Ei­ne der am häu­figs­ten an­zu­tref­fen­den Farb­kom­bi­na­tio­nen der Stadt Bonn ist zur­zeit rot-weiß – und nein, we­der hat der FC in Bonn tau­sen­de neu­er Fans ge­won­nen noch hat der Kar­ne­val in die­sem Jahr be­reits im Früh­som­mer be­gon­nen. Was wir al­le an so lang­sam un­über­schau­bar vie­len Stel­len se­hen ist das rot-weiß der Bau­stel­len­schil­der, Ab­sperr­bän­der und -gat­ter so­wie der da­zu­ge­hö­ri­gen Warn­leuch­ten. Bit­te nicht falsch ver­ste­hen: of­fen­sicht­lich gibt es in Bonn – oder in NRW ins­ge­samt, wie wir den täg­li­chen Stau­mel­dun­gen im Ra­dio ent­neh­men kön­nen  – ei­nen enor­men Nach­hol­be­darf bei der Sa­nie­rung von Ver­kehrs­in­fra­struk­tu­ren. Dass es ge­macht wird, ist toll! Dar­über freu­en wir uns als Bürger*innen sehr – al­so ich zu­min­dest. Ein­zig die Fra­ge der Zeit­punk­te, der Dau­er der Maß­nah­men so­wie in Tei­len auch der pla­ne­ri­schen Um­set­zung die­ser Bau­stel­len lässt mich doch ein we­nig rät­seln, ob das al­les denn ge­nau so sein muss.

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Als An­woh­ner der Nord­stadt, ge­nau­er ge­sagt der Köln­stras­se, bin ich wie vie­le mei­ner Nach­ba­rIn­nen auch schon seit ge­rau­mer Zeit – ich glau­be seit An­fang des Jah­res – mit­tel­schwer ge­plagt von den Bau­maß­nah­men in der Rö­mer­stras­se, bzw. den da­durch ent­ste­hen­den Staus auf eben die­ser Köln­stras­se. Und ein En­de ist nicht in Sicht, zu­min­dest kann man da nicht viel er­ken­nen. Und das ist wahr­lich nicht die ein­zi­ge Bau­stel­le in Bonn, man den­ke al­lein an die ak­tu­el­len Au­to­bahn­sa­nie­run­gen im Bon­ner Stadtbereich.

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Nun ha­ben wir ja be­kann­ter­ma­ßen seit dem 23. Mai ei­ne wei­te­re – und wirk­lich nicht ganz un­we­sent­li­che – Bau­stel­le da­zu­be­kom­men: die Sa­nie­rung der Vik­to­ria­b­rü­cke. Was die­se Brü­cke für Bonn be­deu­tet, weiß wohl je­der, der hier wohnt. Vor al­lem wer, z.B. be­rufs­be­dingt, die­se so wich­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen dem Bon­ner Nor­den und Bon­ner Sü­den täg­lich nut­zen muss, kann ein Lied da­von sin­gen. Und nun wird die oh­ne­hin fast im­mer ver­stopf­te und spe­zi­ell für Radfahrer*innen schon im­mer nicht un­ge­fähr­li­che Brü­cke (die­se ver­damm­ten Hub­bel in Rich­tung Nord­stadt auf Hö­he der Kreu­zung zur Born­hei­mer Stras­se sind echt ät­zend und ge­fähr­lich!) auch noch für ei­ne sehr lan­ge Zeit mehr oder min­der teil­ge­sperrt werden.

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Ei­ne Maß­nah­me, die für al­le Be­tei­lig­ten nicht ein­fach ist und zu enor­men Kon­flik­ten führt, wie man ei­gent­lich je­den Tag be­ob­ach­ten kann. Für Radfahrer*innen ist sie im Prin­zip schlicht und er­grei­fend le­bens­ge­fähr­lich ge­wor­den. Oder nicht mehr nutz­bar, wie auch immer.

Nun ist uns von den Nord­deut­schen die Weis­heit „wat mutt, dat mutt“ be­kannt, wo­für es im Rhei­ni­schen mei­nes Wis­sens nach kein di­rek­tes Pen­dant gibt. Ich glau­be ja so­gar, dat et mutt; aber mutt es wirk­lich auch so? Wä­re nicht ein an­de­rer Zeit­punkt mög­lich ge­we­sen, an dem nicht noch an­de­re Groß­bau­stel­len in un­mit­tel­ba­rer Nä­he vor­han­den sind. Muss die­se Sa­nie­rung wirk­lich min­des­tens drei Jah­re [sic!] dau­ern? Oder wä­re es viel­leicht mög­lich ge­we­sen, für ein so wich­ti­ges Pro­jekt die Zeit mit mehr Personal- und Ma­schi­nen­ein­satz so­wie ei­ner hö­he­ren Prio­ri­sie­rung deut­lich zu ver­kür­zen? Hey, der Bau des acht­größ­ten Flug­ha­fens der Welt in Neu De­lhi hat auch drei Jah­re ge­dau­ert! Und, last but not least, hät­te man sich nicht ei­ne Lö­sung über­le­gen kön­nen, um zu­min­dest für den Groß­teil der Zeit für AL­LE Verkehrsteilnehmer*innen (al­so auch Radfahrer*innen) er­träg­li­che und si­che­re Ver­hält­nis­se zu schaf­fen? Ich bin kein In­ge­nieur und kein Pla­ner, aber wo ein Wil­le ist… kei­ne Ah­nung, viel­leicht den je­wei­li­gen Bau­ab­schnitt en­ger ma­chen und da­für ei­ne Rad­spur an­le­gen? Oder sich zu­min­dest ein ver­nünf­ti­ges Um­ge­hungs­kon­zept über­le­gen. Man hät­te doch si­cher auch die Bon­ner Bürger*innen par­ti­zi­pa­tiv an der Su­che nach krea­ti­ven Mög­lich­kei­ten für ei­ne bes­se­re Um­set­zung mit­wir­ken las­sen kön­nen. In­tel­li­gen­te und ra­di­ka­le Ideen ent­ste­hen oft erst in der Crowd! Viel­leicht wä­ren da­bei auch ge­ne­rell ein paar in­tel­li­gen­te­re Verkehrs- und Stadt­pla­nungs­kon­zep­te auf den Tisch ge­kom­men. Oder, oder, oder… ich mein´ ja nur. :-)

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