Flashmob: City wurde zum Kleingarten

Unfall_compIMG_7797Wo vor­her schnö­des Grau war, ent­stand ges­tern ratz­fatz ein bun­tes Blu­men­feld und Gar­ten­pa­ra­dies: Zum „Tag des klein­bäu­er­li­chen Wider­stands“ mal­ten Akti­vis­ten die City am Fuße des Stern­tors mit Kreide ver­schie­dene Früchte, Obst und Bäume auf das Pflaster.

Schon nach weni­gen Minu­ten „wuch­sen“ dank der rund 20 Teil­neh­mer aller Art far­ben­frohe Pflan­zen auf dem Boden, bestaunt von den vie­len Pas­san­ten, die die Aktion beob­ach­te­ten. Einige Kin­der grif­fen zur Stra­ßen­kreide, mal­ten lus­tig mit. Inner­halb 30 Minu­ten war die Aktion been­det, um 16.30 ver­schwan­den die Stadt­bau­ern wie­der, genau wie die Krei­de­bil­der nach dem nächs­ten Regenschauer.

Mit der bun­ten Aktion woll­ten die Teil­neh­mer gegen eine Ein­füh­rung einer  EU-Saatgutverordnung und for­der­ten Bio­di­ver­si­tät und freies Saat­gut ohne Patente. Auch eine Wie­der­be­set­zung des Ham­ba­cher Forsts wurde angeregt.

Um 18 Uhr tra­fen sich Inter­es­sierte zu einem The­men­abend zu Ernäh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät und Land­wirt­schaft im Oscar-Romero-Haus. Ver­schie­dene Initia­ti­ven aus Bonn stell­ten sich vor, es gab eine Saatgut-Börse und Dia­shows. Anschlie­ßend fand ein the­ma­ti­scher Film­abend auf dem Dach­bo­den des Hau­ses statt.
Infos zum Tag des klein­bäu­er­li­chen Widerstands:

Der „Tag des klein­bäu­er­li­chen WIder­stands“ erin­nert an eine Vor­fall im Nor­den Bra­si­li­ens am 17. April 1996. Damals wur­den in der Stadt Eldo­rado dos Cara­jas  19 Akti­vis­ten der Land­lo­sen­be­we­gung von Poli­zei­kräf­ten ermor­det. Mit­glie­der von La Via Cam­pe­sina rie­fen dar­auf­hin den 17. April zum inter­na­tio­na­len Tag des Wider­stands und der Aktion gegen alle For­men von Unter­drü­ckung der länd­li­chen Bevöl­ke­rung aus.

Ein Boxabend mit Hindernissen

Foto: Sebastian Derix

Foto: Sebas­tian Derix

Es sollte ein ganz gro­ßer Abend wer­den für Schwer­ge­wichts­bo­xer Manuel Charr. Der Köl­ner mit liba­ne­si­schen Wur­zeln trat am Wochen­ende im Bon­ner Tele­kom Dome an, um sei­nem Ziel, dem nächs­ten Welt­meis­ter­schafts­kampf, ein gro­ßes Stück näher zu kom­men. Orga­ni­sie­ren musste er den gan­zen Kampf­abend selbst. Daran schei­terte am Ende wohl auch des­sen Qua­li­tät. Manuel Charr schaffte zwar den Sieg gegen Kevin John­son, der gegen Welt­meis­ter Klitschko einst über die volle Run­den­an­zahl ging, der ver­spro­chene K.O. wurde es aber nicht.

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Wow, wie klasse …

Bonn hat eine Flohmarkt-App

… dachte ich, als ich die Mel­dung las, … und ging damit prompt mei­ner eige­nen Bran­che, der Wer­bung, auf den Leim. In mei­ner Facebook-Timeline war ein soge­nann­ter Spon­so­red Post auf­ge­taucht, dem ich im ers­ten Augen­blick Glau­ben geschenkt hatte. Bonn hat eine Flohmarkt-App – wie jede andere Stadt und jedes Dorf in Deutsch­land auch. Und um genau zu sein, sind es sogar zwei. Die Rede ist von Shpock und Stuf­fle

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Schlachthof wird zum Poptempel

Es tut sich etwas in Bonn: Am WCCB wird nach Jah­ren des Still­stands der Bag­ger ent­mot­tet. Auch am alten Schlacht­hof im Bon­ner Wes­ten geht es voran: Ein „Pop­tem­pel“ soll dort entstehen.

Ver­ant­wort­lich dafür: RheinKultur-Gründer Hol­ger Jan Schmidt. Er will in dem ver­ram­mel­ten Bau hin­ter dem Knau­ber eine Kon­zert­halle für etwa 1500 Per­so­nen bauen. Rock- und Pop­kon­zerte könn­ten dort statt­fin­den, Bands für Tour­neen pro­ben, aber auch der rhei­ni­sche Kar­ne­val oder Fir­me­nevents könn­ten in der Mul­ti­funk­ti­ons­halle Platz fin­den. Geplante Kos­ten: 4,5 Mil­lio­nen Euro. Zudem sol­len im ehe­ma­li­gen Ver­wal­tungs­ge­bäude Büros und Semi­nar­räume hin­ein­kom­men. Aber auch Fir­me­nevents oder Kar­ne­vals­ver­an­stal­tun­gen könn­ten dort ver­an­stal­tet wer­den. Gut für Nach­wuchs­bands: Es soll auch Pro­be­räume geben.

Noch steckt der Ent­wurf in den Müh­len der Ver­wal­tung. Der Rat wird vor­aus­sicht­lich am 15. Mai dar­über ent­schei­den. Seit Jahr­zehn­ten fehlt in Bonn eine große Kon­zert­halle, Künst­ler mei­den die Bun­des­stadt. Die Kon­zert­halle an der Immen­burg­straße läge weitab von Wohn­be­bau­ung, zwi­schen Müll­ver­bren­nungs­an­lage, Bahn­glei­sen und FIr­men­ge­län­den – aber direkt am Bon­ner Straßenstrich.

In voller Blüte

Japan ist nicht nur Namens­ge­ber der gleich­na­mi­gen Blüten- oder Zier­kir­sche, son­dern gilt auch als sehr dicht besie­del­tes Land. Das dürfte in die­sen Tagen anders sein, ver­mut­lich bekommt man zur­zeit in der Tokio­ter U-Bahn mühe­los einen Sitz­platz, auch im Berufs­ver­kehr, denn anschei­nend ist die Hälfte der Bevöl­ke­rung nach Bonn gereist, um die all­jähr­li­che Kirsch­blüte in der Alt­stadt (die eigent­lich gar nicht die Alt­stadt ist, son­dern die Innere Nord­stadt, aber wir wol­len nicht klein­lich sein) zu besich­ti­gen und fotografieren.

Wie vor ein paar Tagen bereits ange­kün­digt, ste­hen Heer- und Breite Straße nun in vol­ler Blüte. Hier ein paar Ein­drü­cke vom ver­gan­ge­nen Diens­tag. (Alle Fotos von Ste­fan Kubicki)

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Bonner Glocken sind zu laut

Einst rie­fen Sie die Gläu­bi­gen zur hei­li­gen Messe, heute wer­den Sie zuneh­mend als Lärm­be­läs­ti­gung emp­fun­den: Kir­chen­glo­cken. Nach mas­si­ven Beschwer­den zweier Innenstadt-Bewohner über das sonn­täg­li­che Läu­ten des Bon­ner Müns­ters und der Kreuz­kir­che hat der Rat der ohne­hin lärm­ge­plag­ten Stadt Bonn rea­giert und in sei­ner letz­ten Sit­zung eine neue Ver­ord­nung zum Läu­ten von Kir­chen­glo­cken beschlos­sen. Bei Schall­mes­sun­gen auf dem Müns­ter­platz, in der Remi­gius­straße und im Kaufhof-Restaurant wur­den Werte von bis zu sech­zig Dezi­bel ermit­telt, was „etwa dem Lärm von zwan­zig Laub­blä­sern oder vie­rund­fünf­zig Roll­kof­fern auf Klein­pflas­ter ent­spricht“, so ein von der Stadt beauf­trag­ter Experte.

Die neue Glo­cken­ver­ord­nung tritt bereits zum 1. April 2014 in kraft. Inner­halb einer Über­gangs­frist von einem Monat müs­sen die Kir­chen nun Maß­nah­men ergrei­fen, um die von den Glo­cken aus­ge­hende Geräu­sche­mis­sion zu ver­min­dern. Dies kann durch eine wirk­same Schall­däm­mung der Glo­cken­stühle erfol­gen oder durch den Ein­bau neuer, soge­nann­ter Flüs­ter­glo­cken, die einen Schle­gel aus wei­chem Kunst­off haben. Kirch­türme, die nach der Über­gangs­frist nicht den neuen Richt­li­nien ent­spre­chen, müs­sen dann schwei­gen, auch zu Ostern und Weihnachten.

Bei den katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kir­chen stößt die neue Glo­cken­ver­ord­nung auf Unver­ständ­nis, Stadt­de­chant Schu­ma­cher ist außer sich: „Seit Jahr­hun­der­ten erfreuen unsere Glo­cken die Her­zen der Gläu­bi­gen und geben ihnen Ori­en­tie­rung, das soll jetzt nicht mehr mög­lich sein wegen eini­ger weni­ger, die sich daran stö­ren? Was sind das nur für Men­schen? Wir las­sen uns das Läu­ten nicht ver­bie­ten!“ Auch ein Spre­cher der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz kri­ti­sierte die Bon­ner Glo­cken­ver­ord­nung scharf und kün­digte an, den Vati­kan einzuschalten.

Im Bon­ner Rat­haus sieht man einer mög­li­chen Rüge aus Rom indes gelas­sen ent­ge­gen. Ober­bür­ger­meis­ter Jür­gen Nimptsch: „Wir leben im Jahr 2014, ange­sichts zuneh­men­der Kir­chen­aus­tritte kann es nicht sein, dass das Recht eini­ger weni­ger auf Reli­gi­ons­aus­übung höher bewer­tet wird als das all­ge­meine Ruhe­be­dürf­nis, gerade am Sonn­tag­mor­gen, wo die werk­tä­tige Bevöl­ke­rung ein­mal aus­schla­fen kann. Wir kön­nen da kei­nen Unter­schied mehr machen zwi­schen Par­ty­schif­fen, Klang­wel­len, Kunst!Rasen und Glockengeläut.“

Nach­trag 2. April: Selbst­ver­ständ­lich war das ein April­scherz. Ein nicht ganz so unwahr­schein­li­cher, wie uns Reak­tio­nen auf Face­book zeigten.

Kurz vor der Vollblüte

Im Inter­net kur­sie­ren tau­sende Lis­ten, in denen die Kitrsch­blüte in der Bon­ner Alt­stadt als einer der hei­ßes­ten Scheiße bezeich­net wird, die man in sei­nem Leben mal gese­hen haben sollte. Seit eini­gen Jah­ren fei­ern die Anwoh­ner auch ein eige­nes Kirsch­blü­ten­fest. In die­sem Jahr steigt die Blu­men­party in zwei Wochen.

Die Blü­ten selbst sind jetzt aber schon da. Im Laufe der Woche dürf­ten Heer­straße und Co in vol­ler Blüte erstrah­len. Schon jetzt aber bevöl­kern hun­derte Foto­gra­fie­rende aus aller Her­ren Län­der die Stra­ßen mit den pin­ken Bäu­men. Für alle, die es inter­es­siert, sei hier­mit eine kleine Erin­ne­rung gesetzt. Alle ande­ren mögen die­sen Bei­trag geflis­sent­lich überlesen.

Zwei neue Beethovens am Alten Zoll

20140330_124038 20140330_125122Bereits seit Wochen rät­seln viele Bon­ner am Alten Zoll, was es denn mit dem schwar­zen Block auf sich habe, den Bau­ar­bei­ter inner­halb weni­ger Tage mau­er­ten. Grill, Park­bank, Klang­wel­len – was hat es damit auf sich? Jetzt steht es fest: Es ist Kunst.

Fei­er­lich im bes­ten Son­nen­schein ging es heute, Sonn­tag­mit­tag, am Alten Zoll zu: Ein neues Denk­mal zu Ehren Beet­ho­vens wurde ein­ge­weiht. Mit dabei natür­lich: Unter ande­rem der Bon­ner Ober­bür­ger­meis­ter Jür­gen Nimptsch und Kaba­ret­tist Kon­rad Beikircher.

Die knub­be­lige Skulp­tur, um die es geht, ent­warf Mar­kus Lüpertz. Sie ist 2,70 Meter­hoch, wieg 1100 Kilo­gramm und besteht wei­test­ge­hend aus Bronze. Sie soll das Mensch und das Werk Beet­ho­vens sym­bo­li­sie­ren, den Musi­ker also gleich zweimal.

Mit der Auf­stel­lung star­tet die Stif­tung für Kunst und Kul­tur ihre Initia­tive, Kunst im öffent­li­chen Raum prä­sen­ter zu machen.

Rund 200 Gäste nah­men an der Ver­an­stal­tung teil.

Sein oder Nichtsein - R. W. Fassbinders „Welt am Draht“ am Theater Bonn

Daniel Breitfelder in "Welt am Draht" © Thilo Beu

Das Regie­duo Biel/ Zbo­ral­ski ver­bin­det in sei­ner Insze­nie­rung von Rai­ner Wer­ner Fass­bin­ders „Welt am Draht“ in der Halle Beuel exis­ten­ti­elle Fra­gen nach den Gren­zen der eige­nen Rea­li­tät mit absurd-komischen Momen­ten in einer künst­li­chen Atmosphäre.

In kal­ten Bil­dern beschreibt Rai­ner Wer­ner Fass­bin­ders Film „Welt am Draht“ aus dem Jahre 1973 eine dysto­pi­sche Zukunfts­vi­sion. Bereits der Werk­ti­tel erin­nert aus heu­ti­ger Sicht an Begrün­der des Science-Fiction-Romans, wie etwa den Fran­zo­sen Jules Verne. Die Bon­ner Insze­nie­rung vom Regie­duo Mirja Biel und Joerg Zbo­ral­ski ist dyna­mi­scher als der Film und ver­brei­tet durch alt­mo­di­schen Style der Figu­ren (Kos­tüme: Petra Win­te­rer), Dis­co­mu­sik u.a. von Sis­ter Sledge und Büh­nen­ac­ces­soires, wie etwa einer über­hol­ten Tele­fon­zelle eine 70er-Jahre Atmo­sphäre. Die Frage, ob dies nun echt oder retro sein soll, führt den Betrach­ter direkt zur zen­tra­len The­ma­tik des Thea­ter­stücks. Denn mit exis­ten­ti­el­len Fra­gen nach der Wirk­lich­keit der Selbst- und Fremd­wahr­neh­mung Daniel Breitfelder und Laura Sundermann in "Welt am Draht" © Thilo Beuwird die zen­trale Figur, Dr. Fred Stil­ler (Daniel Breit­fel­der) kon­fron­tiert. Stil­ler über­nimmt die Stelle des Insti­tuts für Kyber­ne­tik und Zukunfts­for­schung (IKZ) von sei­nem ver­stor­be­nen Vor­gän­ger Pro­fes­sor Henri Voll­mer (Wolf­gang Rüter). Am Insti­tut simu­liert das von der Regie­rung finan­zierte Com­pu­ter­ex­pe­ri­ment „Simu­lacron“ eine Stadt mit annä­hernd 10.000 darin leben­den Per­so­nen. Diese glau­ben nur, sie seien Men­schen. Tat­säch­lich sind sie nur vir­tu­elle Funk­ti­ons­ein­hei­ten, die zur Pro­gnose künf­ti­ger Ent­wick­lun­gen im IKZ erzeugt und beob­ach­tet werden.

Big bro­ther is watching you – Beun­ru­hi­gung der Existenz

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Bonn im Film – Angst vor der Angst

Zu den weni­gen Spiel­fil­men, die in Bonn gedreht wur­den, gehört auch Rai­ner Wer­ner Fass­bin­ders Angst vor der Angst (1975). Das Psy­cho­drama, in dem Mar­got, eine junge Frau, unter Angst­zu­stän­den lei­det und bei ihren Mit­men­schen auf Unver­ständ­nis trifft, war einer von meh­re­ren Fil­men, die Fass­bin­der für den West­deut­schen Rund­funkt in Zusam­men­ar­beit mit dem Pro­du­zen­ten Peter Märt­hes­hei­mer drehte. Wei­ter­le­sen →

Klangwelle wird verlegt

Der Gene­ral Anzei­ger berich­tete am Don­ners­tag, dass die Klang­welle nicht mehr in der Bon­ner Innen­stadt statt­fin­den werde. Stadt und Ver­an­stal­ter hät­ten sich auf­grund der dro­hen­den Kla­gen von Anwoh­nern dar­auf geei­nigt. Beide seien auf der Suche nach einem neuen Stand­ort für das Spek­ta­kel aus Was­ser, Licht und Musik, heißt es. Man wolle die Ver­an­stal­tung auf jeden Fall in Bonn behalten.

Nach­dem die Zei­tung diese Mel­dung gebracht hatte, koch­ten die Emo­tio­nen in der Bevöl­ke­rung hoch. Vor allem im Inter­net (face­book etc.) rie­fen Bon­ner Bür­ger zum einen das Ende der Welt und den Unter­gang des Abend­lan­des aus und ande­rer­seits zum Kampf gegen das Spieß­bür­ger­tum auf. Das ist zwar ver­ständ­lich, über­ra­schen kann die Ent­schei­dung der Stadt aber eigent­lich niemanden.

Schon seit Wochen wurde über die loka­len Medien kom­mu­ni­ziert, dass die Stadt keine Chance sehe, sich gegen mög­li­che Kla­gen von Anwoh­nern durch­zu­set­zen. Das Immi­si­ons­schutz­ge­setz des Lan­des NRW gibt ihnen das Recht, sich zu beschwe­ren, wenn jemand näch­tens mit Stö­ckel­schu­hen über den Müns­ter­platz läuft. Dass die Grenz­werte für Ver­an­stal­tun­gen wie die Klang­welle viel zu nied­rig sind, wurde spä­tes­tens im ver­gan­ge­nen Jahr klar, als sich zahl­rei­che Zuschauer dar­über beschwer­ten, dass sie die Musik kaum hören konnten.

Es blieb also weder Stadt, noch Ver­an­stal­tern eine andere Lösung, als die Abwan­de­rung aus der Innen­stadt übrig. Bis zum Wochen­ende soll jetzt geklärt sein, wo die Klang­welle ihren zehn­ten Geburts­tag fei­ert. Wahr­schein­lichste Lösun­gen sind Pop­pels­dor­fer Allee und Hof­gar­ten. Zumin­dest für die Wiese vor der Uni müsste die Hoch­schule ihr Ein­ver­ständ­nis geben. Angeb­lich sind die Ver­hand­lun­gen weit fort­ge­schrit­ten. Wo die Klang­welle am Ende lan­det, zeigt ich ver­mut­lich in den nächs­ten Tagen.

Rosenkrieg!

Foto: Carsten Kubicki

Wer bei „Rosen­krieg“ an die Schei­dungs­schlacht mit Michael Dou­glas und Kath­leen Tur­ner denkt, kennt nur die halbe Wahr­heit. Rosen­krieg heißt auch ein – ach was: DER regel­mä­ßige Poe­try Slam in Bonn, jeden vier­ten Sonn­tag im Nyx in der Alt­stadt. Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag­abend war es wie­der so weit. Zehn Dich­ter tra­ten vor vol­lem Haus zum Wett­streit an. Für die, die den Rosen­krieg noch nicht ken­nen, vorab einige Informationen.

Wer mit­ma­chen möchte, muss sich anmel­den, das geht not­falls auch noch am Abend an der Kasse. Jeder Teil­neh­mer hat fünf Minu­ten Zeit für sei­nen Vor­trag, danach geht lang­sam das Licht aus. Wenn er/sie dann immer noch nicht fer­tig ist, hel­fen ihm/ihr die Mode­ra­to­ren char­mant von der Bühne. The­ma­tisch gibt es kei­ner­lei Vor­ga­ben, daher ist das Pro­gramm bunt, reicht vom erns­ten, nach­denk­li­chen Gedicht über wit­zige All­tags­ge­schich­ten bis hin zum Brül­ler, im wahrs­ten Sinne des Wortes.

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Rollstuhlbasketball in Tannenbusch

Foto: Sebastian Derix

Davon, dass es in Bonn ein Bundesliga-Basketballteam gibt, haben die meis­ten Ein­woh­ner schon gehört. Seit inzwi­schen 18 Jah­ren exis­tie­ren in der ehe­ma­li­gen Haupt­stadt die Tele­kom Bas­kets, ent­stan­den aus den Bas­ket­ball­ab­tei­lun­gen des Godes­ber­ger Turn­ver­eins und dem SC For­tuna Bonn. Die Bas­kets wur­den seit­dem fünf­mal deut­scher Vize­meis­ter und drei­mal Vize-Pokalsieger. Zu einem Titel reichte es bis­her noch nicht. Den­noch ist die Geschichte des Ver­eins bis­lang eine erfolg­rei­che. Was viele Bon­ner dage­gen nicht wis­sen, ist, dass es auch im Bereich des Roll­stuhl­bas­ket­balls viele Jahre lang einen sehr erfolg­rei­chen Bun­des­li­gis­ten in der ehe­ma­li­gen Haupt­stadt gab. Inzwi­schen spielt der ASV Bonn aller­dings nur noch in der zwei­ten Bundesliga.

Um die Jahr­tau­send­wende war der ASV das Maß aller Dinge im deut­schen Roll­stuhl­bas­ket­ball. Drei deut­sche Meis­ter­ti­tel und vier Pokal­siege fuh­ren die Bon­ner Rol­lis ein. Dazu einen Euro­pa­po­kaltri­umph. Vor gut zwei Jah­ren fehlte dann aber das Geld. Die Bas­ket­bal­ler vom ASV muss­ten den Gang in die Zweit­klas­sig­keit antre­ten. Inzwi­schen hat sich das Team wie­der gefan­gen. In die­ser Sai­son wurde erst ein Spiel ver­lo­ren – der sport­li­che Auf­stieg ist im Bereich des Möglichen.

Wir wür­den das aber nur machen, wenn wir es finan­zi­ell stem­men kön­nen“, sagt Pres­se­spre­cher Hel­mut Bei­nes. Die Frage ist, ob Bonn aus­rei­chend Spon­so­ren auf­brin­gen kann, einen zwei­ten Bundesliga-Basketballclub zu finan­zie­ren. Und dabei ist das Bud­get der Roll­stuhl­bas­ket­bal­ler ver­schwin­dend gering im Ver­gleich zu dem der Fußgänger.

Auch Zuschauer kön­nen für eine bes­sere finan­zi­elle Aus­stat­tung des Clubs sor­gen. Der ASV ist inzwi­schen in die Rück­runde der Sai­son gestar­tet. Nächs­tes Heim­spiel der Rol­lis ist am kom­men­den Sams­tag um 16 Uhr. Die Roll­stuhl­bas­ket­bal­ler trai­nie­ren und spie­len im Schul­zen­trum in Tannenbusch.

Alle mal malen? Jan Loh, das Bonner Stadtoriginal

Jan Loh bei der Arbeit

Jan Loh bei der Arbeit
CC-BY 3.0 DE, Sascha Foerster

Wer schon mal ab und zu in der Bon­ner Knei­pen­welt unter­wegs war, wird ihn ken­nen oder schon mal von ihm gehört haben. Der Alle-mal-malen-Mann heißt mit bür­ger­li­chem Namen Jan Loh und er ist, so weit ich weiß, das letzte lebende Bon­ner Ori­gi­nal, das es in die Wiki­pe­dia geschafft hat. Ich kann mir Bonn ohne Jan Lohs abend­li­che Besu­che jeden­falls nicht vorstellen.

Meist kommt er zu spä­ter Stunde etwas zer­zaust in die Bon­ner Knei­pen, hält eine Rolle Papier und sei­nen Zei­chen­stift in der Hand und fragt an den ein­zel­nen Tischen, ob er denn „alle mal malen“ soll? Dar­auf fol­gen einige Rituale, denn er sagt immer wie­der ein paar Sprü­che zu Ästhe­tik und Kunst, feilscht um Preise für Gruppen- und Ein­zel­por­träts und bie­tet auch seine ande­ren Künste an, wie zum Bei­spiel Schrift- und Traum­deu­tung, Hand­le­sen und Gesichts­ana­lyse an, um je nach­dem bald mit dem Zeich­nen zu begin­nen oder wei­ter zu ziehen.

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S 13 nach Oberkassel – wozu?

Skan­dal: Die Deut­sche Bahn und der Nah­ver­kehr Rhein­land (NVR) haben die S-Bahn-Verlängerung von Trois­dorf nach Hen­nef S 13 genannt statt wie ursprüng­lich geplant S 19. Was zunächst wie unbe­deu­tende Zah­len­ma­le­rei anmu­tet, bringt die Bon­ner Gemü­ter fast so sehr in Rage, wie wenn es mal wie­der ein Poli­ti­ker wagt, über einen Kom­plett­um­zug der Regie­rung nach Ber­lin laut nach­zu­den­ken. So soll doch die S 13 dem­nächst nach Bonn-Oberkassel füh­ren und den gut sie­ben­tau­send Ein­woh­nern die­ses Stadt­teils den Anschluss an die große weite Welt brin­gen. Nun gut, nicht dem­nächst, aber doch in nicht allzu fer­ner Zukunft, so zumin­dest die aktu­elle Pla­nung. Es fehlt nur noch die Finan­zie­rungs­zu­sage des Lan­des und der Deut­schen Bahn, aber ange­sichts der ver­an­schlag­ten Bau­kos­ten von 400 Mil­lio­nen Euro wol­len wir nicht in Haar­spal­te­rei verfallen.

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Aussitzen ohne umzufallen: Uraufführung von „Helmut Kohl läuft durch Bonn“ in der Werkstatt

Bernd Braun, Sören Wunderlich, Julia Keiling, Samuel Braun, Mareike Hein und Robert Höller (von links) in "Helmut Kohl läuft durch Bonn" © Thilo Beu

Der König ist überall

Erstaun­lich leicht unter­hält die Col­lage über einen der gewich­tigs­ten Poli­ti­ker der 80er und 90er Jahre, die kürz­lich am Bon­ner Thea­ter ihre Pre­miere fei­erte. Das junge Auto­ren­duo Nolte Decar lässt viele Geschich­ten um den eins­ti­gen Geschichts­stu­den­ten ran­ken; frei erfun­dene und viel­leicht auch so oder ähn­lich vor­ge­fun­dene? Der Mann, der seine unnah­bare Poli­tik förm­lich ver­kör­perte, erwählt sich im Thea­ter­stück sei­nen Namen selbst. Ehr­furcht erhei­schend und wenig prä­ten­tiös soll er sein – Hel­mut Kohl eben.

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