler eigentlich finden und wie ein Akrobat eigentlich ein Akrobat geworden ist, der soll in dem Spielfilm auf seine Kosten kommen.

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Haben Sie schon einmal von einer Akrobatenschule gehört? Wissen Sie, was das bedeutet? Die Filmemacher Dominik Junker, Norman Krüger und Chris Hyla führen uns zu Beginn in eine solche Schule in Berlin. Dort werden schon die Kleinsten in allerlei Sport und Akrobatik ausgebildet – neben der ganz normalen Schulbildung versteht sich. Die Begeisterung der Kinder wird in den Gespräche spürbar, auch wenn ihnen die körperliche Belastung des Trainings anzumerken ist.

Bild: GOP

Im nächsten Schwenk begleiten wir Werner Buss schon auf den Straßen Hanois, wo er zusammen mit Regisseur Knut Gminder eine vietnamesische Akrobatentruppe besucht und auf ihr Programm in Deutschland vorbereitet. Der Besuch in Vietnam ist deswegen spannend, weil die Akrobaten nicht ihr gewohntes Programm einfach nach Europa bringen können. Die schiere Menge der ungewohnten Reize (wie Farben, Musik, Bewegungen) wäre, so erläutert Werner Buss, für den gemeinen Europäer erschöpfend und würde dem Unterhaltungswert Abbruch tun. So wird das asiatische Akrobaten-Team mit Aspekten wie z.B. europäischer Musik vertraut gemacht, die sie in ihre Show integrieren. Es ist der Spagat zwischen dem Versuch, den Zugang zu schaffen, ohne aus der Show eine „Touristenattraktion“ zu machen.

Jaques Schneider

Immer wieder kehrt der Film zurück zu dem Akrobaten Jaques Schneider, einem schrulligen Franzosen, der in seiner Waldhütte ein einfaches Leben lebt. Gemeinsam mit seinen Eseln begleiten wir ihn in sein eigenes Zirkuszelt, das er mitten im Wald aufgespannt hat, und wo er seine Fahrrad- und Trampolinnummern einstudiert – die Esel schauen zu.

Foto: GOP

Schneider überrascht und erfreut mit einer ursprünglich eindeutigen Position zum Akrobatentum. Ihm sind viele moderne Strömungen suspekt. Er bevorzugt das Einfache, das Klare im eigenen Spiel. Eine übermäßige Licht- oder Effekte-Show lehnt er ab. „That is shit.“ – das bedarf keines Kommentars. Stattdessen kann es dem Publikum schon passieren, dass Schneider plötzlich völlig nackt auf seinem Fahrrad über die Bühne braust. Er selber findet nichts dabei. „It‘s all nature.“

Nachdenklich wird der Franzose, wenn er sich mit der Frage auseinandersetzt, was eigentlich ein Artist sei. Seine Definition ist so schnörkellos, wie der ganze Knabe selber: „Ich will Menschen etwas geben. Jeder ist ein Artist, der etwas gibt.“ Und dieses Motto lebt er nach eigenen Angaben nicht nur in seinem Artistentum, sondern in seinem ganzen Leben. In seinem Heim im Wald sei jedermann jederzeit gerne eingeladen. Es gibt auch Wein.

Junge Talente

Während Schneider sich über die Allüren und Tendenzen vieler junger Akrobaten echauffiert, lernen wir im Umfeld des Baseler Zirkusfestivals „Young Stage“ eine Reihe junger Talente kennen, die sich dem weltweiten Publikum hier präsentieren. In den Interviews wird deutlich, dass diese jungen Menschen die gleiche gemeinsame Passion treibt: Sie wollen Menschen unterhalten. Das machen sie erfrischend authentisch klar.

Natürlich herrsche dabei eine gewisse Konkurrenz, so hört der Zuschauer immer wieder. Das sei aber eben keine destruktive, sondern eine konstruktive Auseinandersetzung mit den jeweils anderen Künstlern. Man wolle sich nicht gegenseitig ausstechen, sondern versteht den Wettbewerb eher als sportlich. „Wir sind alle eine Familie“ ist ein Satz, der nicht nur im Film, sondern auch in der nachbereitenden Betrachtung von Werner Buss immer wieder fällt.

Spürbar ist durchgängig die Sehnsucht danach, Menschen, etwas Gutes, etwas Unterhaltsames zu geben. „Menschen sind ein Geschenk“ heisst es da und das Akrobatentum kein Job, sondern eine Ausdrucksform des Selbst, eine besondere Form des Lebens. „It‘s like butter on toast – you have to have it“, bringt ein junger Akrobat es auf den Punkt – und gibt dem Film damit seinen Titel.

Leidenschaft

Der Film „like butter on toast“ ist eine äußerst liebevoll komponierte und gefilmte Homage an das Variete. Mit extremen Zoom-Einstellungen und Zeitlupen liefern die Regisseure und Filmemacher ein poetisches Kunstwerk ab, das neben der reinen Dokumentation viel Platz lässt, in dem sich die Faszination und das Gefühl des Zuschauers entfalten kann.

Foto: GOP

Ob wir dem kauzigen Schneider oder dem gealterten Artistenpaar Amélie und Michel lauschen, wenn sie ihr reifes Künstlerleben Revue passieren lassen, oder den jungen Menschen folgen, die am Beginn ihrer Karriere stehen: Sie alle begleitet die gleiche Liebe zu einer Unterhaltungsform, die nicht von Pomp und Protz lebt, sondern davon, dass der Künstler spürt, dass er sein Publikum noch „umarmen“ kann, wie es Buss beschreibt. Und davon, dass die Artisten für das Publikum greifbar bleiben.

Daraus bildet sich eine Chemie, die jede Show im GOP zu einem Erlebnis werden lässt, selbst dann, wenn nicht jede die ganz großen Acts mitbringt. Dieser Film hat das Varieté auf eine völlig neue Art und Weise zugänglich gemacht. Ich bin außerordentlich dankbar, die Gelegenheit gehabt zu haben, diesen Film zu sehen.


Der Film „like butter on toast“ wird zunächst an jedem GOP-Standort nur einmal aufgeführt. Anschließend wird darüber entschieden, ob der Film darüber hinaus veröffentlicht wird.

Das GOP hat die Erstellung des Films begleitet und unterstützt, auf seine Ausgestaltung aber keinen Einfluss genommen.

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