Hans Neu­hoff wur­de 1959 in Bonn ge­bo­ren. Der Kul­tur­so­zio­lo­ge und Mu­sik­wis­sen­schaft­ler ist seit 2004 Pro­fes­sor für So­zio­lo­gie und Psy­cho­lo­gie der Mu­sik an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Tanz Köln. Er wur­de 2017 Mit­glied der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD), für die er seit 2020 als Stadt­ver­ord­ne­ter im Rat der Stadt Bonn sitzt. Er kan­di­diert für den kom­men­den Bun­des­tag, in den er als Di­rekt­kan­di­dat ein­zie­hen möch­te. Jo­han­nes Mi­rus und Ans­gar Sko­da tra­fen ihn on­line und spra­chen mit ihm un­ter an­de­rem über das Image und die Frau­en­quo­te der AfD, An­fein­dun­gen, den Kli­ma­wan­del, In­te­gra­ti­ons­fra­gen und na­tür­lich Bonn.

Bundesstadt.com: Sie sind Pro­fes­sor an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Tanz Köln. Die Stu­die­ren­den ha­ben ei­ne Pe­ti­ti­on ge­star­tet, in der sie sich von Ih­rem En­ga­ge­ment bei der AfD di­stan­zie­ren, weil sie die Wer­te der AfD mit den Wer­ten der Hoch­schu­le un­ver­ein­bar fin­den. Kri­ti­siert wird un­ter an­de­rem, dass Sie und die AfD sich für ei­ne deut­sche Leit­kul­tur aus­spre­chen. Die Pe­ti­ti­on fand über 300 Un­ter­stüt­zer. Wie ste­hen Sie dazu?

Hans Neu­hoff: Die Stu­den­ten kön­nen das tun, wenn sie das wol­len. Von der Sa­che her han­delt es sich nicht um ei­ne Pe­ti­ti­on. Es ist auch nicht klar, wer der Adres­sat die­ser an­geb­li­chen Pe­ti­ti­on sein soll. Die Köl­ner Hoch­schu­le hat zur Zeit et­wa 1.600 Stu­den­ten, es hat al­so bes­ten­falls ein knap­pes Fünf­tel un­ter­schrie­ben. In Wahr­heit sind vie­le Stu­den­ten da­bei, die längst ex­ma­tri­ku­liert sind, in ei­ni­gen Fäl­len seit über zehn Jah­ren. Ich ha­be selbst die Per­so­nen, die ih­ren Klar­na­men an­ge­ge­ben ha­ben, ge­prüft. Von den­je­ni­gen, die mich aus der Leh­re ken­nen, hat sich kaum ei­ner be­tei­ligt. Sie wis­sen, dass das, was an all­ge­mei­nen Vor­wür­fen ge­gen die AfD in Um­lauf ist, auf mich in kei­ner Wei­se zutrifft.

Be­kom­men Sie auch sonst als AfD-Kandidat viel Gegenwind?

Wenn Sie für die AfD auf­tre­ten, müs­sen Sie in der Tat ei­ne ge­wis­se Stand­fes­tig­keit ha­ben. Denn die An­grif­fe sind all­täg­lich und fin­den auf al­len Ebe­nen statt. Als ich in Bonn das Spre­cher­amt über­nahm, ha­be ich als ers­tes bei uns am Haus das Na­mens­schild ent­fernt, weil ich auch mit Blick auf mei­ne Kin­der dar­auf ach­ten muss­te, dass hier nichts pas­siert. Ich ha­be zwei Kin­der im Grund­schul­al­ter. Die­se sind in der Schu­le von Mit­schü­lern für mei­ne Tä­tig­keit bei der AfD kri­ti­siert wor­den, als bei der Kom­mu­nal­wahl über­all mein Kon­ter­fei auf den Pla­ka­ten zu se­hen war. Auch im Fuß­ball­ver­ein wur­de mein Sie­ben­jäh­ri­ger von äl­te­ren Ju­gend­li­chen be­schimpft, weil sein Va­ter sich für die AfD en­ga­giert. Mei­ne Frau stammt aus Bur­ki­na Fa­so und mei­ne Kin­der sind far­big. Es ist völ­lig ab­we­gig, der AfD als Par­tei oder gar mir per­sön­lich Aus­län­der­feind­lich­keit vor­zu­wer­fen. Rich­tig ist, dass sich die AfD ge­gen die ir­re­gu­lä­re Mas­sen­zu­wan­de­rung stellt. Mei­ne Kin­der müs­sen sich hier für et­was recht­fer­ti­gen, für das sie in kei­ner Wei­se ver­ant­wort­lich sind, näm­lich das ka­ta­stro­pha­le Image der AfD.

Wo­her kommt die­ses Image?

Das Image ist im We­sent­li­chen ein Me­di­en­pro­dukt. Wir soll­ten uns kei­ne Il­lu­sio­nen dar­über ma­chen, dass die Me­di­en ei­ne star­ke Len­kungs­wir­kung auf die De­mo­kra­tie aus­üben. Ich kann Ih­nen das an ei­nem ein­fa­chen Bei­spiel ver­deut­li­chen. Wenn Sie in ei­nem ge­ge­be­nen Zeit­fens­ter von AfD-Vertretern hun­dert Aus­sa­gen ha­ben, von de­nen 95 Pro­zent nicht den ge­rings­ten rechts­las­ti­gen In­halt ha­ben und fünf Aus­sa­gen ha­ben ei­nen sol­chen In­halt, wer­den von den Me­di­en aus­schließ­lich die­se fünf Aus­sa­gen ge­bracht. Hö­ren Sie sich zum Bei­spiel die Re­de des viel­ge­schmäh­ten Alex­an­der Gau­land zum Ge­denk­tag des Über­falls auf die So­wjet­uni­on an. Dort zeigt Gau­land ein dif­fe­ren­zier­tes und kri­ti­sches Ge­schichts­be­wusst­sein, das in kei­ner Wei­se über­ein­stimmt mit den pau­scha­len Un­ter­stel­lun­gen na­tio­na­lis­ti­scher Selbst­über­hö­hung, die der­zeit über die AfD im Um­lauf sind. Die Leit­me­di­en ha­ben nichts da­von gebracht.

Sind sol­che Re­den nicht Teil des Pro­blems? Vie­le Ver­tre­ter Ih­rer Par­tei möch­ten die Ge­schich­te ab­mil­dern, was die Schuld der Deut­schen an­be­langt und Re­vi­sio­nis­mus be­trei­ben. Ge­ra­de Herr Gau­land sprach ja auch von der NS-Zeit als „Vo­gel­schiss der Ge­schich­te“. Ist es nicht selbst­ver­ständ­lich, dass man, wenn man sich sol­che Aus­wüch­se an­sieht, Par­tei­mit­glie­der auch in Sip­pen­haft nimmt?

Wir ha­ben na­tür­lich ei­ne gan­ze Rei­he von be­zahl­ten Stö­rern und Zer­set­zern in der Partei.“

Wenn man es so will, kann man es so be­trei­ben. Ich hal­te es je­doch nicht für ver­ant­wort­lich im Sin­ne der po­li­ti­schen Un­par­tei­lich­keit. Sie müs­sen sich auch die Pro­gram­me der AfD an­schau­en, die in ei­nem de­mo­kra­ti­schen Pro­zess ent­ste­hen. Die AfD ist ei­ne Rechts­staats­par­tei und hat we­der mit rechts­ex­tre­men, noch sonst­wie mit de­mo­kra­tie­feind­li­chen Ideo­lo­gien et­was gemeinsam.

Im AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt war Spit­zen­kan­di­dat Oli­ver Kirch­ner Teil der Facebook-Gruppe „Die Pa­trio­ten“, in der ein Bild ei­nes Piz­za­kar­tons mit dem Fo­to des von den Na­zis er­mor­de­ten jü­di­schen Mäd­chens An­ne Frank kur­sier­te, auf dem „ofen­frisch“ zu le­sen war. Wie kön­nen Per­so­nen, die in rechts­ex­tre­men und het­ze­ri­schen Grup­pen ver­keh­ren, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de blei­ben? War­um di­stan­ziert sich die AfD nicht kla­rer von men­schen­ver­ach­ten­den Äu­ße­run­gen und rechts­ex­tre­men Gedankengut?

Ich ken­ne die­sen Fall nicht im Ein­zel­nen und weiß nicht, wie Herr Kirch­ner in die­se Grup­pe ge­kom­men ist. Ich ken­ne an­sons­ten in mei­ner Par­tei nur sehr we­ni­ges, was ex­pli­zit di­stan­zie­rungs­be­dürf­tig wä­re, der „Vo­gel­schiss“ von Gau­land ge­hört al­ler­dings de­fi­ni­tiv da­zu. Sie müs­sen sich im Üb­ri­gen dar­über im Kla­ren sein, dass vie­les, was in Um­lauf ge­bracht wird, gar nicht von ech­ten AfD-Mitgliedern stammt. Ich bin über­zeugt da­von, dass wir ei­ne Rei­he von be­zahl­ten Stö­rern und Zer­set­zern in der Par­tei ha­ben. Teil­wei­se wis­sen wir, wer das ist, und wir sind auch da­bei, die­se Leu­te zu iso­lie­ren. Bit­te er­in­nern Sie sich dar­an, wor­an das NPD-Verbotsverfahren 2003 vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­schei­tert ist. Der Lan­des­vor­sit­zen­de von Nordrhein-Westfalen war ein V-Mann des Ver­fas­sungs­schut­zes und sein Stell­ver­tre­ter auch!

Herr Neu­hoff, wir wol­len ja nicht über die NPD re­den. Aber die AfD steht ja auch un­ter Be­ob­ach­tung des Verfassungsschutzes.

Es wä­re voll­kom­men na­iv zu glau­ben, dass nicht mit den­sel­ben Mit­tel ge­gen die AfD vor­ge­gan­gen wür­de, dass es al­so in der AfD kei­ne ein­ge­schleus­ten, be­zahl­ten Zer­set­zer gibt. Nichts ist im Üb­ri­gen ein­fa­cher, als bei ei­ner De­mons­tra­ti­on je­man­dem 400 Eu­ro zu ge­ben, da­mit er hin­geht und den Hit­ler­gruß zeigt. Die Fo­to­gra­fen ste­hen dann schon be­reit und hin­ter­her heißt es in den Schlag­zei­len, auf AfD-Veranstaltungen wur­de der Hit­ler­gruß gezeigt.

Kom­men wir zu ei­nem an­de­ren The­ma: Die vom Men­schen ver­ur­sach­ten Emis­sio­nen von Treib­haus­ga­sen sind die Haupt­ur­sa­che der ge­gen­wär­ti­gen Erd­er­wär­mung. Ih­re Par­tei misst Kli­ma­schutz und ei­ner um­welt­freund­li­chen Mo­bi­li­tät im Wahl­pro­gramm we­nig Stel­len­wert bei. Möch­ten Sie und die AfD die Sub­ven­tio­nie­rung von Bil­lig­flü­gen und das Fah­ren von Ver­bren­nungs­mo­to­ren beibehalten?

Wir sind in der Tat der Mei­nung, dass die Klima-Agenda, die zur Schlüs­sel­agen­da des ge­sam­ten po­li­ti­schen Ge­sche­hens ge­macht wor­den ist, weit über­be­wer­tet ist. Es gibt an­de­re sehr wich­ti­ge The­men, die von uns als ei­ner po­li­ti­schen Al­ter­na­ti­ve für wich­ti­ger ge­hal­ten wer­den. Erst wenn man sich auf die­ser grund­sätz­li­che Ebe­ne ver­stän­digt hat, kann man ei­ne fach­po­li­ti­sche De­tail­fra­ge, die sie hier stel­len, beantworten.

Die Klima-Agenda ist weit überbewertet“

Wir hal­ten die Klima-Dramatik für über­zo­gen. Wir wis­sen, dass die Ur­sa­chen der Erd­er­wär­mung, die es in ei­nem ge­wis­sen Um­fang gibt, nicht ab­schlie­ßend und si­cher ge­klärt sind. Wir wis­sen auch, dass noch er­heb­li­che Zeit­fens­ter da sind und Maß­nah­men ge­ge­be­nen­falls mit ru­hi­ger Hand durch­ge­führt wer­den kön­nen. Wir wis­sen ins­be­son­de­re, dass die Kli­ma­pro­ble­ma­tik, in­so­weit es sie gibt, nicht lo­kal oder na­tio­nal ge­löst wer­den kann. Sie ist nur in­ter­na­tio­nal lös­bar. Es hat kei­nen Sinn, dass wir hier ei­nen na­tio­na­len Al­lein­gang ma­chen und glau­ben, die gan­ze Welt guckt auf uns, wäh­rend welt­weit 1200 Koh­le­kraft­wer­ke im Bau sind. Das ist ab­surd. Des­we­gen kri­ti­sie­ren wir den Stel­len­wert, den die­se Agen­da in Deutsch­land hat.

Die Wis­sen­schaft ist sich sehr wohl ei­nig. Das ist jüngst im Welt­kli­ma­be­richt be­stä­tigt wor­den, dass der Mensch ei­nen er­heb­li­chen An­teil an der Erd­er­wär­mung und dem Kli­ma­wan­del hat.

Die­se Auf­fas­sung tei­le ich nicht. Schau­en Sie sich die Fach­ka­pi­tel in Un­er­wünsch­te Wahr­hei­ten von Vah­ren­holt und Lü­ning an, zwei ex­zel­len­ten Ken­nern der Ma­te­rie. Hier wird un­ter an­de­rem aus­ge­führt, dass der Bei­trag der Son­ne zur Erd­er­wär­mung nach wie vor nicht ge­klärt ist. Es gibt al­ter­na­ti­ve Hy­po­the­sen. Wis­sen­schaft ist kei­ne De­mo­kra­tie, wo ei­ne Mehr­heit ent­schei­den könn­te, was rich­tig ist. Wis­sen­schaft ist ei­ne Fra­ge von ra­tio­na­ler Be­weis­füh­rung. Ei­ne sol­che ra­tio­na­le Be­weis­füh­rung liegt nicht vor.

Wie be­grün­den Sie denn, dass Ka­ta­stro­phen wie die jüngs­te Flut­ka­ta­stro­phe in der Re­gi­on im­mer häu­fi­ger pas­sie­ren und im­mer stär­ke­re Aus­ma­ße haben?

Auch die­se Be­haup­tung, die re­ge­mä­ßig in den Me­di­en zu le­sen ist, ist mei­nes Wis­sens nicht va­li­diert. Hier ver­wei­se ich pau­schal auf die Dar­stel­lung zu Ex­trem­wet­ter­phä­no­me­nen bei Vah­ren­holt, der dem The­ma meh­re­re Ka­pi­tel ge­wid­met hat.

Trump hat­te völ­lig Recht, aus dem Pa­ri­ser Kli­ma­ab­kom­men auszutreten“

Ver­nei­nen Sie kom­plett den mensch­li­chen An­teil am kon­ti­nu­ier­li­chen An­stieg der Durchschnittstemperatur?

Dass es ei­nen ge­wis­sen mensch­li­chen An­teil gibt, wird auch von Vah­ren­holt nicht be­strit­ten. Er ist aber, in­so­fern Koh­len­di­oxid als Treib­haus­gas be­trach­tet wird, nur sehr ge­ring im Ver­gleich zu den na­tür­li­chen Ur­sa­chen der CO2-Er­zeu­gung. Wenn man dann noch schaut, wie sich der An­teil Deutsch­lands da­bei aus­nimmt, dann sind wir wie­der an dem Punkt, dass die Fra­ge, den men­schen­ge­mach­ten CO2-An­teil zu re­du­zie­ren, nicht in Deutsch­land ent­schie­den wer­den kann. Wenn, dann müss­te es ei­ne glo­ba­le Agen­da ge­ben. Mei­nes Er­ach­tens hat­te Trump völ­lig Recht, aus dem Pa­ri­ser Ab­kom­men aus­zu­tre­ten. Ich weiß, das ist von sei­nem Nach­fol­ger rück­gän­gig ge­macht worden.

Ei­ne glo­ba­le Agen­da ist aber nicht mög­lich, wenn ein­zel­ne Län­der aus­tre­ten. Das Ab­kom­men hat doch ge­nau den Sinn, dass al­le zu­sam­men Maß­nah­men ergreifen.

Der Aus­tritt der USA hat­te den Zweck, die Sinn­lo­sig­keit des Un­ter­fan­gens in sei­ner be­stehen­den Form her­aus­zu­stel­len. Es gibt ja un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen für die ein­zel­nen Län­der, ins­be­son­de­re die gro­ßen Emit­ten­ten wie Chi­na, In­di­en und an­de­re so­ge­nann­te Schwel­len­län­der dür­fen noch sehr viel mehr CO2 aus­sto­ßen als die west­li­chen Industrieländer.

Die Ver­teu­fe­lung des Verbrennungs-motors ist ei­ne völ­lig ab­we­gi­ge Bewertung“

An die­ser Stel­le möch­te ich Ih­nen auch ganz klar sa­gen: Die Ver­teu­fe­lung des Ver­bren­nungs­mo­tors ist ei­ne völ­lig ab­we­gi­ge Be­wer­tung in An­be­tracht der Tat­sa­che, dass er so viel Wohl­stand und Zu­träg­lich­keit in das mensch­li­che Le­ben hin­ein­ge­bracht hat. Der Ver­bren­nungs­mo­tor ist ei­ne der se­gens­reichs­ten Er­fin­dun­gen der Mensch­heits­ge­schich­te und bis auf Wei­te­res unverzichtbar.

Die Fra­ge, wel­chen An­teil Deutsch­land neh­men kann, ist schon da­mit be­ant­wor­tet, dass Deutsch­land we­sent­lich mehr CO2 aus­stößt, als es wie­der auf­fan­gen kann – dop­pelt so viel ungefähr.

Das wür­de für Chi­na noch sehr viel mehr zutreffen.

Ist die Ar­gu­men­ta­ti­on dann, weil die an­de­ren das dür­fen, ma­chen wir das auch?

Das wä­re die po­li­ti­sche Lö­sung. Po­li­tik ist die Ge­stal­tung der Ge­mein­we­sen durch das Set­zen von ver­bind­li­chen Re­geln. Ich glau­be bei die­sen Fra­gen nicht an ei­ne re­li­giö­se oder ethi­sche Lö­sung in dem Sin­ne: Ich prak­ti­zie­re jetzt ei­ne gan­ze ri­gi­de per­sön­li­che Le­bens­füh­rung, ver­zich­te auf die­ses und je­nes. Und wenn das dann al­le tun wür­den, wenn al­le so gut wä­ren wie ich selbst, dann wür­de die gan­ze Welt gut. Das ist ei­ne ethisch-moralische Auf­fas­sung, die man ha­ben kann, mit der man aber au­ßer für sich selbst nichts erreicht.

Fängt Ver­än­de­rung nicht im­mer bei ei­nem selbst an?

Deutsch­lands mög­li­che Vor­rei­ter­rol­le in der Kli­ma­kri­se wird von wich­ti­gen Län­dern nicht zur Kennt­nis genommen“

Wie ge­sagt, das sind al­les Fra­gen, die nur po­li­tisch ge­löst wer­den kön­nen, das heißt durch Ge­setz­ge­bung und die Durch­set­zung von Re­ge­lun­gen, die für al­le ver­bind­lich sind. Das müss­te na­tür­lich bei ei­ner sol­chen The­ma­tik im glo­ba­len Maß­stab gel­ten. Es be­steht aber ein er­heb­li­ches Pro­blem die In­sti­tu­tio­nen zu schaf­fen, die das tat­säch­lich durch­set­zen könnten.

Wir wol­len es mal von ei­ner an­de­ren Sei­te be­trach­ten. Neh­men wir an, wir wä­ren uns dar­über ei­nig, dass wir mit neu­en tech­ni­schen Er­run­gen­schaf­ten den Kli­ma­wan­del ver­rin­gern. Sie re­den hier von ei­ner na­tio­na­len Sicht­wei­se und ei­ner viel­leicht auch ego­is­ti­schen Her­an­ge­hens­wei­se. Wä­re es denn nicht so­gar ei­ne Chan­ce für Deutsch­land wirt­schaft­lich er­folg­reich zu sein, wenn man Vor­rei­ter wä­re für grü­ne Technologien?

Das hängt ab von der Si­tua­ti­on der Märk­te und der Nach­fra­ge nach sol­chen Tech­no­lo­gien im welt­wei­ten Maß­stab. Ich se­he, dass ver­sucht wird, Deutsch­land in ei­ne sol­che Rol­le hin­ein­zu­brin­gen. Ich se­he aber auch, dass das in gro­ßen und wich­ti­gen Län­dern der mul­ti­po­la­ren Welt­ord­nung, al­so et­wa in den be­völ­ke­rungs­reichs­ten Län­dern wie Chi­na, In­di­en und dem stark wach­sen­den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent, über­haupt nicht zur Kennt­nis ge­nom­men wird.

Wir kom­men hier wie­der zu dem glei­chen Pro­blem: Wol­len wir mit Stolz und ethisch bes­ten Ge­wis­sen un­ser Land in wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten brin­gen, da­mit wir hin­ter­her sa­gen kön­nen, wir ha­ben das Rich­ti­ge ge­tan, wenn die Welt un­ter­ge­gan­gen ist? (Sie wird nicht un­ter­ge­hen.) Oder wol­len wir dar­auf hin­ar­bei­ten, dass es rea­lis­ti­sche Lö­sun­gen gibt? Wir kön­nen se­hen, wie il­lu­si­ons­ge­trie­ben die Re­gie­rungs­po­li­tik ge­ra­de Deutsch­lands und auch der USA in den letz­ten Jah­ren war und auch ak­tu­ell ist. Schau­en Sie sich an, was ge­ra­de in Af­gha­ni­stan passiert.

Es gibt un­ab­hän­gig von der Kli­ma­agen­da an­de­re wich­ti­ge Fra­gen, die völ­lig feh­len. Da­zu zäh­len der de­mo­gra­fi­sche Wan­del und der Ein­bruch der Ge­bur­ten­zah­len auf­grund der Anti-Baby-Pille. Die Po­li­tik, die hier im­mer auf kur­ze Sicht fährt, hat voll­kom­men versagt.

Was hät­te die Po­li­tik denn ge­gen den Ge­bur­ten­rück­gang tun können?

Ei­ne ak­ti­vie­ren­de Geburtenpolitik.

Die AfD ist die ein­zi­ge Par­tei, die das Phä­no­men der Is­la­mi­sie­rung zum The­ma macht“

Mit wel­chen Maßnahmen?

Die AfD sieht ei­ne Ent­las­tung von Fa­mi­li­en vor, ins­be­son­de­re durch Ein­füh­rung des Fa­mi­li­en­split­tings und die Er­stat­tung pro Kind von 20.000 Eu­ro an Bei­trä­gen zur Ren­ten­ver­si­che­rung. Ech­te För­de­rung der Fa­mi­li­en ist das ein­zi­ge Mit­tel, um die Ge­bur­ten­zahl auf ein Ni­veau zu brin­gen, dass sie be­stands­er­hal­tend ist.

Es kom­men aber noch wei­te­re Pro­ble­me hin­zu, die wir se­hen müs­sen. Die AfD ist die ein­zi­ge Par­tei, die das Phä­no­men der Is­la­mi­sie­rung zum The­ma macht. Wenn die Ent­wick­lung mit Zu­wan­de­rung und de­mo­gra­phi­schem Wan­del so wei­ter­geht, wie in den letz­ten zwan­zig Jah­ren, dann wer­den wir in 30 Jah­ren, al­so 2050, ei­nen An­teil von 15 bis 20 Pro­zent Mus­li­men in Deutsch­land ha­ben. 2080, wei­te­re 30 Jah­re spä­ter, wird ihr An­teil 35 bis 40 Pro­zent be­tra­gen. Dann ist der Is­lam 2080 die größ­te Re­li­gi­on in Deutsch­land. Das will die AfD nicht. Wir kön­nen uns hier auf die Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ro­päi­schen Uni­on be­ru­fen, die aus­drück­lich fest­stellt, dass je­des Volk ein An­recht auf die Wah­rung sei­ner kul­tu­rel­len Iden­ti­tät hat. Was sa­gen und wie ver­hal­ten sich ei­gent­lich un­se­re Kol­le­gen von der Christ­lich De­mo­kra­ti­schen Uni­on dazu?

Sind für Sie Mus­li­me kei­ne Deutsche?

Doch, selbst­ver­ständ­lich gibt es auch Mus­li­me, die Deut­sche sind.

Sie sa­gen aber, es ist ein Pro­blem, wenn wir ganz vie­le Mus­li­me in Deutsch­land ha­ben. Wenn die in Deutsch­land leb­ten und ei­nen deut­schen Pass hät­ten, dann sei das nicht mehr Ihr Deutschland.

Wenn 40 Pro­zent der Be­völ­ke­rung mus­li­mi­schen Glau­bens wä­ren, hät­te sich Deutsch­land de­fi­ni­tiv geändert.

Und das wä­re schlimm?

Prof. Dr. Hans Neu­hoff (un­ten) im Ge­spräch mit Jo­han­nes Mi­rus (rechts oben) und Ans­gar Sko­da (links oben) 

Das wä­re aus mei­ner Sicht ei­ne Än­de­rung der kul­tu­rel­len Ma­trix, wie wir sie über Jahr­hun­der­te ge­habt ha­ben und mo­men­tan in den Grund­la­gen noch ha­ben. Die­se Grund­la­gen brö­ckeln. Ich hal­te die­se Än­de­rung nicht für wün­schens­wert. Denn der Is­lam ist nicht nur ei­ne Re­li­gi­on, er ist ei­ne um­fas­sen­de Ideo­lo­gie und Le­bens­ord­nung, die mit den Wer­ten Deutsch­lands und Eu­ro­pas an vie­len Punk­ten nicht ver­ein­bar ist.

Der Is­lam ist nicht nur ei­ne Re­li­gi­on, er ist ei­ne um­fas­sen­de Lebensordnung“

Leit­kul­tur be­deu­tet üb­ri­gens, dass in Si­tua­tio­nen kul­tu­rell be­ding­ter Wert- oder Norm­kon­flik­te ei­ner Kul­tur der Vor­rang zu­kom­men muss. Man kann zum Bei­spiel als gläu­bi­ger Mos­lem nicht das deut­sche Recht und gleich­zei­tig die Di­rek­ti­ven be­für­wor­ten, die sich aus Ko­ran und Ha­di­then in Be­zug auf die Be­wer­tung und Be­hand­lung von Un­gläu­bi­gen er­ge­ben. Man muss viel­mehr über ein Rang­ver­hält­nis zwi­schen die­sen bei­den Wer­te­quel­len ver­fü­gen. Und den Vor­rang kann hier nur die deut­sche oder eu­ro­päi­sche Wer­te­quel­le ha­ben. Und in die­sem Sin­ne ist sie dann auch die Leit­kul­tur. Wenn die Leit­kul­tur nicht die deut­sche oder eu­ro­päi­sche ist, ge­ben wir uns im Grun­de ge­nom­men auf.

Neh­men wir an, al­le Ein­wan­de­rer un­ter­wer­fen sich voll­kom­men die­ser Leit­kul­tur, so wie Sie sich das wün­schen. Es gibt ei­ne voll­kom­me­ne In­te­gra­ti­on nach Ih­ren Vor­stel­lun­gen. Es än­dert sich erst ein­mal nichts an un­ser al­ler Le­bens­grund­la­ge. Wä­re es dann trotz­dem ein Pro­blem, wenn es viel Ein­wan­de­rung gäbe?

Sie dür­fen Ein­wan­de­rung nicht über ei­nen Kamm sche­ren. Es gibt gro­ße Un­ter­schie­de zwi­schen den ver­schie­de­nen Her­kunfts­län­dern, so­zia­len Grup­pen und Mi­lieus. Die Viet­na­me­sen bei­spiels­wei­se in­te­grie­ren sich hier­zu­lan­de meist sehr er­folg­reich, et­wa im Schul­sys­tem. Be­stimm­te For­men des häus­li­chen Ler­nens wer­den tra­di­tio­nell bei ih­nen hoch ge­schätzt. Es wer­den güns­ti­ge Lern­um­ge­bun­gen für die Kin­der ge­schaf­fen, und es er­folgt ei­ne Be­glei­tung des Ler­nens durch die El­tern. An­de­re Grup­pen – es ist be­kannt, wel­che das sind – stel­len Pro­ble­me dar. Hier sind die Lern­er­fol­ge nicht so hoch. Bei uns in Wohn­ort­nä­he ist ein gro­ßes tür­ki­sches Vier­tel. Man kann dort se­hen: Tür­ki­sche Kin­der spie­len meist mit an­de­ren tür­ki­schen Kin­dern, sie spre­chen da­bei wie zu­hau­se Tür­kisch und nut­zen ver­mut­lich auch tür­kisch­spra­chi­ge Me­di­en. Beim Schul­ein­tritt ha­ben sie dann in vie­len Fäl­len ei­nen Rück­stand im Deutschen.

Ha­ben wir viel­leicht die Ein­wan­de­rer zu sehr über Ge­nera­tio­nen in be­stimm­te Vier­tel ab­ge­scho­ben, so dass sie sich heu­te nicht mehr in­te­grie­ren wol­len? Wie wol­len Sie das Pro­blem denn anpacken?

Das se­he ich nicht so. In NRW ha­ben wir so­gar ein Mi­nis­te­ri­um für In­te­gra­ti­on und das Teilhabe- und In­te­gra­ti­ons­ge­setz, das ei­ne Fül­le von Maß­nah­men vor­sieht. In­te­gra­ti­on ist aber zu­nächst und vor al­lem ei­ne Bring­schuld und ei­ne Fra­ge der In­te­gra­ti­ons­be­reit­schaft. Wenn ich in ein an­de­res Land ge­he, muss ich als ers­tes na­tür­lich die Spra­che be­herr­schen, da­mit ich mich in die­sem Land er­folg­reich ver­hal­ten und die Le­bens­auf­ga­ben be­wäl­ti­gen kann. Ei­ne Kul­tur ken­nen­ler­nen heißt dann aber auch, die vie­len Si­tua­ti­ons­de­fi­ni­tio­nen und Rol­len­ver­ständ­nis­se ken­nen­zu­ler­nen, die in der Kul­tur bestehen.

Ei­ne Kul­tur kann nur ei­nen be­stimm­ten Um­fang von Zu­wan­de­rung verkraften“

Ich bin län­ge­re Zeit in In­di­en und in Afri­ka ge­we­sen. Erst nach Jah­ren ha­be ich manch­mal ver­stan­den, wie be­stimm­te Din­ge über­haupt ge­meint wa­ren. In­te­gra­ti­on ist ei­gent­lich ei­ne Le­bens­auf­ga­be für Zu­wan­de­rer. Des­halb kann ei­ne Kul­tur nur ei­nen be­stimm­ten Um­fang von Zu­wan­de­rung ver­kraf­ten. Es ist in der Mi­gra­ti­ons­for­schung be­legt: Je grö­ßer die Dia­spo­ra wird, al­so je grö­ßer die Grup­pe der ei­ge­nen Kul­tur ist, die im Ziel­land von Mi­gran­ten lebt, des­to ge­rin­ger ist die In­te­gra­ti­ons­be­reit­schaft und der In­te­gra­ti­ons­druck für die Neu­an­kömm­lin­ge. Un­ser Ziel ist es in der AfD, dass sich die Zu­ge­wan­der­ten in­ner­halb ei­nes über­schau­ba­ren Zeit­rah­mens auch wirk­lich als Deut­sche be­trach­ten und die Her­kunfts­kul­tur der El­tern oder Groß­el­tern als Zu­satz be­grei­fen, der an die deut­sche Iden­ti­tät anschließt.

Kom­men wir zu ei­nem an­de­ren The­ma. Auf den ers­ten zwölf Plät­zen der Be­wer­ber für die Lan­des­lis­te NRW steht kei­ne ein­zi­ge Frau. Ih­re Par­tei hat ins­ge­samt im Bun­des­tag die bei wei­tem nied­rigs­te Frau­en­quo­te. Liegt das dar­an, dass Ih­re Par­tei kon­ser­va­tiv auf tra­di­tio­nel­le Fa­mi­li­en­wer­te setzt und Quo­tie­run­gen ablehnt?

Uta Opelt steht auf Platz 14. Der Frau­en­an­teil in der AfD ist tat­säch­lich ver­gleichs­wei­se ge­ring. Das könn­te da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass die AfD in der öf­fent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on stark an­ge­grif­fen und at­ta­ckiert wird. Und das stellt für Frau­en häu­fi­ger ein Pro­blem dar. Män­ner sind hier risiko- und kampf­be­rei­ter. An­sons­ten soll­te bei der Auf­stel­lung ei­ner Lan­des­lis­te, wie auch sonst, das Ge­schlecht kei­ne Rol­le spie­len. Wenn wir gu­te Frau­en ha­ben, kön­nen sie sich ge­nau­so in den Wett­be­werb und in die Kon­kur­renz ein­brin­gen, wie Män­ner. Ich darf im Üb­ri­gen dar­an er­in­nern, dass Quo­ten­re­ge­lun­gen nichts an­de­res sind als staat­li­che Zwangsmaßnahmen.

Sind Sie ge­gen Schwangerschaftsabbrüche?

Schwan­ger­schafts­ab­brü­che dür­fen selbst­ver­ständ­lich nicht als gleich­wer­ti­ge Op­ti­on zum Aus­tra­gen des Fö­tus be­trach­tet wer­den. Wo­ge­gen wir uns stel­len ist ei­ne Ten­denz zur Ba­ga­tell­sie­rung von Ab­trei­bun­gen. Die AfD spricht statt von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen lie­ber von ei­ner Will­kom­mens­kul­tur für Kin­der. Da­zu ge­hört auch, dass Frau­en in Not ge­hol­fen wird.

Wie se­hen Sie den Ein­fluss von Lob­by­is­ten im Bun­des­tag? Ih­re Par­tei muss ja Stra­fe we­gen il­le­ga­len Par­tei­spen­den aus Nicht-EU-Ländern zahlen.

Stel­len Sie die­se Fra­ge bit­te dem Par­tei­vor­sit­zen­den Jörg Meu­then. Mei­nes Wis­sens ist das Ver­fah­ren abgeschlossen.

Braucht es ei­ne hö­he­re Be­steue­rung der Superreichen?

Die AfD spricht sich pro­gram­ma­tisch da­ge­gen aus. Ich hal­te es nicht für ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Diskussion.

Sie tre­ten ja für Bonn an. Was ist das drän­gends­te Pro­blem, das in Bonn an­steht und nur in Ber­lin ge­löst wer­den kann?

In Ber­lin wird kei­ne Bonn-Politik ge­macht. Die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten sind hier sehr be­schränkt. Ein Nach­fol­ge­ge­setz zum Bonn-Berlin-Gesetz muss al­ler­dings auf den Weg ge­bracht wer­den. Das so­ge­nann­te Leitbild-Papier, das Spit­zen­ver­tre­ter der Re­gi­on 2019 da­zu er­ar­bei­tet ha­ben, setzt mei­nes Er­ach­tens aber fal­sche Prio­ri­tä­ten. Wir brau­chen kei­ne wei­te­ren För­de­run­gen des Hoch­kul­tur­be­reichs aus Bun­des­mit­teln. Auch bei der För­de­rung des Wis­sen­schafts­be­reichs ist Bonn schon ziem­lich reich ge­seg­net. Im Be­reich des Woh­nens hin­ge­gen könn­ten und müss­ten Ent­las­tun­gen ge­schaf­fen werden.

Zu teu­rer Wohn­raum ist tat­säch­lich ein The­ma, das nicht nur Bonn be­trifft und viel­leicht bun­des­weit ge­löst wer­den kann. Was sind denn Ih­re An­sät­ze in der AfD, der Wohn­raum­knapp­heit entgegenzuwirken?

Das ist ein kom­mu­nal­po­li­ti­sches The­ma. Wir sind der Mei­nung – um es auf Bonn zu be­zie­hen – dass ins­be­son­de­re die Ko­ope­ra­ti­on mit dem Rhein-Sieg-Kreis in­ten­si­viert wer­den muss. Wenn der Rhein-Sieg-Kreis ein­be­zo­gen wird, hat das na­tür­lich auch ver­kehrs­po­li­ti­sche Kon­se­quen­zen. Es muss ei­ne Ver­kehrs­in­fra­struk­tur ge­schaf­fen wer­den, die die zu­sätz­li­chen Ver­keh­re auf­neh­men kann. Die Pend­ler­strö­me neh­men ja oh­ne­hin schon zu, und die Ein­woh­ner­zahl wird in den nächs­ten Jahr­zehn­ten eben­falls steigen.

Wä­re ei­ne Lö­sung die Fu­si­on zwi­schen Rhein-Sieg-Kreis und Bonn?

Da­zu ha­be ich ge­gen­wär­tig noch kei­ne Mei­nung. Die Dot­ter­la­ge Bonns springt aber schon bei ei­nem kur­zen Blick auf die Kar­te ins Au­ge: Wie das Gel­be vom Ei ist die Stadt vom Ei­weiß des Rhein-Sieg-Kreises um­ge­ben. Es ist plau­si­bel, dass das nach ei­ner struk­tu­rel­len Lö­sung, al­so ei­ner Fu­si­on, verlangt.

Wir wer­den nicht um­hin­kom­men, das Renten-eintrittsalter zu erhöhen“

Der Al­ters­durch­schnitt der Be­völ­ke­rung steigt und der Ge­nera­tio­nen­ver­trag kann nicht mehr ein­ge­hal­ten wer­den. Was hal­ten Sie von der Ren­te mit 68?

Grund­sätz­lich steht die AfD für Frei­heit beim Ren­ten­ein­tritt. Zur Be­rech­nung der Ren­ten­hö­he wird das Re­gel­ren­ten­al­ter nach SGB her­an­ge­zo­gen. Wer frü­her in den Ru­he­stand geht, muss ent­spre­chen­de Ab­schlä­ge in Kauf neh­men. Wer auf der an­de­ren Sei­te über das Re­gel­ren­ten­al­ter hin­aus ar­bei­tet, sam­melt wei­te­re Ren­ten­punk­te und be­kommt ent­spre­chend ei­ne hö­he­re Ren­te. Wir wer­den aber, um ih­re Fra­ge zu be­ant­wor­ten, nicht um­hin­kom­men, das Ren­ten­ein­tritts­al­ter zu er­hö­hen. Es gibt ja nur we­ni­ge Stell­schrau­ben, mit de­nen wir bei der Ren­ten­fi­nan­zie­rung ar­bei­ten kön­nen – das Ren­ten­ni­veau, der Ren­ten­bei­trag und das Ren­ten­ein­tritts­al­ter. Wenn wir den Steu­er­bei­trag zur Ren­ten­fi­nan­zie­rung nicht durch die De­cke schie­ßen las­sen wol­len, wer­den wir an den Stell­schrau­ben dre­hen müs­sen. Ei­ne Er­hö­hung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters ist ge­recht­fer­tigt und plau­si­bel, weil ja auch die Le­bens­er­war­tung steigt.

Was ist Ihr Pro­gramm, um jun­gen Men­schen mehr Sicht­bar­keit in der Po­li­tik zu verschaffen?

Es soll­te neu­tra­le po­li­ti­sche Auf­klä­rung in den Schu­len er­fol­gen. Es muss ein Be­wusst­sein da­für ver­mit­telt wer­den, dass wir für die Art und Wei­se, wie wir zu­sam­men le­ben, letzt­lich selbst ver­ant­wort­lich sind. Wir müs­sen al­so ins­be­son­de­re die­je­ni­gen Pro­ble­me in den Schu­len zum The­ma ma­chen, bei de­nen es um die Ge­stal­tung un­se­rer Ge­mein­we­sen geht. Gar nicht so ein­fach. Wir kön­nen nur hof­fen, dass sich auch in den nach­fol­gen­den Ge­nera­tio­nen ge­nü­gend fin­den, die be­reit sind, sich auf die­se Schwie­rig­kei­ten einzulassen.

Dan­ke für das Gespräch!

Das In­ter­view mit Prof. Dr. Hans Neu­hoff führ­ten Jo­han­nes Mi­rus und Ans­gar Sko­da am 16.08.2021 on­line per Video.

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