Ein Job für Bonn Orange Foto: Reiner Knudsen

Der Blick auf den We­cker ver­rät mir, dass ich noch 30 Mi­nu­ten Zeit ha­be, bis ich um sie­ben end­gül­tig in den Tag star­te. Ich dre­he mich noch ein­mal um und kusch­le mich in mei­ne war­me De­cke. Ich weiss, dass mich da drau­ßen Mi­nus­gra­de und Glät­te er­war­ten. Noch nicht, noch ein paar Minuten…

Auf dem Be­triebs­hof von bon­noran­ge ist zur glei­chen Zeit das Wet­ter nicht ge­müt­li­cher. Den­noch fin­den sich die Müll­wer­ker hier zu­sam­men und be­stei­gen ih­re Fahr­zeu­ge. Ins­ge­samt 31 die­ser Sam­mel­fahr­zeu­ge sind täg­lich in Bonn un­ter­wegs. Fast zeit­gleich ver­las­sen sie ge­gen sie­ben Uhr das Be­triebs­ge­län­de, wäh­rend ich mich aus dem Bett schä­le und mich auf den Weg un­ter die Du­sche mache.

Die Müll­wer­ker von bon­noran­ge ge­hö­ren zu mei­nen stil­len Hel­den des All­tags. Fast je­den Tag se­he ich min­des­tens ei­nen Trupp ir­gend­wo ar­bei­ten. Sie neh­men sich selbst­ver­ständ­lich all des­sen an, was wir zu Ab­fall de­kla­riert ha­ben und wo­mit wir uns nicht mehr ab­ge­ben wol­len. Sie sind Spe­zia­lis­ten ih­res Fachs, und wäh­rend wir ver­su­chen, schnell an den lär­men­den und übel rie­chen­den Müll­fahr­zeu­gen vor­bei zu ei­len, ver­brin­gen die Teams der Müll­wer­ker ih­ren ge­sam­ten Ar­beits­tag in die­sem Um­feld. Ich fin­de es be­wun­derns­wert, dass die Män­ner und Frau­en dies stets mit gro­ßer Freund­lich­keit tun.

Müllwerker bei der Arbeit Bild: bonnorange
Müll­wer­ker bei der Ar­beit
Bild: bon­noran­ge

Als ich in der Stra­ßen­bahn sit­ze, se­he ich, wie sich die gro­ßen Fahr­zeu­ge müh­sam ih­ren Weg durch den dich­ten Ver­kehr der Stadt su­chen. Nicht sel­ten müs­sen sie sel­ber den Ver­kehr blo­ckie­ren, um die Müll­ton­nen und -con­tai­ner zu den Fahr­zeu­gen zu bug­sie­ren und zu ent­lee­ren. Da­bei fällt mir im­mer wie­der auf, dass es man­che Mit­men­schen of­fen­bar zur Kunst er­ho­ben ha­ben, die Füll­men­ge der Müll­ge­fä­ße über den ei­gent­li­chen Rand hin­aus zu ma­xi­mie­ren und da­mit den Müll­wer­kern die Ar­beit un­nö­tig er­schwe­ren. Die Dreier-Teams – ein Team be­steht meis­tens aus ei­nem Fah­rer und zwei Müll­wer­kern – ar­bei­ten den­noch ef­fek­tiv und ver­lie­ren nie viel Zeit.

So­bald das Fahr­zeug voll ist, fährt das Team zur Entsorgungs- und Ver­wer­tungs­an­la­ge, um es dort zu ent­lee­ren. Da­nach geht es di­rekt wie­der zu­rück zu dem Punkt, wo man zu­vor hat­te un­ter­bre­chen müs­sen. Die­ser Rou­ti­ne, inkl. ei­ni­ger Pau­sen, fol­gen die Teams den gan­zen Tag. Für die Rest­müll­ent­sor­gung ar­bei­ten die Müll­wer­ker üb­ri­gens in grö­ße­ren Teams, da die­se im sog. Voll­ser­vice er­bracht wird. Das be­deu­tet für die Män­ner und Frau­en in Oran­ge, dass sie die Ton­nen von ih­ren Stell­plät­zen zum Stra­ßen­rand brin­gen und nach der Lee­rung wie­der zu­rück stel­len. Über zu we­nig Be­we­gung im All­tag wird sich da kaum je­mand beschweren.

Am En­de des Ta­ges ha­ben die Teams dann den gan­zen Ab­fall ih­res Ta­ges­re­viers ent­sorgt. Nach Sperr­müll­ta­gen fin­den sich dann nur noch die Res­te an den Stra­ßen­rän­dern, die un­se­re Mit­men­schen mit auf den Hau­fen ge­wor­fen ha­ben, ob­wohl sie ei­gent­lich be­kann­ter­ma­ßen kein Sperr­müll sind. Da­bei hält die Web­site von bon­noran­ge ein aus­führ­li­ches und sehr in­for­ma­ti­ves A-Z der Müll­ent­sor­gung be­reit, in dem man sich ei­gent­lich (!) vor­ab in­for­mie­ren könnte.

Als ich nach Hau­se kom­me, ist mei­ne blaue Ton­ne noch voll. Das hat­te ich schon ge­ahnt. Na­tür­lich ha­be ich sie mor­gens nach dem Um­dre­hen, der lan­gen Du­sche und dem gu­ten Früh­stück zu spät raus ge­stellt. Mein Feh­ler. Die Jungs und Mä­dels von bon­noran­ge ste­hen halt deut­lich frü­her auf als ich und sind  schon voll ak­tiv, wenn bei mir ge­ra­de erst die Le­bens­geis­ter erwachen.

Ein ganz herz­li­ches Dan­ke­schön da­für von eu­ren Bonnern!


Mit der Mini-Serie „Dan­ke“ möch­te ich ge­zielt auf Dienst­leis­tun­gen auf­merk­sam ma­chen, die in un­se­rem All­tag nur all­zu leicht in die Ka­te­go­rie Selbst­ver­ständ­lich ein­sor­tiert wer­den und nur dann Auf­merk­sam­keit be­kom­men, wenn sie ein­mal nicht (zu­frie­den­stel­lend) er­bracht werden.

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