Der Koordinationskreis der Bonner Friedenstage lädt im September anlässlich des Weltriedenstages der Vereinten Nationen am 21. September zur Teilnahme an vielfältigen kostenfreien Veranstaltungen ein. Die Friedenstage laufen bis zum 9. Oktober unter dem Motto „Frieden fördern und Friedensfähigkeit stärken – vor Ort und weltweit“. Gerade in der UN-Stadt Bonn und dem Zentrum der westdeutschen Friedensbewegung der 80er Jahre gibt es zahlreiche Organisationen und Initiativen, die sich für internationale Verständigung, Dialog und ein friedliches Zusammenleben einsetzen und in den kommenden Wochen ihre Arbeit vorstellen wollen.
Die Zahl der Kriege und bewaffneten Konflikte ist weltweit auf einem Rekordhoch. Die internationale Friedensarchitektur ist ins Wanken geraten. Doch was können wir heute für den Frieden tun? Dieser Frage widmet sich die diesjährige Hauptveranstaltung am 22. September im Alten Rathaus. Auch in diesem Jahr gibt es vielfältige kreative Events: Musik, Lesungen, Ausstellungen, eine Premiere zum „Bonner Friedensweg“ Film, eine Mitmachaktion für Kinder zum Weltkindertag (in der 17 Ziele Zone in der Friedrichsstraße) sowie den traditionellen Friedenslauf mit Bonner Schulen. Das komplette Programm findet sich hier.
„Die Bonner Friedenstage 2026 greifen einige aktuelle Themen auf und diskutieren z.B. über die Einführung des Wehrdienstes, den Einsatz der KI im militärischen Kontext und kognitive Kriegsführung sowie mögliche Alternativen zur Militarisierung,“ so Gaby Weber, Koordinatorin der Bonner Friedenstage. „Darüber hinaus blicken wir jenseits der Kriegslogik auf mögliche Wege zur Stärkung der Friedensfähigkeit und was wir dazu beitragen können, besonders auch in Hinblick auf die Perspektiven der nächsten Generationen.“
Friedensfähig statt kriegstüchtig
Der Auftakt war eine „In Peace We Trust“ Friedenskundgebung zum deutschen Antikriegstag am 1. September mit Info-Ständen und DJ Live Musik von Roxy Man und Twit One am Alten Zoll, veranstaltet von der Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner:innen (DFG-VK). Der Tag erinnert an den Beginn des 2. Weltkriegs durch den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften rufen seit 1957 jährlich an diesem Tag zu Aktionen unter dem Leitmotiv „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ auf.
In der 2026 DGB Erklärung zum Antikriegstag heißt es: „Für uns Gewerkschaften stehen Frieden, Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit in einem untrennbaren Zusammenhang mit gerechten Lebens- und Arbeitsverhältnissen, demokratischer Stabilität, wirtschaftlichem Erfolg und dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Der massive Aufwuchs des Militäretats geht perspektivisch zu Lasten von sozialstaatlicher Absicherung und öffentlichen Zukunftsinvestionen.“
In kurzen Redebeiträgen zwischen den DJ Musik Sets erläuterte Joachim Osinski als DFG-VK Mitglied, dass der deutsche Angriff auf Polen 1939 seinerzeit aus der militärischen Überlegenheit Deutschlands nach vorheriger massiver Aufrüstung geschehen war und die Deutsche Friedensgesellschaft schon im Jahr 1892 von der späteren Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner und dem Journalisten Alfred Herrmann Fried gegründet wurde.
Osinski unterstrich: „Wir sehen heutzutage wieder die unfassbare Anmaßung der Regierung, junge Männer in Deutschland zwangsweise in die Wehrpflicht zu ziehen. Die DFG-VK bietet Unterstützung an, sich dem Gang in den Krieg durch Kriegsdienstverweigerung zu entziehen“.
Making Peace with Nature
Unsere Menschheit befindet sich in einer Poly-Krise. Seit 2020 kommt die Weltgemeinschaft aus dem Krisenmodus nicht heraus. Covid Pandemie, Kriege, Klimawandel und Biodiversitätsverlust, Energiepreisschocks, Inflation, wachsende soziale Ungleichheit, gesellschaftliche Spaltung und politische Polisarisierung. Der Begriff Poly-Krise bedeutet eine Ansammlung von Krisen, die zugleich auftretren, in Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig verstärken.
„Frieden schließen mit der Natur ist die entscheidende Aufgabe des 21. Jahrhunderts“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres 2020 in einer viel beachteten Rede zum Zustand des Planeten. Inspiriert von der Rede gibt es seit fünf Jahren im Rahmen der Bonner Friedenstage eine interkulturelle „Make Peace with Nature“ Reihe , die von der Bonnections Initiative mit lokalen Klima-Gruppen und Kunst- und Kulturschaffenden organisiert wird.

Im Zentrum der diesjährigen Edition steht die GreenFaith Wanderausstellung „Life in Crisis – Solidarity“, die Kunstwerke aus aller Welt zusammenbringt, die sich mit den Auswirkungen der Klimakrise auseinandersetzen – Fotografien, Gemälde und Gedichte, die Geschichten von Verlust, Widerstandskraft und Hoffnung erzählen. Sie werden ergänzt mit Werken von lokalen Künstler:innen und einem interkulturellen Programm mit Live-Musik, Storytelling und Film Screenings.
Das Programm bei der Vernissage am 11. September wird von Milorad Zivojnov gestaltet, sowohl musikalisch als auch mit einer Honigverkostung und einem Impulsvortrag über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ökosysteme, Imkerei und Landwirtschaft im serbischen Banat. Der in Bonn lebende Journalist, Buchautor und transkulturelle Brückenbauer stammt aus einer Imkerfamilie aus der Region. In der Nähe seiner Heimatstadt befindet sich ein einmaliges artenreiches europäisches Naturschutzgebiet, die Banater Sandwüste oder Deliblatska Peščara, wo seit Anfang August ein heftiger Waldbrand wütete. Eine Fläche von über 4000 ha wurde in den Flammen zerstört. Feuerwehrleute aus Europa, inklusive eine EU Waldbrandeinheit aus Bonn, waren seit Ende August 10 Tage in Serbien im Einsatz, um bei der Brandbekämpfung zu helfen.
“Wir haben diesen Sommer erlebt, was ein Leben in der Klimakrise bedeutet mit tödlichen Hitzewellen und Waldbränden in ganz Europa. Wir können der Krise nur gemeinsam und solidarisch begegnen. Das hat der Einsatz des Bonner EU Waldbrandmoduls in meiner Heimat, Hand in Hand mit serbischen, russischen, rumänischen und slowakischen Einsatzkräften, sehr eindrucksvoll bewiesen.”
Das interkulturelle Begleitprogramm (ab 19 Uhr) bei der Vernissage behinhaltet neben Balkan Musik ein Kurzfilm Screening und Vortrag über die Banater Sandwüste von Thomas Dapper, dessen Donau-Schwaben Vorfahren aus einem Dorf in der Gegend stammen. Dr. Jan Krasi, der ein Forscher am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin und Sohn des 2008 verstorbenen serbo-kroatischen Dichters und Übersetzers Zlakto Krasni ist, komplementiert das Programm mit einer Gedichtlesung.
WAS: „Life in Crisis – Solidarity in Art“ Wanderausstellung + interkulturelles Begleitprogramm
WANN: 11. Sept. – 1. Okt. 2026 // Vernissage am 11.09. ab 18 Uhr
WO: Kulturzentrum Alte VHS, Engeltalstraße 4, 53111 Bonn