Fragen an Direktkandidat:innen im Wahlkreis Rhein-Sieg II

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Als Bundesstadt.com be­schäf­ti­gen wir uns nicht nur mit der Bun­des­stadt, son­dern auch mit dem um­ge­ben­den Rhein-Sieg-Kreis. Der ist in zwei Wahl­krei­se Rhein-Sieg I und Rhein-Sieg II auf­ge­teilt. In je­dem der bei­den Wahl­krei­se ha­ben wir sechs Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten für ein Di­rekt­man­dat für den kom­men­den Bun­des­tag iden­ti­fi­ziert. Ih­nen ha­ben wir ei­nen Fra­ge­ka­ta­log mit zehn Fra­gen geschickt. 

Hier sind die Ant­wor­ten aus dem Wahl­kreis Rhein-Sieg II, der die Ge­mein­den Alf­ter, Bad Hon­nef, Born­heim, Kö­nigs­win­ter, Me­cken­heim, Rhein­bach, Sankt Au­gus­tin, Swist­tal und Wacht­berg um­fasst.

So­bald ein Kan­di­dat bzw. ei­ne Kan­di­da­tin die Fra­gen be­ant­wor­tet hat, wird die­ser Bei­trag ak­tua­li­siert und das In­ter­view hier ver­linkt. Die Na­vi­ga­ti­on er­folgt über die Schalt­flä­chen „Vo­he­ri­ge“ und „Nächs­te“. Die Rei­hen­fol­ge rich­tet sich nach dem Ein­gang der Ant­wor­ten. Die Ant­wor­ten selbst wur­den nicht durch Bundesstadt.com über­ar­bei­tet, son­dern stam­men di­rekt von den Kandidat:innen.

1. Andreas Danne, Die Linke

An­dre­as Dan­ne, Linke

1. Soll­te Bonn mit dem Rhein-Sieg-Kreis fu­sio­nie­ren?

Nein.

2. Wie wich­tig wä­re ei­ne Er­neue­rung des Bonn-Berlin-Gesetzes für den Rhein-Sieg-Kreis?

Sehr wich­tig! Und wird von un­se­rer Kreis­tags­frak­ti­on DIE LIN­KE seit Jah­ren gefordert.

3. So­zia­le Brennpunkte/Stadtbezirke wa­ren Corona-Infektionsherde. Soll­ten oft be­eng­ter le­ben­de Men­schen mit an­de­ren kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den nicht nur in Kri­sen­zei­ten mehr in den Blick ge­nom­men und un­ter­stützt wer­den?

Na­tür­lich. Wir brau­chen viel mehr Be­mü­hun­gen beim The­ma In­te­gra­ti­on. Zu­sätz­lich brau­chen wir mehr be­zahl­ba­ren Wohn­raum für die Menschen.

4. Gibt es Ih­rer Mei­nung nach is­la­mi­sche Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten in Bonn-Rhein-Sieg und Deutsch­land? Se­hen Sie hier ei­ne Ge­fahr oder neh­men Sie hier eher po­si­ti­ve Mul­ti­kul­tu­ra­li­tät wahr?

Je­der Mensch soll­te nach sei­nen Wün­schen und Be­dürf­nis­sen le­ben. Na­tür­lich auch sei­nen kul­tu­rel­len und kon­fes­sio­nel­len Le­bens­wei­sen nach­kom­men. Grund­la­ge des Zu­sam­men­le­bens in un­se­rem Land ist un­se­re frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung als ge­mein­sa­mes Dach.

5. Wie se­hen Sie den Ein­fluss von Lob­by­is­ten im Bundestag?

Lob­by­is­mus soll­te ver­bo­ten wer­den.
     

6. Was hat Deutsch­land für die nächs­te Pan­de­mie aus der jet­zi­gen gelernt?

Ich kann nicht für Deutsch­land spre­chen. Mir per­sön­lich ist noch­mals klar ge­wor­den, dass Ge­mein­sinn, So­li­da­ri­tät, Hilfs­be­reit­schaft und Mit­ein­an­der in un­se­rer Ge­sell­schaft un­ver­zicht­ba­re Be­stand­tei­le un­se­res Zu­sam­men­le­bens sein müssen. 

7. Von den Corona-Hilfen pro­fi­tier­ten ins­be­son­de­re Groß­un­ter­neh­men, die so­gar Di­vi­den­den aus­schüt­ten konn­ten. Wie möch­ten Sie KMUs und Selbst­stän­di­ge nach der Wirt­schafts­kri­se unterstützen?

Noch mehr fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung, die auch an­kommt, da­mit sie ih­re Exis­ten­zen er­hal­ten können.

8. Was ist Ihr Pro­gramm, um jun­gen Men­schen mehr Sicht­bar­keit in der Po­li­tik zu verschaffen?

Mehr Be­tei­li­gung z.B. durch Ju­gend­par­la­men­te, de­ren Ver­tre­te­rIn­nen auch Stimm­recht in den kom­mu­na­len Aus­schüs­sen und Ent­schei­dungs­gre­mi­en ha­ben müssen.

9. Wie schaf­fen wir aus­bau­fä­hi­ge Wind­kraft, oh­ne mit Wi­der­stand in der Be­völ­ke­rung zu rechnen?

Nur durch Über­zeu­gungs­ar­beit, dass wir so schnell wie mög­lich al­le re­ge­ne­ra­ti­ven En­er­gien brau­chen, um den Kli­ma­wan­del zu bekämpfen.

10. Braucht es ei­ne hö­he­re Be­steue­rung der Su­per­rei­chen?
     
Na­tür­lich und das mög­lichst schnell und mög­lichst hoch.

Vie­len Dank für Ih­re Antworten!

2. Dr. Richard Ralfs, Bündnis 90/Die Grünen

Dr. Ri­chard Ralfs, Bünd­nis 90/ Die Grünen

1. Soll­te Bonn mit dem Rhein-Sieg-Kreis fusionieren?

Nein, der Kreis ist viel­fäl­tig und hat an­de­re Vor­aus­set­zun­gen und Be­dar­fe als Bonn. Teils steht man so­gar in Kon­kur­renz zu­ein­an­der. Ge­mein­sa­me (Raum über­schrei­ten­de) In­ter­es­sen, Pro­jek­te und Per­spek­ti­ven las­sen sich ja den­noch, ger­ne auch stär­ker als bis­her in Form von Ko­ope­ra­tio­nen ver­fol­gen und rea­li­sie­ren.     

2. Wie wich­tig wä­re ei­ne Er­neue­rung des Bonn-Berlin-Gesetzes für den Rhein-Sieg-Kreis?

Die Welt um uns her­um dreht sich und die Auf­ga­ben und Ent­wick­lungs­an­sprü­che an Bonn und den Kreis – et­wa in Sa­chen Kli­ma­kri­se, Di­gi­ta­li­sie­rung, Wirtschaft/Wertschöpfung und Ar­beit, Mo­bi­li­tät, Wohn­raum etc. – ver­än­dern sich. Dar­auf re­gel­mä­ßig mit An­pas­sung des Bonn-Berlin-Gesetzes zu re­agie­ren ist nur er­nünf­tig. Und lang­fris­tig ist für Bonn wie für Ber­lin ei­ne sau­be­re Tren­nung und ein En­de des Pen­delns etc. wohl un­ver­meid­lich. Das kann und muss aber ein­her­ge­hen mit ei­ner plan­vol­len und ge­si­cher­ten Neu­nut­zung bis­he­ri­ger Bun­des­ein­rich­tun­gen und Neu­an­sied­lun­gen in Bonn – vor­zugs­wei­se durch UN-, EU- und sons­ti­ge Trä­ger öf­fent­li­cher und ge­mein­wohl­dien­li­cher oder wis­sen­schaft­li­cher In­sti­tu­tio­nen. Das ge­ra­de ent­stan­de­ne Clus­ter rund um BSI und Te­le­kom zum Zu­kunfts­the­ma IT-Sicherheit zeigt, wel­che Chan­cen wir in Bonn ha­ben, wenn wir auf neue ge­sell­schaft­lich und po­li­tisch re­le­van­te The­men jen­seits der Mi­nis­te­ri­en set­zen und so vom En­de her den­ken, al­so dar­an, wo Bonn und die Re­gi­on in 20 Jah­ren ste­hen soll, statt ver­gan­ge­nen Ta­gen hin­ter­her­zu­hän­gen. An­ge­sichts der Kom­pe­ten­zen in der Re­gi­on rund um das The­ma Kli­ma und Di­gi­ta­li­sie­rung wä­re mei­ne Vi­si­on für die Re­gi­on Kli­ma­haupt­stadt und Silikon-Rhein-Valley.

3. So­zia­le Brennpunkte/Stadtbezirke wa­ren Corona-Infektionsherde. Soll­ten oft be­eng­ter le­ben­de Men­schen mit an­de­ren kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den nicht nur in Kri­sen­zei­ten mehr in den Blick ge­nom­men und un­ter­stützt werden?

Auf­su­chen­de So­zi­al­ar­beit bis hin zu mo­bi­len Impf­an­ge­bo­ten, al­so da­hin ge­hen, wo die Men­schen sonst un­ter sich blei­ben und kei­nen An­schluss an die Lebens- und Ar­beits­wel­ten der Mehr­heits­ge­sell­schaft ha­ben, ist der rich­ti­ge und in­ter­na­tio­nal als er­folg­reich be­leg­te Weg für mehr In­te­gra­ti­on und Chan­cen.   

4. Gibt es Ih­rer Mei­nung nach is­la­mi­sche Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten in Bonn-Rhein-Sieg und Deutsch­land? Se­hen Sie hier ei­ne Ge­fahr oder neh­men Sie hier eher po­si­ti­ve Mul­ti­kul­tu­ra­li­tät wahr?

So­wohl als auch. Und weil es eben auch sehr vie­le ge­lun­ge­ne Bei­spie­le für In­te­gra­ti­on in Bonn und im Kreis gibt, soll­ten wir von die­sen ler­nen, um der ge­nau­so be­ob­acht­ba­ren Clan- und Ghet­to­bil­dung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Ne­ben der auf­su­chen­den Sozial- und In­te­gra­ti­ons­ar­beit; in der es viel mehr um Bil­dung und Teilhabe/Begegnung ge­hen muss – soll­ten da­bei auch ver­stärkt Per­so­nen mit ge­lun­ge­nen In­te­gra­ti­ons­bei­spie­len aus dem je­weils glei­chen Kul­tur­raum ak­tiv in die In­te­gra­ti­ons­ar­beit ein­be­zo­gen wer­den..

5. Wie se­hen Sie den Ein­fluss von Lob­by­is­ten im Bundestag?

Das Ein­tre­ten für In­ter­es­sen­grup­pen ist per se nichts schlech­tes, schließ­lich geht es in der Po­li­tik ne­ben dem Ver­tre­ten der ge­mein­sa­men In­ter­es­sen al­ler (Ge­mein­wohl) auch den Aus­gleich zwi­schen ver­schie­de­nen In­ter­es­sen­grup­pen. Pro­ble­ma­tisch ist Lob­by­is­mus aber dann, wenn er in­trans­pa­rent ist und wenn er nicht bei den Par­la­men­ta­ri­ern und De­bat­ten­run­den an­setzt, son­dern bei den Mi­nis­te­ri­en und Ver­wal­tungs­gre­mi­en. Auch ho­no­rier­te Ne­ben­tä­tig­kei­ten von Par­la­men­ta­ri­ern für In­ter­es­sen­grup­pen oder Firmen/Einzelinteressen las­sen sich mei­ner Über­zeu­gung nach nicht mit ei­nem Man­dat im Bun­des­tag vereinbaren.

6. Was hat Deutsch­land für die nächs­te Pan­de­mie aus der jet­zi­gen gelernt?

Dass wir wi­der­stands­fä­hig sind, wenn 1. Po­li­tik schnell, ge­schlos­sen und ent­schlos­sen auf Ba­sis des Rechts­staats und mit par­la­men­ta­ri­scher Kon­trol­le han­delt, wir 2. in der Grund­ver­sor­gung mit ein­fa­chen Din­gen wie Mas­ken nicht von an­de­ren Län­dern ab­hän­gig sind und 3. al­le Maß­nah­men und Kom­mu­ni­ka­ti­on da­zu wis­sen­schaft­lich fun­diert und di­gi­tal um­ge­setzt wer­den. Da all die­se Punk­te nur be­dingt gut bis nicht ge­klappt ha­ben, ha­ben wir ge­nau an die­sen Punk­ten Ent­wick­lungs­be­darf, da­mit es bei der nächs­ten Pan­da­mie bes­ser läuft.

7. Von den Corona-Hilfen pro­fi­tier­ten ins­be­son­de­re Groß­un­ter­neh­men, die so­gar Di­vi­den­den aus­schüt­ten konn­ten. Wie möch­ten Sie KMUs und Selbst­stän­di­ge nach der Wirt­schafts­kri­se unterstützen?

Ne­ben den Co­ro­na­hil­fen müs­sen nun für die Auf­bau­pha­se in den be­son­ders be­trof­fe­nen Bran­chen (Gas­tro­no­mie, Kul­tur, Messen/Events, di­ver­se Dienstleistungs- und Ein­zel­han­dels­be­rei­che) ge­ziel­te Er­leich­te­run­gen für In­ves­ti­tio­nen in de­ren Zu­kunfts­fä­hig­keit (Di­gi­ta­li­sie­rung, Nach­hal­tig­keit, …) mit lan­gen Lauf­zei­ten an­ge­bo­ten werden. 

8. Was ist Ihr Pro­gramm, um jun­gen Men­schen mehr Sicht­bar­keit in der Po­li­tik zu verschaffen?

Das Mo­dell der Bür­ger­rä­te (https://www.buergerrat.de/), mit dem wir grund­sätz­lich mehr und ei­ne an­de­re Form von Bür­ger­be­tei­li­gung jen­seits von Wah­len und Par­tei­mit­glied­schaft etc. er­mög­li­chen wol­len, birgt die Chan­ce durch ei­nen vom Ver­fah­ren vor­seh­ba­ren er­höh­ten An­teil an jun­gen Men­schen, de­ren sons­ti­ge struk­tu­rel­le Be­nach­tei­li­gung bei Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zes­sen zu kom­pen­sie­ren. So/dort dann auch den Aus­tausch zwi­schen den Ge­nera­ti­on an­hand und rund um kon­kre­te Fra­ge­stel­lun­gen und Pro­blem­lö­sungs­an­sät­zen zu er­mög­li­chen, wird zu­dem die po­li­ti­schen Pro­zes­se für al­le be­tei­lig­ten Ge­nera­tio­nen bereichern.

9. Wie schaf­fen wir aus­bau­fä­hi­ge Wind­kraft, oh­ne mit Wi­der­stand in der Be­völ­ke­rung zu rechnen?

In­dem ins­be­son­de­re die be­trof­fe­nen Regionen/Bürger auch di­rekt an den Ge­win­nen be­tei­ligt wer­den. Ro­bert Ha­beck hat als zu­stän­di­ger Mi­nis­ter in Schleswig-Holstein ge­zeigt wie das geht und wie sehr so Pro­jek­te er­mög­licht und be­schleu­nigt wer­den können.

10. Braucht es ei­ne hö­he­re Be­steue­rung der Superreichen?

Wir ste­hen vor epo­cha­len Mensch­heits­auf­ga­ben wie Kli­ma­kri­se, Di­gi­ta­li­sie­rung und Glo­ba­li­sie­rung. Um die­se be­wäl­ti­gen zu kön­nen und das zu ret­ten, was uns wich­tig ist (Men­schen­rech­te, Demokratie/Rechtsstaat, So­li­da­ri­tät, Frei­heit, Wohl­stand, …) wer­den wir enorm in­ves­tie­ren müs­sen. Der­zeit trägt die meis­te Steu­er­last da­für die obe­re Mit­te un­se­rer Ge­sell­schaft, da ist kei­ne Mehr­be­las­tung mög­lich. Men­schen mit ver­füg­ba­rem Jah­res­ein­kom­men von 100.000 und dem viel­fa­chen da­von tra­gen da­ge­gen deut­lich we­ni­ger bei, als – ver­gli­chen mit der Last der Mit­tel­schicht – zu­mut­bar wä­re. Da gilt es Steu­er­ge­rech­tig­keit her­zu­stel­len und auch Steu­er­flucht und halb­le­ga­le Steu­er­ver­mei­dung ab­zu­stel­len. Selbst­ver­ständ­lich müs­sen da­bei In­ves­ti­tio­nen in Firmen/Arbeitsplätze, Ge­mein­wohl etc. aus­ge­nom­men wer­den, denn nie­man­dem ist ge­dient, wenn der pri­va­te Be­reich we­ni­ger in un­se­re Zu­kunft investiert.

Vie­len Dank für Ih­re Antworten!

3. Dr. Katja Stoppenbrink, SPD

Dr. Kat­ja Stop­pen­brink, SPD

1. Soll­te Bonn mit dem Rhein-Sieg-Kreis fusionieren?

Nein.
     

2. Wie wich­tig wä­re ei­ne Er­neue­rung des Bonn-Berlin-Gesetzes für den Rhein-Sieg-Kreis?

Sehr wich­tig. Wir be­nö­ti­gen ein kla­res Be­kennt­nis zu der Ver­tei­lung der Bun­des­mi­nis­te­ri­en und an­de­ren In­sti­tu­tio­nen. Der Bund darf sich nicht schlei­chend aus der be­son­de­ren Ver­ant­wor­tung für die Re­gi­on Bonn-Rhein-Sieg zu­rück­zie­hen. Der Sta­tus der Bun­des­stadt soll­te An­lie­gen und An­sporn zu­gleich sein – gu­te Er­geb­nis­se las­sen sich dann er­zie­len, wenn Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis ei­ne kla­re ge­mein­sa­me In­ter­es­sen­ver­tre­tung ge­lingt.

3. So­zia­le Brennpunkte/Stadtbezirke wa­ren Corona-Infektionsherde. Soll­ten oft be­eng­ter le­ben­de Men­schen mit an­de­ren kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den nicht nur in Kri­sen­zei­ten mehr in den Blick ge­nom­men und un­ter­stützt werden?

Ja – es geht da­bei um „Re­spekt“ und „An­er­ken­nung“. Die Art der Un­ter­stüt­zung muss so sein, dass Teil­ha­be er­mög­licht wird, oh­ne zu demütigen.

4. Gibt es Ih­rer Mei­nung nach is­la­mi­sche Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten in Bonn-Rhein-Sieg und Deutsch­land? Se­hen Sie hier ei­ne Ge­fahr oder neh­men Sie hier eher po­si­ti­ve Mul­ti­kul­tu­ra­li­tät wahr?

Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten neh­me ich nicht wahr. Es ist un­ser al­ler Auf­ga­be, für ei­ne ge­lin­gen­de In­te­gra­ti­on zu sor­gen. Ei­nen sehr wich­ti­gen Bei­trag leis­ten da­bei Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen – an­ge­fan­gen von der früh­kind­li­chen Bil­dung in der Ki­ta bis hin zu den Hoch­schu­len. Is­la­mi­sche Re­li­gi­ons­wis­sen­schaf­ten und die Aus­bil­dung von Lehrer:innen für das Fach „Re­li: Is­lam“ ge­hört deutsch­land­weit an die Uni­ver­si­tä­ten. Wir soll­ten das als Bun­des­re­pu­blik selbst in die Hand neh­men und die re­li­giö­se Bil­dung is­la­mi­scher Kin­der und Ju­gend­li­cher ähn­lich wie auch den Re­li­gi­ons­un­ter­richt in den christ­li­chen Kon­fes­sio­nen an den staat­li­chen Schu­len organisieren.

5. Wie se­hen Sie den Ein­fluss von Lob­by­is­ten im Bundestag? 

Kri­tisch. Ge­wiss ge­hö­ren zu ei­ner De­mo­kra­tie auch Interessenvertreter:innen. Die We­ge und Art mög­li­cher Ein­fluss­nah­me soll­ten aber nach­voll­zieh­bar sein, mög­li­che In­ter­es­sen­kon­flik­te Ab­ge­ord­ne­ter deut­lich wer­den. Die Skan­da­le ins­be­son­de­re in der Uni­ons­frak­ti­on im Bun­des­tag, die in die­sem Jahr auf­ge­deckt wur­den, wer­fen ein sehr schlech­tes Licht auf den Po­li­tik­be­trieb ins­ge­samt. Das Ver­trau­en in Parlamentarier:innen (es sind of­fen­bar eher Män­ner, die sich an­fäl­lig zei­gen) wird da­durch sehr be­schä­digt. Ich be­grü­ße da­her die in die­sem Jahr ver­ab­schie­de­ten Maß­nah­men, das Lob­by­re­gis­ter und das Trans­pa­renz­ge­setz. Das wa­ren drin­gend not­wen­di­ge Schrit­te. Sie ge­hen aber nicht weit ge­nug. Die SPD-Fraktion im Bun­des­tag hat sich lei­der in der Ko­ali­ti­on mit der For­de­rung nach ei­nem so­ge­nann­ten „exe­ku­ti­ven Fuß­ab­druck“ nicht durch­set­zen kön­nen. Da­mit hät­te ge­zeigt wer­den sol­len, wie Ein­fluss auf Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren bei­spiels­wei­se auch auf der Ebe­ne der Mi­nis­te­ri­al­ver­wal­tung ge­nom­men wird. Lei­der droht das Trans­pa­renz­ge­setz, ein zahn­lo­ser Ti­ger zu wer­den. Ich set­ze mich da­für ein, in der nächs­ten Le­gis­la­tur nach­zu­bes­sern.

6. Was hat Deutsch­land für die nächs­te Pan­de­mie aus der jet­zi­gen gelernt? 

Wir be­nö­ti­gen flä­chen­de­ckend Pan­de­mie­plä­ne. Die­se müs­sen auch ent­spre­chend den je­weils neu­es­ten Er­kennt­nis­sen à jour ge­bracht wer­den und dür­fen nicht in den Schub­la­den der Äm­ter ver­rot­ten. Dass un­se­re vor­han­de­nen Plä­ne nicht um­ge­setzt wor­den sind, hat uns in der Co­ro­na­pan­de­mie wert­vol­le Zeit ge­kos­tet, in der wir schon hät­ten vor­be­rei­tet sein kön­nen (z.B. was die Ver­sor­gung mit Schutz­klei­dung, Mas­ken usw. an­be­langt). Wis­sen­schaft­li­cher und ethi­scher Po­li­tik­be­ra­tung (wie z.B. Stel­lung­nah­men des Ethik­rats zu Fra­gen der Impf­prio­ri­sie­rung u.a.) soll­te künf­tig ein grö­ße­res Ge­wicht ge­ge­ben wer­den. Klar ist: Wissenschaftler:innen kön­nen nur be­ra­ten und gut be­grün­de­te Emp­feh­lun­gen ge­ben – be­wer­ten und ent­schei­den müs­sen de­mo­kra­tisch ge­wähl­te Politiker:innen. Doch soll­te Ex­per­ti­se aus der Wis­sen­schaft schnel­ler und um­fäng­li­cher in der Po­li­tik Ge­hör fin­den. Das gilt auch für die Her­aus­for­de­run­gen des men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­dels – mit an­de­ren Wor­ten: der Erd­er­hit­zung.   

7. Von den Corona-Hilfen pro­fi­tier­ten ins­be­son­de­re Groß­un­ter­neh­men, die so­gar Di­vi­den­den aus­schüt­ten konn­ten. Wie möch­ten Sie KMUs und Selbst­stän­di­ge nach der Wirt­schafts­kri­se unterstützen? 

In den nächs­ten Jah­ren geht es um ei­nen pro­fun­den Um­bau un­se­rer Wirt­schaft. Wir wol­len mög­lichst bald kli­ma­neu­tral le­ben und wirt­schaf­ten – das ist nur mit Hil­fe um­fäng­li­cher För­der­pro­gram­me mög­lich. Auch klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men sind wich­ti­ge Ak­teu­re auf dem Weg in ei­ne kli­ma­neu­tra­le Ge­sell­schaft. Die­se Trans­for­ma­ti­on bie­tet gro­ße Chan­cen und muss vom Bund gut flan­kiert wer­den. Für Selb­stän­di­ge soll­te – et­wa nach dem Vor­bild der Künst­ler­so­zi­al­kas­se – ei­ne at­trak­ti­ve Mög­lich­keit ge­schaf­fen wer­den, an den Sys­te­men der So­zi­al­ver­si­che­run­gen zu partizipieren.

8. Was ist Ihr Pro­gramm, um jun­gen Men­schen mehr Sicht­bar­keit in der Po­li­tik zu verschaffen?

Ich tre­te für ein Wahl­recht auch für Kin­der und Ju­gend­li­che ein. Das ist ei­ne ra­di­ka­le Maß­nah­me. – Prak­tisch könn­ten in den ers­ten Le­bens­jah­ren die El­tern stell­ver­tre­tend das Wahl­recht aus­üben. So­bald das Kind ein­sich­tig ge­nug ist und sein In­ter­es­se rechts­ver­bind­lich be­kun­det, dürf­te es selbst wäh­len. So könn­ten wir der Un­ter­re­prä­sen­ta­ti­on der In­ter­es­sen von Kin­dern und Ju­gend­li­chen in un­se­rem Land ab­hel­fen.

9. Wie schaf­fen wir aus­bau­fä­hi­ge Wind­kraft, oh­ne mit Wi­der­stand in der Be­völ­ke­rung zu rechnen?

In­dem wir sie be­tei­li­gen und zu (Mit-)Inhaber:innen von Wind­kraft­an­la­gen ma­chen. An vie­len Or­ten gibt es En­er­gie­ge­nos­sen­schaf­ten der Bürger:innen – das fin­de ich vor­bild­lich. Da­ne­ben ist ernst­haf­te und er­geb­nis­of­fe­ne Bürger:innenbeteiligung für die Ak­zep­tanz von Wind­kraft ganz zen­tral. Vie­le Vor­be­hal­te be­ru­hen auf Ängs­ten oder My­then, die sich durch Auf­klä­rung be­sei­ti­gen oder zu­min­dest ab­mil­dern las­sen.

10. Braucht es ei­ne hö­he­re Be­steue­rung der Superreichen? 

Ja. Auch und ge­ra­de Su­per­rei­che müs­sen ih­ren Bei­trag zum Ge­mein­we­sen leisten.

Vie­len Dank für Ih­re Antworten!

4. Roger Beckamp, AfD

Ro­ger Be­ck­amp, AfD

1. Soll­te Bonn mit dem Rhein-Sieg-Kreis fusionieren? 

Nein, da so­wohl der Rhein-Sieg-Kreis als auch die Bun­des­stadt Bonn von ih­rer Ein­woh­ner­zahl und Be­deu­tung her viel zu groß da­für sind.

2. Wie wich­tig wä­re ei­ne Er­neue­rung des Bonn-Berlin-Gesetzes für den Rhein-Sieg-Kreis?

Sehr wich­tig. Die bis­he­ri­ge Grund­satz­ent­schei­dung soll­te un­ter wei­te­ren prak­ti­schen Ver­bes­se­run­gen und mög­li­chen Stand­ort­kon­zen­tra­tio­nen bei­be­hal­ten wer­den.     

3. So­zia­le Brennpunkte/Stadtbezirke wa­ren Corona-Infektionsherde. Soll­ten oft be­eng­ter le­ben­de Men­schen mit an­de­ren kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den nicht nur in Kri­sen­zei­ten mehr in den Blick ge­nom­men und un­ter­stützt werden?

Zu­al­ler­erst soll­te die­ser Fakt vor­ur­teils­frei, aber auch oh­ne Angst vor der Ras­sis­mus­keu­le aus­ge­spro­chen wer­den dür­fen. Das war über Mo­na­te lei­der nicht der Fall. In­zwi­schen ist die­se Er­kennt­nis zum Glück aber auch im Main­stream an­ge­kom­men. Die grund­sätz­li­che Pro­ble­ma­tik be­eng­ter Wohn­ver­hält­nis­se von Men­schen un­ter­schied­lichs­ter Her­kunft und kul­tu­rel­ler Prä­gung in so­zia­len Brenn­punk­ten soll­te ge­ne­rell stär­ker in den Blick ge­nom­men wer­den. So­wohl un­ter dem Ge­sichts­punkt spe­zi­el­ler Hil­fen, aber auch mit ei­ner kla­ren Er­war­tungs­hal­tung und kon­kre­ten For­de­run­gen an die dort le­ben­den Men­schen!
     

4. Gibt es Ih­rer Mei­nung nach is­la­mi­sche Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten in Bonn-Rhein-Sieg und Deutsch­land? Se­hen Sie hier ei­ne Ge­fahr oder neh­men Sie hier eher po­si­ti­ve Mul­ti­kul­tu­ra­li­tät wahr?

Na­tür­lich gibt es is­la­mi­sche Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land! Lei­der auch im Rhein-Sieg-Kreis, ins­be­son­de­re in Kom­mu­nen, die an die Sa­la­fis­ten­hoch­burg Bonn an­gren­zen. Dies ist ei­ne gro­ße Ge­fahr für das fried­li­ches Zu­sam­men­le­ben in un­se­rem Land nach un­se­ren, al­so west­lich auf­ge­klär­ten Re­geln und Wer­ten. “Po­si­ti­ves Mul­ti­kul­ti” gibt es in Wirk­lich­keit doch nur ganz sel­ten. Viel­leicht wenn sich das deutsch-persische Arzt­ehe­paar mit dem be­freun­de­ten UN-Pärchen aus Über­see auf ei­nen net­ten Abend beim schi­cken Ita­lie­ner in Bonn freut. Die täg­li­che Rea­li­tät in vie­len, ge­ra­de so­zi­al pre­kä­ren Stadt­tei­len, sieht da­ge­gen ganz an­ders aus, wie wir al­le wissen.

5. Wie se­hen Sie den Ein­fluss von Lob­by­is­ten im Bundestag? 

Zwie­späl­tig. Im Sys­tem ei­ner par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie ist ein ge­wis­ser Lob­by­is­mus nor­mal und nicht im­mer mo­ra­lisch frag­wür­dig. Es muss aber trans­pa­rent sein und darf nicht mit per­sön­li­cher Vor­teils­nah­me einhergehen.

6. Was hat Deutsch­land für die nächs­te Pan­de­mie aus der jet­zi­gen gelernt? 

Dass un­se­re Frei­hei­ten schnel­ler ab­ge­schafft wer­den kön­nen, als wir uns das hät­ten je­mals vor­stel­len kön­nen! Da­bei sind un­se­re Grund­frei­hei­ten im Grund­ge­setz doch ex­tra so stark ge­schützt wor­den, da­mit wir sie un­ter kei­nen Um­stän­den ver­lie­ren! Das muss auch für ech­te oder nur vor­ge­scho­be­ne Aus­nah­me­si­tua­tio­nen gel­ten.    

7. Von den Corona-Hilfen pro­fi­tier­ten ins­be­son­de­re Groß­un­ter­neh­men, die so­gar Di­vi­den­den aus­schüt­ten konn­ten. Wie möch­ten Sie KMUs und Selbst­stän­di­ge nach der Wirt­schafts­kri­se unterstützen? 

Zu­al­ler­erst in dem end­lich al­le Corona-Beschränkungen auf­ge­ho­ben wer­den. Län­der wie Eng­land oder Dä­ne­mark ma­chen es uns doch ge­ra­de er­folg­reich vor, dass das geht! Und dann müs­sen die Hil­fen end­lich ziel­ge­rich­tet und groß­zü­gig an die klein- und mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft und Selbst­stän­di­ge ge­hen! Das Ar­gu­ment, dass da­für zu we­nig Geld da sei, kann ich nicht mehr hö­ren an­ge­sichts üp­pi­ger Mil­li­ar­den­hil­fen an et­li­che Großkonzerne!

8. Was ist Ihr Pro­gramm, um jun­gen Men­schen mehr Sicht­bar­keit in der Po­li­tik zu verschaffen? 

Jun­ge Men­schen müs­sen sich ge­nau­so wie al­te, mit­tel­al­te, dün­ne, di­cke oder mit wel­chen Merk­ma­len auch im­mer aus­ge­stat­te­te Men­schen erst ein­mal selbst ein­brin­gen wol­len in die Po­li­tik. Oh­ne viel Sitz­fleisch und auch eher lang­wei­li­ge Ar­bei­ten geht es nun­mal nicht. Das ist oft müh­sam und we­nig se­xy, wes­halb ver­ständ­li­cher­wei­se ge­ra­de jun­ge Men­schen sel­ten Lust da­zu ver­spü­ren. Das ist scha­de, aber mensch­lich. Ehr­lich ge­sagt glau­be ich auch nicht, dass sich das je­mals än­dern wird. Al­len wohl­fei­len Lip­pen­be­kennt­nis­sen zum Trotz! Wenn sich jun­ge Men­schen den­noch ein­brin­gen, wer­den sie mei­ner Wahr­neh­mung nach dann auch ger­ne ge­för­dert. Zu­min­dest in der AfD ist das so. Hier in NRW tre­ten zum Bei­spiel ak­tu­ell ei­ni­ge sehr jun­ge Kan­di­da­ten auf aus­sichts­rei­chen Lis­ten­plät­zen zur Bun­des­tags­wahl an.

9. Wie schaf­fen wir aus­bau­fä­hi­ge Wind­kraft, oh­ne mit Wi­der­stand in der Be­völ­ke­rung zu rechnen? 

Auf dem Land? Gar nicht. Auf dem Meer viel­leicht schon. Ich kann zu­min­dest je­den ver­ste­hen, der kei­ne die­ser landschafts- und na­tur­zer­stö­ren­den Un­ge­tü­me in sei­ner Nach­bar­schaft ha­ben will. Noch da­zu, wo es in der Na­tur der Wind­kraft liegt, kei­ne gleich­blei­ben­de Ver­sor­gungs­si­cher­heit er­zie­len zu kön­nen. Der wei­te­re Aus­bau der Wind­kraft an Land ist des­halb ein umwelt- und en­er­gie­po­li­ti­scher Irrweg.

10. Braucht es ei­ne hö­he­re Be­steue­rung der Superreichen? 

Ja. Aber wich­tig da­bei ist, “Su­per­rei­che” rich­tig zu de­fi­nie­ren. Die Krux ist doch, dass aus­ge­rech­net un­ter der rot-grünen Kanz­ler­schaft von Ger­hard Schrö­der der Spit­zen­steu­er­satz für wirk­lich Rei­che ab­ge­schafft wur­de und statt­des­sen das Gros der Steu­ern schon bei Normal- bis Gut­ver­die­nern ab­ge­schöpft wird, die aber kei­nes­falls als rei­che Men­schen gel­ten kön­nen. Gu­cken Sie sich doch die Immobilien- und Le­bens­hal­tungs­prei­se in un­se­ren Städ­ten an und dann sa­gen Sie mir, ob ein Fa­mi­lie mit drei Kin­dern den Spit­zen­steu­er­satz zah­len soll, weil Va­ter und Mut­ter ge­mein­sam viel­leicht fünf- oder sechs­tau­send Eu­ro net­to nach Hau­se brin­gen? Das ist mehr, als vie­le ha­ben, aber der Spit­zen­steu­er­satz soll­te bei Men­schen be­gin­nen, die wirk­lich reich sind. Die­ser neue Spit­zen­steu­er­satz könn­te dann ger­ne noch et­was hö­her aus­fal­len als ak­tu­ell, wenn da­für nied­ri­ge und mitt­le­re Ein­kom­mens­grup­pen end­lich ent­las­tet würden!

Vie­len Dank für Ih­re Antworten!

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