Foto: Sebastian Derix
Der Telekom Dome - Heimat der Baskets. Foto: Sebastian Derix

Dass die Stadt Bonn kein Geld hat, ist ein Ge­heim­nis, of­fen wie ein Scheu­nen­tor. Dass sie des­halb ge­nau über­le­gen muss, wem sie Geld zu­kom­men lässt und von wem sie nach Mög­lich­keit Geld be­kom­men kann, ist ei­ne lo­gi­sche Kon­se­quenz. Die Te­le­kom Bas­kets, Bonns ein­zi­ges pro­fes­sio­nel­les Sport-Team, be­kommt zum Bei­spiel nichts von der Stadt. Al­ler­dings kas­siert die Stadt­kas­se sehr or­dent­lich mit, wenn auf dem Hardt­berg das oran­ge Le­der fliegt.

Die Be­ko Bas­ket­ball Bun­des­li­ga hat ei­ne Stu­die in Auf­trag ge­ge­ben, die den Mehr­wert ei­nes Profi-Vereins für ei­ne Stadt er­mit­teln soll­te. An­hand der Te­le­kom Bas­kets und der Stadt Bonn wur­de die­ser be­rech­net. Die Er­geb­nis­se sind jetzt prä­sen­tiert wor­den. Rund 400.000 Eu­ro pro Sai­son be­trägt die so ge­nann­te „steu­er­li­che Wert­schöp­fung“ für die Stadt und ih­re um­lie­gen­den Ge­mein­den. Laut Stu­die von  Prof. Dr. Sa­scha L. Schmidt (WHU – Ot­to Beis­heim School of Ma­nage­ment Vallendar/Düsseldorf) ste­hen dem Kos­ten von rund 60.000 Eu­ro für die Aus­rich­tung der Heim­spie­le ge­gen­über. Die­se be­zahlt der Club al­ler­dings kom­plett aus ei­ge­ner Tasche.

Eben­so wie rund 2,2 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr für Dienst­leis­tun­gen und Wa­ren – der Ver­ein be­zieht 54% da­von aus dem Stadt­ge­biet oder dem nä­he­ren Um­kreis. Au­ßer­dem för­dern die Bas­kets die Ju­gend­ar­beit in Bonn mit rund ei­ner hal­ben Mil­li­on Eu­ro, da­zu kom­men Auf­wen­dun­gen im Be­reich so­zia­les En­ga­ge­ment in Hö­he von 87.500 Eu­ro. Prof. Schmidt: „Die Stadt Bonn pro­fi­tiert nicht nur von di­rek­ten Steu­er­ein­nah­men wie Gewerbe- und Grund­steu­er. Auch in­di­rekt be­ein­flus­sen die Te­le­kom Bas­kets Bonn die lo­ka­le Wirt­schaft po­si­tiv. Der Ver­ein schafft Ar­beits­plät­ze und ar­bei­tet über­wie­gend mit lo­ka­len Dienst­leis­tern und Pro­du­zen­ten. An Heim­spiel­ta­gen be­sche­ren die Fans der Tou­ris­mus­bran­che und der Gas­tro­no­mie in Bonn zu­sätz­li­che Umsätze.“

Rech­net man die Zah­len zu­sam­men, be­kommt man ein er­staun­li­ches Er­geb­nis. Im Ge­ne­ral An­zei­ger sag­te Achim Deh­nen, Fi­nanz­ex­per­te des Stadt­sport­bun­des: „Ei­ne Mil­li­on Eu­ro mess­bar po­si­ti­ve Ef­fek­te der Bas­kets ent­spre­chen ge­nau der Sum­me, die die Stadt an Sport­för­de­rung für al­le 280 Ver­ei­ne aus­gibt. Über­setzt heißt das: Die Bas­kets er­wirt­schaf­ten die Bon­ner Sport­för­de­rung.“ Wenn die­se Dar­stel­lung auch über­spitzt sein mag, soll­te die Stadt sich über­le­gen, ob sie die Bas­kets wei­ter­hin völ­lig oh­ne Zu­schüs­se aus­kom­men las­sen will.

Denn eins zeigt die Stu­die von Prof. Schmidt eben­falls: Mit ei­nem Spie­leretat von un­ge­fähr 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro ste­hen die Bas­kets im Li­ga­ver­gleich laut GA im un­te­ren Be­reich. BekoBBL-Chef Jan Pom­mer sag­te dem Blatt, der Durch­schnitt, den die Mann­schaf­ten in der ers­ten Li­ga für ih­re Spie­ler zur Ver­fü­gung ha­ben, lie­ge bei rund 4,9 Mil­lio­nen Eu­ro. Noch ar­bei­tet das Ma­nage­ment auf dem Hardt­berg so gut, dass sich die Bas­kets zu­min­dest im (obe­ren) Mit­tel­feld und re­gel­mä­ßig in den Play­offs hal­ten kön­nen. Klar ist aber, dass na­he­zu al­le Clubs der Li­ga im­mer wei­ter auf­rüs­ten. Ob die Bas­kets dem wei­ter al­lei­ne stand­hal­ten können?

Die Stadt soll­te sich frei ma­chen von per­sön­li­chen Ani­mo­si­tä­ten. Dass ihr „Leucht­turm“, die Te­le­kom Bas­kets, nicht nur für den gu­ten Ruf Bonns ar­bei­tet, son­dern so­gar ba­res Geld wert ist, ist spä­tes­tens seit Ver­öf­fent­li­chung der Stu­die wis­sen­schaft­lich belegt.

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