
In einem energetischen Bewegungsrausch wecken Artisten das Kind in uns: Die Inszenierung Alive – Das Leben spielt, eine Produktion von GOP showconcept, nutzt das Thema „Spielplatz“ als Metapher für das menschliche Leben. Rollschuh-Wirbel, rasante Luftkunst und lebendige Choreographien lassen während der Vorstellung den Puls der Zuschauer höherschlagen. Die Körperbeherrschung der Akteure, ihre fließende Eleganz und dynamische Präsenz reißen mit. Artistische Höhepunkte werden durch Comedy-Einlagen unterbrochen, in denen das Publikum Atem schöpft, herzlich lacht oder staunt.
Sebastian Drozdzs Kulisse erinnert an einen Hinterhof oder öffentlichen Spielplatz. Vor Beginn der Darbietung verriet Regisseur Robin Witt, dass er selbst als junger Vater zuletzt viel Zeit auf Spielplätzen verbrachte.Viele Stangen oder alltägliche Geräte auf Spielplätzen eigneten sich laut Witt hervorragend als Requisiten. Hier würden Kräfte gemessen und erste Freundschaften geknüpft. Die Erwachsenenwelt einmal mit Kinderaugen zu sehen, lade oftmals zum Innehalten ein. Eine Wippe oder ein Schleuderbrett könnten im übertragenen Sinne auch Rivalitäten oder Machtspiele am Konferenztisch versinnbildlichen. Alive ist die erste eigene Inszenierung von Witt als Hauptregisseur. Thu Ngan Nguyen übernahm die Produktionsleitung.
Spielerisch toben die Akteure anfangs über die Bühne. Wie beiläufig gehen diese Szenen in Urban-Dance-Ensemble-Choreographien über.

Der US-Amerikaner Jeff Hess sorgt mit Physical Comedy, chaotischer Mimik und präzise getimten Interaktionen mit dem Publikum für Slapstick-Einlagen. Humoristisch wird es, wenn er in den vorderen Reihen glatzköpfigen Herren improvisierte Kopfbedeckungen wie die GOP-Menükarten aufsetzt.
Sarah Stachowicz präsentiert hingegen kraftvollen Artistic Pole. Die Österreicherin windet sich anmutig und mit optischer Leichtigkeit am vertikalen Mast.
Christoph Muchsel sorgt mit enormer Körperbeherrschung während eines Handstand-Acts für einen spektakulären Höhepunkt. Der Wiener gewann bereits sechsmal den österreichischen Meistertitel in Kung-Fu und vertrat seine Heimat bei Europacups. Er präsentiert während der Show auch in mehreren Nummern sein komödiantisches Talent.

Das italienische Trio Skating Nistorov erregt bereits als Plakatmotiv zum aktuellen GOP-Programm in der Bonner City Aufmerksamkeit. Während der Vorführung sorgen Alina Andreeva, Eugenio Nistorov und Lara Zerefino Micaelo beim Publikum mit rasanter Rollschuhartistik auf kleinstem Raum, spektakulären Drehungen und Hebefiguren für Schnappatmung.
Shu Takada ist sechsfacher Weltmeister am Jo-Jo. Der Japaner verbindet die Objektmanipulation mit modernen Tanzbewegungen. In Bonn agiert er zu treibenden Beats und synchronisiert seine rasanten Tricks mit virtuosen Tanzbewegungen, die oft an die Energie von Musikvideos erinnern.

Letícia Anna Losonczi und Artúr Salem Hema vom ungarischen Duo Faludy entstammen einer traditionsreichen Akrobatenfamilie, die seit vielen Generationen mit einem überdimensionalen Schleuderbrett verblüfft, dem sogenannten Teeterboard. Gegründet wurde die Teeterboard-Gruppe bereits 1891 von Zsigmond Klein. Während der Performance katapultieren sich die beiden Künstler mehrfach in beeindruckende Höhen, schlagen Saltos und vollführen komplexe Figuren.

Mila Roujilo kombiniert Hula Hoop mit tänzerischen Elementen, Rhythmus und einem hohen Tempo. Die gebürtige Russin wirbelt die Ringe im Takt treibender Rhythmen elegant um ihren Körper.
Der Zirkuskünstler Sebastian Berger entwickelte eine eigene Jonglagetechnik und wurde 2019 mit seinem Soloact mit einem Europameistertitel ausgezeichnet. In der GOP-Show beeindruckt er durch Objektmanipulation und Jonglage mit selbst entworfenen Requisiten. Er lädt mit kurzen Zwischenmonologen als sogenannter „Professor“ zum Schmunzeln ein.
Szenenapplaus erhält auch der gebürtige Ukrainer Nikolai Shelamov für seine wagemutige Darbietung auf einer sogenannten Slackline. Er demonstriert auf dem schmalen, federnden und flachen Kunstfaserband eine dynamisch spannungsvolle Gleichgewichtskunst.

Schlussendlich sorgt die Brasilianerin Mia Ferreira mit ihrer Performance am Washington-Trapez für einen weiteren atemberaubenden Höhepunkt. In luftiger Höhe balanciert sie, teilweise im Kopfstand schwingend. Sie jongliert dabei vier Ringe zu dem atmosphärisch dramatischen Gesang „The Hanging Tree“ aus den Film Die Tribute von Panem -Mockingjay. Wie gebannt hält sich die Konzentration im Saal.
Die Inszenierung von Robin Witt schafft es spielerisch facettenreich, die Leichtigkeit des Kindseins mit den anspruchsvollen Kunstformen und Disziplinen des Varietés zu verknüpfen.
Die Show „ALIVE“ im GOP Varieté-Theater Bonn läuft noch bis zum 5. Juli 2026. Nächste Vorstellungen finden fast täglich statt, mitunter sogar am gleichen Tag nachmittags und abends. Die Spieldauer beträgt etwa zwei Stunden inklusive einer Pause.
Mit dem familienfreundlichen Angebot „Kids für Nix“ erhalten Kinder bis 14 Jahre in Begleitung eines voll zahlenden Erwachsenen kostenlosen Eintritt zur Show.
Weitere Fotos und ein Video vom Premierenabend auf kulturblick.net.



