Nicht blöd

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Es ist halb sechs in der Frü­he, grim­mi­ge Käl­te und Dun­kel­heit lie­gen über den hun­der­ten Men­schen, die frie­rend vor dem gro­ßen Ge­bäu­de aus­har­ren, dar­auf war­tend, dass es end­lich sei­ne Tü­ren öff­net, hin­ter de­nen sich all die Din­ge be­fin­den, wel­che die­se Men­schen schon so lan­ge ent­beh­ren, nach de­nen sie schmerz­haft hungern.

End­lich, um sechs, schließt ein Mit­ar­bei­ter in ro­tem Hemd die Tür auf, die Meu­te dringt hin­ein wie die schäu­men­de Was­ser­flut nach ei­nem Damm­bruch, stürzt sich auf die feil­ge­bo­te­nen Wa­ren, je­der rafft, was er zu grei­fen be­kommt, ehe ihm ein an­de­rer zu­vor kommt, bald kommt es zu Rem­pe­lei­en, Hand­ge­men­gen und lan­gen Schlan­gen vor den Kassen.

Go­tha, im No­vem­ber 1983 nach An­kün­di­gung ei­ner neu­en Lie­fe­rung Oran­gen? Bie­le­feld im er­bar­mungs­lo­sen Win­ter 1947? Nein, Bonn am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag: Ei­ne gro­ße, be­kann­te Elektomarkt-Kette er­öff­net hier ih­re Fi­lia­le. Gleich ei­nem Blatt­schnei­der­amei­sen­volk schlep­pen sie die er­ober­ten Schnäpp­chen zum Er­öff­nungs­preis aus dem schmu­cken neu­en Ge­bäu­de am Frie­dens­platz: Fern­se­her, Kaf­fee­au­to­ma­ten, Mi­kro­wel­len­ge­rä­te, Ra­sier­ap­pa­ra­te, DVD-Editionen, Wä­sche­trock­ner, Kühl­schrän­ke, Licht­bo­gen­öfen und an­de­re Ge­rä­te, die ei­nen Ste­cker, ei­nen Ak­ku oder ein Bat­te­rie­fach haben.

Die größte Eröffnung des Jahres
Fo­to: Me­dia Markt

So­gar der Herr Ober­bür­ger­meis­ter gibt sich die Eh­re und weist in sei­nem Gruß­wort dar­auf hin, dass mit der Er­öff­nung die­ses ho­hen Hau­ses nun auch für die Bun­des­stadt Bonn die schwe­re Last der Ent­beh­rung für al­le Zei­ten ein En­de habe.

Ich selbst lag am Don­ners­tag um halb sechs noch im Bett, zu­mal un­ser Haus­halt mit Küchen-, Reinigungs- und Un­ter­hal­tungs­elek­to­ge­rä­ten weit­ge­hend voll­stän­dig aus­ge­stat­tet ist. Auch sonst se­he ich zur­zeit kei­ne drin­gen­de Not­wen­dig­keit, mir den neu­en Elek­tro­markt von in­nen an­zu­se­hen.  Noch nicht. Ich bin ja nicht blöd.

1 Kommentar

  1. The fol­lowing time I learn a blog, I hope that it doesnt disap­point me as a lot as this one. I me­an, I do know it was my choice to read, but I ac­tual­ly thought youd have so­me­thing attention-grabbing to say. All I he­ar is a bunch of whi­ning about one thing that you might fix in the event you we­rent too bu­sy se­ar­ching for attention.

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