Karawane nach Belgrad Konzert – Ausstellung „Das ICH im Bild“ präsentiert die Ex-Jugo Kunstrock Band EKV mit Live Musik und Lyrik

0

Im Rahmen der aktuellen Porträt-Ausstellung im Künstlerforum findet morgen (3. Mai) ein kostenfreies Konzert zur Erinnerung an die legendäre Belgrader Kunstrock Band Ekatarina Velika („Katharina die Große“, kurz EKV) statt, die zu einer der einflussreichsten Musikgruppen im ehemaligen Jugoslawien zählte.

In der Ausstellung „Porträt – Das ICH im Bild“, die bis zum 17. Mai läuft, versammelt die Künstlergruppe Bonn Positionen, die das Porträt als offenes, dynamisches Feld begreifen – ein Seismograf gesellschaftlicher Entwicklungen und Ausdruck eines sich immer wieder verändernden Menschenbildes. Unter den rund 30 Exponaten befindet sich auch moderne Porträtkunst aus dem Westbalkan.

Der „Karawane nach Balkan“ Raum zeigt neben Werken von der expressionistischen Malerin Nadezda Petrović und zeitgenössischen Belgrader Street Artists auch Fotografien, auf denen der Sänger und Gitarrist Milan Mladenović (1958 – 1994) und die Pianistin Margita „Magi“ Stefanović (1959 – 2002) abgebildet sind. Das Konzert ist dem künstlerischen Erbe der beiden EKV Bandmitgliedern gewidmet. Mladenović galt bereits zu Lebzeiten als ein urbaner Orpheus der alternativen Szene. Die Band löste sich 1994 nach dem Tod ihres Frontmannes und Textschreibers auf.

Mit ihrer Musik ist eine ganze Generation (Gen X) auf dem Westbalkan groß geworden, darunter die in Bonn lebenden Musiker:innen Milorad Živojnov (Gitarrist) und Nataša Kukoč (Pianistin). Das von ihnen gestaltete Konzertprogramm beinhaltet zudem Poesie, Musikvideos und Gespräche mit Zeitzeugen, die mit EKV Liedern aufgewachsen und von ihnen bis heute beeinflusst sind. Weitere beteiligte Musiker:innen sind: Vladimir Nadtochi (Saxophon, Klavier), Bernd Arthur Kraft (Bratsche, Orgel), Jodi Tzitz (Bass), Milica Helena (Gitarre), Veu (Percussion), Dikan Kostić (Gitarre).

Multimedia Installation mit Musikvideo von EKV Mitglied und Pianistin Margita „Magi“ Stefanović (Foto: Sandra Prüfer)

“Mladenovićs Lyrik verkörpert die urbanen Räume Jugoslawiens in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Seine Liedtexte genießen bis heute Kultstatus,” erläutert Milorad Živojnov, der ein Journalist und Buchautor ist. In dem Lyrikband “Kind aus dem Wasser” wurde eine Auswahl 2012 im Leipziger Literaturverlag in deutscher Übersetzung von Elvira Veselinović herausgegeben.

Das 1985 veröffentlichte EKV Debütalbum brachte der New Wave Gruppe den musikalischen Durchbruch. Die Konzerte waren überlaufen. Im Jahr 1992 schloss sich die Band mit anderen Musikern zur Formation Rimtuti Tuki zusammen als ein Anti-Kriegsprojekt, um gegen die 1991 ausgebrochenen Kriege in Jugoslawien und die Mobilisierung von Reservisten der Volksbefreiungsarmee zu protestieren.

Derzeit erlebt EKV eine kulturelle Wiederentdeckung, die über den Sprach- und Kulturraum der Jugosphäre hinausreicht. Das EKV Lied Zemlja (Land) wurde bei den 2024/2025 studentischen Anti-Korruption Protesten in Serbien auch häufig gespielt und gesungen.

Der künstlerische Nachlass des Rockpoetens wird von der Milan Mladenović Stiftung verwaltet. Neboјša Krivokuća, der Geschäftsführer der Stiftung, sagte in einem 2025 EX-YU Music Blog Interview: „In den zehn Jahren ihres Bestehens entwickelte sich die Band, ohne Kompromisse einzugehen oder ihr künstlerisches Credo aufzugeben, von einer Club-Attraktion zu einer Gruppe, die große Konzertsäle füllte und zur größten alternativen Band Jugoslawiens wurde.“ Auch Milans Leben sei von der Existenz dieses Landes geprägt gewesen. Er wurde in Zagreb (heute Kroatien) geboren, wuchs in Sarajevo (heute Bosnien und Herzegowina) auf und lebte in Belgrad (Serbien). „Während des Zerfalls Jugoslawiens – der Kriege und der Herrschaft von Slobodan Milošević – war Milan bekannt für seine mutigen Antikriegsaussagen und -aktionen, was die Band in den staatlichen Medien (Fernsehen und Radio) „unerwünscht“ machte,“ so Krivokuća.

Porträtkunst von Kim Kluge – mit Buntstift gezeichnet sind Bonner Künstler:innen Corinna Heumann und Eugen Schramm (Foto: Sandra Prüfer)

Der „Karawane nach Belgrad“ Raum und die musikalische Begleitveranstaltungen bieten einen Einblick in die serbische Porträtkunst als Zugang zu post-jugoslawischen Identitiäten, Biografien und kultureller Kontinuität. „In Deutschland, der Heimat der größten serbischen Diaspora, bleibt diese kulturelle Vielfalt wenig sichtbar. Im Spannungsfeld zwischen nationalistischen Mythen und gelebter kultureller Verbundenheit schließt dieser Raum eine Wissenslücke und stellt historische Verbindungen entlang der Donau in einen aktuellen postmodernen Kontext,“ erklärt Corinna Heumann, Vorsitzende der Künstlergruppe Bonn.

WAS: Konzert + künstlerische Inspirationen zur Erinnerung an Milan & Magi und die Avantgarde Rockband EKV
WER: Milorad Živojnov & Nataša Kukoč mit musikalischen Freunden
WANN: Sonntag, den 3. Mai 2026, ab 16:30 Uhr
WO: Künstlerforum Bonn, Hochstadenring 22, 53111 Bonn

Installation von Anne Beikircher mit zerbrochenen Weltkugeln und Porträts von autokraten Politikern (Foto: Sandra Prüfer)

Beitrag anzeigen


KOMMENTIEREN

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein