Im Norden Bonns liegt der schöne Stadtteil Auerberg.

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Vor etwa sechs Jahren bin ich mit meiner Familie hierher gezogen und inzwischen seit drei Jahren Mitglied in der Siedlergemeinschaft Bonn-Auerberg.

Warum?

Wenn Kirmes in Auerberg war (leider gibt es diese nicht mehr) hingen an vielen Häusern die Flaggen der Siedler. Mir gefiel das und ich wollte gerne dazu gehören.

Über meine Tochter lernte ich Birgit Fisch, die Vorsitzende der Siedlergemeinschaft kennen. Sie fragte irgendwann, ob ich nicht beitreten möchte.

Meine Antwort: „Ich möchte eine Fahne.“

Die Fahne der Siedlergemeinschaft Bonn-Auerberg - Foto: W. Braun
Die Fahne der Siedlergemeinschaft Bonn-Auerberg – Foto: W. Braun

Die bekam ich, was übrigens großes Glück war, denn eigentlich gibt es keine mehr, aber sie hatte noch eine für mich im Keller.

Es ist schon länger in Diskussion erneut welche anfertigen zu lassen, da es viele fahnenlose Mitglieder gibt.

Es gab für mich übrigens auch einen guten Grund, der Interessengemeinschaft drei Jahre lang nicht beizutreten: Die Sorge davor, dass eine Mitgliedschaft Arbeit bedeuten könnte.

Bis vor kurzem bedeutete es keine. Doch dann habe ich mir selbst eine Aufgabe geschaffen. Bereits als wir herzogen habe ich den „Verein“ im Internet gesucht. Es gab keine Webseite, keine Facebook-Gruppe, keine Informationen.

Auf Twitter begegnet mir Auerberg immer dann, wenn es brennt, die Straßenbahn verspätet ist oder gar nicht erst fährt – nur negative Schlagzeilen.

Aber es ist auch sehr schön hier und davon möchte ich gerne erzählen.

Auf der Mitgliederversammlung am 21. Mai 2016 haben Birgit Fisch und ich die Idee, hier bei Bundesstadt.com von uns zu berichten, den anderen Mitgliedern vorgestellt und die Zustimmung erhalten, dass ich an den Sitzungen des Vorstandes als Mithörerin teilnehmen darf, damit ich informiert bin.

Ganze Schätze von Geschichten liegen in unserem Viertel vergraben. Nach und nach möchten wir einige davon erzählen. Einige Nachbarn haben mich bereits zu einem Gespräch eingeladen.

Demnächst werde ich wohl mit Kuchen bewaffnet durch die Straßen ziehen. Ich freue mich darauf.

Zu meinem eigenen Schutz gibt es keine klare Verpflichtung wie oft und wann ich blogge. Der Plan lautet: So wie ich Zeit habe und es etwas aktuelles zu berichten gibt. Unter dem Schlagwort „Siedler Auerberg“ werden alle Artikel zu finden sein.

Was genau ist denn jetzt diese Siedlergemeinschaft?

Selbst noch junges Mitglied, aus dubiosen Gründen beigetreten, habe ich zur Klärung der Frage, was das denn nun für ein Verein ist, unsere erste Vorsitzende und Siedlerkind Birgit Fisch befragt. Ich selbst bin nur ein kleiner Schreiberling.

Es soll an dieser Stelle eine kurze Vorstellung werden, wer wir sind. Die spannenden Geschichten aus der Vergangenheit und der Gegenwart werde ich nach und nach recherchieren und erzählen lassen.

Seit wann gibt es die Siedlergemeinschaft Bonn-Auerberg?

In den 30-er Jahren wurden unsere Siedlung im „Eigenbau“ von Erwerbslosen errichtet und die Häuser 1933 per Losverfahren verteilt und bezogen. Die ersten Siedler bewirtschafteten ihre großen Gärten mit Kleinvieh und Nutzgärten. Damals handelten sie beispielsweise gemeinsam gute Preise für Saatgut aus.

Die Nachbarschaft hält zusammen, damals wie heute und das sind die Siedlerfreunde Auerberg.

Ähnlich wie die Nordrandsiedlung im Auerberg entstanden weitere Siedlungen in Gielsdorf, Messdorf, Duisdorf, Lengsdorf, Venusberg, Godesberg, Friesdorf, Pützchen, Vilich, Bonn-Mitte und Tannenbusch.

Eine ausführliche Geschichte wurde 1973 zum 40-jährigen Jubiläum aufgeschrieben und wir haben die Genehmigung diese hier ebenfalls zu veröffentlichen.

Gibt es noch viele Siedlerfamilien?

Ja, es leben noch Nachkommen der ersten Siedlerfamilien in unserem Viertel.

Wie viele Mitglieder gibt es?

Wir haben derzeit 98 Mitgliederfamilien. Wir zählen pro Haushalt eine Mitgliedschaft.

Wer gehört zum Vorstand?

Zum geschäftsführenden Vorstand gehören die erste Vorsitzende Birgit Fisch, die zweite Vorsitzende Michaela Popel, die Kassiererin Iris Lüders und die Schriftführerin Sabine Loch.

Handelt es sich um einen Seniorenverein, der sich zum Kaffeekränzchen trifft?

Es gab tatsächlich mal die Gefahr der Überalterung. Inzwischen sind wieder viele jüngere Familien dabei.

Warum sollte ich den Auerberger Siedlern beitreten?

  • Um die Nachbarn kennen zu lernen.
  • Um direkte Hilfe über den Gartenzaun zu erhalten.
  • Um wichtige Informationen zu erhalten, die insbesondere für Hauseigentümer relevant sind.

Kann ich auch beitreten, wenn ich nicht in der Nordrandsiedlung wohne?

Ja, jeder ist willkommen. Wir haben auch Mitglieder, die in anderen Stadtteilen wohnen.

Kann ich bei euch aktiv was machen?

Wir freuen uns immer über helfende Hände! Wir haben auch aktive Nachbarn, die keine offizielle Mitgliedschaft wünschen, aber gerne aktiv dabei sind, wenn Hilfe gebraucht wird.

Wie kann ich Mitglied werden?

Einfach bei uns melden. Gerne per Mail an siedler (at) kleiner-komet (Punkt) de (Stephanie Braun) schreiben. Der Jahresbeitrag beträgt 15 €.

Inwiefern kümmert ihr euch als Vorstand um unsere Nachbarschaft?

Wir haben immer ein offenes Ohr für die Probleme in der Nachbarschaft. Ein kleines Beispiel: Eine ältere demente Dame wurde von einer dubiosen Firma um sehr viel Geld betrogen, weil ihr Kanal angeblich Risse habe und dieser repariert werden müsse. Der Vorstand wurde aktiv, führte viele Gespräche mit der Stadt und klärte die anderen Nachbarn gründlich auf, um weitere Betrügereien zu verhindern.

Gegen den Wegfall unserer Bushaltestelle „Bernhardkirche“ haben wir uns erfolgreich gewehrt.

Seid ihr mit anderen Vereinen eng verbunden? Gibt es gemeinsame Aktivitäten oder Projekte?

Wir sind quasi die Mutter des Schützenvereins und der „Männerreih“, die beide aus den Siedlerfreunden entstanden sind.

Eine enge Verbindung der verschiedenen Gemeinschaften besteht, man unterstützt sich gegenseitig bei Veranstaltungen oder der Raumnutzung. Da das Pfarrhaus aktuell wegen Bauarbeiten gesperrt ist, durften wir die Räume des Schützenvereins für unsere Mitgliederversammlung und das Grillfest nutzen.

Beim Martinsumzug halten wir ebenfalls zusammen.

Auf dem Pfarrfest organisieren wir einen Grillstand und eine Delegation besucht den Krönungsball der Schützen.

Steht ihr in Kontakt mit kommunalen Politikern?

Ja, Wolfgang Maiwald war lange als Mitglied und Stadtverordneter Mittelsmann zwischen Siedlergemeinschaft und Stadt. Sein Nachfolger Jürgen Wehlus hat ebenfalls ein offenes Ohr für uns. Gesprächsthemen sind insbesondere die Stadtteilentwicklung, wie die kürzlich erfolgten letzten Bebauungen, Kindergärten, Schulerweiterung.

Und wo ist eigentlich der Berg im Auerberg?

Geht man aus der alten Siedlung über die Felder Richtung Graurheindorf, kommt man an unserem Heiligenhäuschen (der Mutter Gottes gewidmet und von den Siedlern gestiftet) vorbei, das auf einem Hügel an den Auen steht – der Auerberg.

1966 gab unsere Nachbarin und langjähriges Mitglied Maria Montag unserem Stadtteil den Namen „Auerberg“. Bis dahin gab es die Nordrandsiedlung in Bonn-Nord.

Titelbild: Das Heiligenhäuschen, Foto: W. Braun

4 KOMMENTARE

  1. Hahaha wohnen wir im selben auerberg ? Also ich habe ganz andere erfahrung in bonn auerberg ich finde es ist ein eckelhaftes drecksviertel und die leute sind alle link und eckelhaft und jeder ist jedem egal

  2. Guten Tag,

    ich habe die Seite mit großer Begeisterung gelesen, denn auch ich stamme aus Bonn-Auerberg und wurde in diesen Stadtteil hineingeboren.

    Die „alten Geschichten“ sollten nicht verloren gehen, vielmehr sollte jeder seine Gedanken und Erinnerungen an diesen schönen Stadtteil niederschreiben. Das möchte auch ich heute tun, wenn es mir auch nur gelingt, kurze Episoden anzusprechen.

    In Auerberg zu wohnen empfand ich immer als ein „in der Heimat“ sein. Ein Ort der Geborgenheit und des Miteinanders, und das im positivsten Sinne!
    Hier waren – zumindest auf dem ursprünglichen Teil Auerbergs – die Nachbarn nicht nur die Familien, die unmittelbar in der Doppelhaushälfte oder im nächsten Haus lebten, sondern wir alle waren irgendwie „Nachbarn“, auch wenn der eine oder andere in einer der angrenzenden Straßen wohnte!

    Jeder grüßte jeden und wenn einer in einem Auto vorbeifuhr, dann winkte man sich zumindest zu oder nickte freundlich mit dem Kopf.

    Die älteren Damen, die man so kannte, nannte man noch respekt- und liebevoll „Tante …“. Und ich hatte gleich mehrere davon!
    Eine war „Tante Else“. Eine Frau, die ich als eine Dame mit gütigen Augen empfand. Die ich als kleines Kind als ältere Dame erlebte, die in einem Haus, auf der Flensburger Straße wohnte, und aus Stoffen die für mich wirklich aller schönsten Kostüme schneidern konnte.
    Mit viel Liebe und Geduld zeigte sie mir, wie man eine Nähmaschine bedient. Und so nähte sie mir einmal, als ich ein Tanzmariechen der „Sternschnuppen“ war, für einen Auftritt ein Kostüm in Silber mit hellblauen Ornamenten, was eine Haremsdame darstellten sollte.

    Und aus einer leeren runden Haribo-Dose/Kunststoffverpackung fertigte sie mit geschickten Händen mir einen kleinen Hut, den sie aus dem gleichen Stoff umkleidete und mit einem von einer Feder besetzten Straßstein beklebte.
    Sie vermochte etwas Besonderes zu erschaffen und mit diesem Kostüm meine Gedanke auf die abenteuerlichsten Reisen zu führen und machte meinen kleinen Auftritt für mich zu einem Erlebnis!

    Und zu St. Martin „durften“ wir unsere Martinslieder bei ihr ganz bis zum Ende singen, bevor es die bunten „Karmelle“ gab, die wir Kinder dort, wie auch in vielen anderen Häusern, nach dem Zug schnörzen konnten. Allerdings waren die anderen Leute, bei denen wir die Martinslieder sangen, oft ein wenig schneller, die begehrte Schokoriegel, BonBons und Lakritze an uns Kinder zu verteilen. Aber mir machte das nichts, denn ich freute mich damals über jedes erschnörzte Teil, was wir von den vielen und immer sehr großzügig gebenden „Nachbarn“ bekamen.

    Und übrigens, als ich dann älter war, viel mir auf, dass die „Erwachsenen“ und die, die sich dafür hielten, oft keine Karmelle mehr bekamen, sondern einen Schnaps. Das hielt so mancher natürlich nicht über mehrere Straßen durch. Aber das ist eine andere Geschichte, die einmal, so möchte ich hier verraten, mit einem einsamen Lied „Großer Gott – wir loben Dich“ vor dem Kreuz, was vor der St. Bernhard-Kirche steht, endete …

    Auch erinnere ich mich in meinen frühesten Jahre, z. B. an den Eis Sepp, unser „Eismann“, wie er täglich mit einem – ich glaube es war ein umgebautes – Mofa mit einem großen Kasten vorn, durch die Straßen fuhr und gleich in der Flensburger Straße hielt.
    Himmelblau und Weiß war sein Fahrzeug und ich erinnere mich auch an die silberfarbigen Platten, die den Kühlbereich abdeckten und den Schriftzug auf den Seitenwänden.

    Wir Kinder hörten das Geräusch seines Mofas oft schon vom Garten aus, wo wir spielten, kurz bevor er um die Ecke bog und anhielt. Und liefen – sogleich rein ins Haus zur Mutter, oder Oma, um ein paar Groschen zu bekommen und das Geld – sofort – in das ach so geliebte und schon sehnlich erwartete Eis zu investieren. Herrlich, zwei Kugeln im Hörnchen oder im Becher; Kinderglück vom Feinsten!

    Es gibt so viele Erinnerungen an den Auerberg, schöne, bewegende und spannende Erinnerungen, die es Wert sind, sie zu bewahren und zu erzählen.

    Dort aufgewachsen zu sein, ist für mich rückblickend etwas Besonderes, denn ich konnte mich als Kind dort wohlfühlen.

    Inzwischen bin ich 55 Jahre, doch auch das Gesicht vom „Eismann“, wie wir ihn nannten, werde ich nie vergessen. Er trug oft eine strahlend Weiße Jacke und ein kleines weißes Schiffchen auf dem Kopf und hatte immer ein Lächeln, wenn mir Kinder, immer wieder mit nackten Füßen, auf dem heißen Asphalt tänzelten, weil wir es – wie so oft – so eilig hatten, an den Eiswagen zu kommen, dass wir es einfach vergaßen, rasch ein paar Schuhe anzuziehen.

    Ob auf der Flensburger Straße, der Allensteiner Straße, der Saarbrückener Straße und bis hinter die Straßen, rund um die St. Bernhard Kirche, wir alle waren „Kinder“ des Auerbergs.

    Die Kölnstraße war dann schon eine „richtig große Straße“ für uns Kinder, und doch führte sie uns Richtung Innenstadt Bonn oder nach Buschdorf oder Hersel …

    Wir spielten auf der Saarbrückener Straße, in den Feldern und am Heiligen-Häuschen.
    Gern auch im alten Bahndamm, in dem schon Jahre keine Züge mehr fuhren.

    Ich erinnere mich, dass wir fast von den Autos ungestört auf der Straße spielen konnten. Die Saarbrückener Straße war schon damals eine Allee, aber die Bäume waren natürlich noch viel kleiner wie heute.

    Im Sommer waren noch Rollschuhe angesagt und die Jungs haben dann irgendwann ihre Fahrräder fürs erste Mofa eingetauscht.

    Wir bauten im Sommer, als Jugendliche in einer Clique, eine Höhe in eine der Seitenwände des besagten Bahndamms. Die Jungs haben mit Holzbalken die Decke so gut es ging abgestützt und wir Mädels haben sie dafür „noch ganz brav“ mit Cola versorgt …

    Im Winter sind wir Schlitten gefahren. Wir hatten alle Schlitten aus Holz, vorn mit einem dicken Draht zwischen den vorderen Abschlüssen und daran befestigt war eine dicke Kordel, damit man den Schlitten bequem hinter sich herziehen konnte.
    Wir Kinder haben unsere Schlitten auf dem Verbindungsweg in den Feldern zwischen Buschdorf und Graurheindorf, kurz bevor der Weg sich vor dem Heiligen-Häuschen absenkt, hintereinander aufgereiht, uns auf den eigenen Schlitten gelegt und die Füße beim Hintermann vorn in seinen Schlitten eingehackt, so dass sich eine lange Schlange von Schlitten verbunden hat.
    Dann haben wir uns alle mit unseren Wollhandschuhen abgestoßen und sind mit lautem Getöse den Weg herunter, bis wir – nach einer tollen Fahrt – im Feld zum stehen kamen.
    Oder – die Mutigen unter uns – fuhren vom oberen Hügel am Heiligen Häuschen direkt „über den Hubbel“ ins Feld hinunter. Eine sehr kurze, aber rasante Fahrt, wie nachdem, wo man startete! Ab und an gab es kleine Verluste und so mancher, der tollkühn quer fuhr, kam zu Fall. Der Hügel war an der linken Seite steiler als an der Rechten und so war man eben – je nach Startposition – manchmal auch noch schneller unterwegs …

    Es gibt viele schöne Erinnerungen, die ich mit dem Auerberg in Bonn verbinde.

    Und ich hoffe, ich kann noch die eine oder andere erzählen.

    Nun aber möchte ich mich hier verabschieden und wünsche uns allen noch viele weitere Geschichten rund um den Auerberg.

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