Heiraten in Bonn

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Am Mon­tag stan­den mei­ne Ver­lob­te und ich um sechs Uhr mor­gens vor dem Sei­ten­ein­gang des Stan­des­amts. Zu­sam­men mit mehr als zwan­zig wei­te­ren Hei­rats­wil­li­gen woll­ten wir für un­ser Wunsch­da­tum ei­nen der we­ni­gen Plät­ze in den schö­nen Trau­zim­mern si­chern. Denn es gibt in Bonn – das ha­be ich bei mei­nen Re­cher­chen vor ei­ni­gen Mo­na­ten her­aus­ge­fun­den – au­ßer­ge­wöhn­li­che Mög­lich­kei­ten, sich das Ja-Wort vor ei­nem Stan­des­be­am­ten zu ge­ben. Ich las­se euch an mei­nem Wis­sen teilhaben.

Die Standardämter

Wer es oh­ne viel Schnick­schnack und vor al­lem oh­ne kal­te War­te­fü­ße möch­te, der kann ein­fach für ei­nes der Trau­zim­mer der Stadt Bonn vor­spre­chen. So­wohl in der Pop­pel­s­dor­fer Al­lee, dem Sitz des Stan­des­am­tes, als auch in den Rat­häu­sern von Bad Go­des­berg und Hart­berg kann man sich trau­en lassen.

Für den Fall, dass nicht al­le Gäs­te vor Ort sein kön­nen, bie­tet das Trau­zim­mer in der Pop­pel­s­dor­fer Al­lee so­gar ein Live-Streaming der Trau­ung an. Emp­feh­lens­wert für Paa­re, de­ren Ver­wand­te im Aus­land le­ben. (Da wird auch mal wie­der deut­lich, wie in­ter­na­tio­nal Bonn aus­ge­rich­tet ist.)

An interessanten Orten

Altes Rathaus
Al­tes Rat­haus (Fo­to: Tho­mas Wolf CC-BY-SA)

Es gibt aber noch mehr Mög­lich­kei­ten, als die be­stehen­den Äm­ter zu nut­zen. Im Al­ten Rat­haus am Markt stellt der Ober­bür­ger­meis­ter sein Dienst­zim­mer an man­chen Frei­ta­gen und Sams­ta­gen zur Ver­fü­gung. Ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, un­ter den Au­gen von Cle­mens Au­gust den Bund fürs Le­ben zu schlie­ßen und an­schlie­ßend dem Fuß­volk von der Trep­pe aus zuzuwinken.

Wer es ger­ne noch ein we­nig po­li­tisch be­deut­sa­mer will, der kann auch das ehe­ma­li­ge Do­mi­zil des Bun­des­prä­si­den­ten, die Vil­la Ham­mer­schmidt, an be­stimm­ten Frei­ta­gen und Sams­ta­gen bu­chen. Tol­le Fo­to­mo­ti­ve sind ga­ran­tiert, güns­tig ist der Spaß je­doch auch nicht zu haben.

Rich­tig schön ist auch die Kom­men­de Ra­mers­dorf. Das wun­der­voll re­no­vier­te Schloss ist das idea­le Am­bi­en­te für die Mär­chen­hoch­zeit. Die ver­füg­ba­ren Ter­mi­ne sind al­ler­dings rar.

Paa­re, die sich wäh­rend des Ja-Wortes ei­nen Blick über Bad Go­des­berg wün­schen, sind auf der Go­des­burg rich­tig auf­ge­ho­ben. Auch hier muss man sich um die we­ni­gen Sams­tags­ter­mi­ne recht­zei­tig kümmern.

Deut­lich bo­den­stän­di­ger ist es hin­ge­gen im Hei­mat­mu­se­um Beu­el. Ei­ne Mög­lich­keit wohl vor al­lem für Lieb­ha­ber der rechts­rhei­ni­schen Stadtgebiete.

Wenn das alles noch nicht außergewöhnlich genug ist …

Die Bönnsche Bimmel
Die Bönn­sche Bim­mel (Fo­to: Sir Ja­mes CC-BY-SA)

… kann man so­gar in ei­nem rol­len­den Trau­zim­mer hei­ra­ten. Die Bönn­sche Bim­mel ist ein al­ter Stra­ßen­bahn­wa­gen, der gut vier­zig Mi­nu­ten durch die Stadt fährt, wäh­rend drin zwei Men­schen Ja zu­ein­an­der sa­gen. ÖPNV-Fans kom­men hier voll auf ih­re Kos­ten und höchs­te Auf­merk­sam­keit am Stra­ßen­rand ist garantiert.

Wenn das al­les noch nicht spe­zi­ell ge­nug sein soll­te: Bon­ner Stan­des­be­am­te kom­men fast über­all hin, wo es in Bonn Se­hens­wer­tes gibt. So­gar auf ein Schiff. Wie bei al­len an­de­ren Or­ten muss das Paar das ein­fach nur recht­zei­tig an­mel­den und – je nach Ort – teils deut­li­che „Ser­vice­ge­büh­ren“ bezahlen.

Das Wört­chen „recht­zei­tig“ ist da­bei wich­tig. Na­he­zu al­le be­son­de­ren Trau­or­te sind heiß be­gehrt. Meis­tens ist ex­akt sechs oder neun Mo­na­te vor dem ge­wünsch­ten Ter­min ei­ne An­mel­dung mög­lich und ge­nau an die­sen Ta­gen ste­hen in der Re­gel lan­ge Schlan­gen vor dem Ne­ben­ein­gang des Standesamts.

Wir ha­ben uns üb­ri­gens schon lan­ge ei­ne Trau­ung im Al­ten Rat­haus ge­wünscht und den Ter­min be­kom­men. Um sechs Uhr, zwei Stun­den vor der Öff­nung, wa­ren wir trotz­dem nur die Vier­ten in der Schlange.

7 Kommentare

  1. Lie­ber Johannes,

    Herz­li­chen Glück­wunsch! Wir ha­ben üb­ri­gens da­mals ganz pro­fan im Stadt­haus ge­hei­ra­tet. Die nach­fol­gen­de Ge­sell­schaft wun­der­te sich dann, wo die Braut ist…

  2. […] die Wo­che fing gar lus­tig an. Wir stan­den um 6 Uhr mor­gens vor dem Bon­ner Stan­des­amt und war­te­ten als Vier­te in der Rei­he auf Ein­lass, um im Al­ten Rat­haus von Bonn hei­ra­ten zu kön­nen, im Dienst­zim­mer des Ober­bür­ger­meis­ters. Weil das geht und weil es toll ist, wenn man in die­sem al­ten Ge­mäu­er Ja sa­gen kann. Ich schrieb dar­über ja auch drü­ben bei Bun​des​stadt​.com. […]

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