Ei­nes di­rekt vor­weg: Ja, sie hat. Sie hat na­tür­lich den Gag mit dem schot­ti­schen Wet­ter ge­macht. Der gan­ze ver­reg­ne­te Tag schrie ja ge­ra­de­zu da­nach. Und was soll man sa­gen: Er reg­ne­te – wie der Tag es ver­mu­ten lies – das ge­sam­te Kon­zert über.

Der Blick auf den Re­gen­ra­dar war im Vor­feld ein wich­ti­ges Hilfs­mit­tel. Der General-Anzeiger brach­te am Mit­tag flugs noch ei­nen Ar­ti­kel über die zu er­war­ten­de Schlamm­schlacht auf dem Kunst!Rasen in der Rhein­aue. Knirps-Schirme er­laubt, bit­te ent­spre­chen­de – auch war­me – Klei­dung etc. Auf Face­book ka­men An­fra­gen aus Mann­heim, ob das Kon­zert denn über­haupt statt­fin­den wür­de. Es fand.

Vor­be­rei­tung Num­mer zwei: Schon mal schau­en, was Amy so in den Kon­zer­ten zu­vor ge­spielt hat­te. Schnell ei­ne ex­ak­te Play­list bei Spo­ti­fy er­stellt und in Dau­er­ro­ta­ti­on den Tag über ge­hört. Schön.

Ab­so­lu­tes Muss Num­mer drei: Wer um Him­mels Wil­len ist die­se Vor­band? Schnell mal Goog­le be­müht. Ein eben­so schot­ti­scher Künst­ler und Sin­ger Song­wri­ter– wenn auch nicht di­rekt am Na­men zu er­ken­nen – na­mens Le­wis Ca­pal­di. Sein Song „Brui­ses“ wur­de fast 15 Mil­lio­nen Mal ge­spielt. Wow.

Gut aus­ge­rüs­tet ging es al­so in die Rhein­aue zum letz­ten Kon­zert der dies­jäh­ri­gen Kunst!Rasen-Reihe. Das Wet­ter: Hielt was es ver­sprach. Wie an Fä­den pras­sel­te es auf die Be­su­cher an der Büh­ne. Wei­ter hin­ten war der Bo­den so­gar noch halb­wegs be­geh­bar. Wei­ter vor­ne wur­de es dann eher schlammig.

Amy Mac­do­nald auf dem Bon­ner Kunst!Rasen. Fo­to: Se­bas­ti­an Derix.

Der ein oder an­de­re Be­su­cher hat­te das mit dem Wet­ter wohl „nicht auf dem Schirm“. Ne­ben leich­ten Turn­schu­hen gab es auch ei­ni­ge Chucks (so­gar in Weiß) und Men­schen oh­ne Re­gen­schutz zu be­stau­nen. Ha­ken dran. Ge­nug über das Wet­ter. (vor­erst)

Ein schot­ti­scher Lie­der­abend al­so. Über­haupt, so stel­le ich spä­ter fest, ha­be ich of­fen­bar ei­nen fable für schot­ti­sche Bands. Ob Tra­vis, Run­rig, Simp­le Minds, Big Coun­try, Te­xas, Biffy Cly­ro, Pao­lo Nu­ti­ni oder Rod Ste­wart (im­mer­hin Halb­schot­te und Celtic-Fan):  Wun­der­ba­re Künst­ler mit durch­weg in­ter­na­tio­na­lem Erfolg.

Le­wis Ca­pal­di darf er­öff­nen. Sein Re­per­toire ist noch nicht um­fang­reich, aber ge­ra­de sei­ne bei­den Spo­ti­fy Songs ha­ben es in sich. Man darf ge­spannt sein, wie die Kar­rie­re des 20jährigen wei­ter ver­lau­fen wird. Wäh­rend der oben er­wähn­te Pao­lo Nu­ti­ni bis­her eher ein Ge­heim­tipp blieb, könn­te Ca­pal­di auch grö­ße­re Fan­ge­mein­den finden.

Um­bau­pau­se. Dau­er­re­gen. Mal stär­ker, mal we­ni­ger. Das Pu­bli­kum – der Ver­an­stal­ter ver­mu­tet um die 5.000 – nimmt es rhei­nisch ge­las­sen. Et kütt wie et kütt. Ho­len wir uns noch ein Kölsch? Ja.

Es geht los. Amy er­öff­net mit „Un­der Stars“ vom ak­tu­el­len gleich­na­mi­gen Al­bum. Ster­ne wer­den wir al­ler­dings heu­te hier nicht zu se­hen be­kom­men. Amy sucht di­rekt die An­spra­che an das Pu­bli­kum, möch­te sich mit­tei­len und bringt – na­tür­lich möch­te man fast sa­gen – den „Scot­tish sum­mer“ Gag.

Es fol­gen in 90 Mi­nu­ten, in de­nen Amy Mac­do­nald mit Ih­rer 5-köpfigen Band vor al­lem das ak­tu­el­le Al­bum be­rück­sich­tigt (7 Songs) und na­tür­lich al­le be­kann­te­ren Lie­der ein­streut. Zwi­schen den Lie­dern im­mer wie­der klei­ne, sym­pa­thi­sche An­spra­chen und An­ek­do­ten aus ih­rem Le­ben als Künst­le­rin. Wie sie sich bei­spiels­wei­se das Gi­tar­re­spie­len mit 12 sel­ber bei­brach­te, wie sie Tra­vis bei ei­nem Fes­ti­val da­zu in­spi­rier­te und dass das „Rockstar“-Leben doch ziem­lich über­be­wer­tet wür­de. Zwi­schen­durch noch Wer­bung für den Mer­chan­di­se Stand, wo es ih­re schö­nen Tee­tas­sen zu er­wer­ben gibt. Auch als „Re­gensamm­ler“ geeignet.

Das al­les in „schaurig-schönem“  schot­ti­schen Ak­zent, den sie dann auch sel­ber auf die Schip­pe nimmt. („Im­mer das­sel­be: Ent­we­der die Zu­schau­er sind zu laut, um mich zu  ver­ste­hen oder es ist mein Akzent.“)

Amy Mac­do­nald auf dem Bon­ner Kunst!Rasen in der Rhein­aue. Fo­to: Se­bas­ti­an Derix.

Und dann ist da ja noch eben die­se Stim­me. Man sagt ja, Künst­ler wer­den dann er­folg­reich, wenn sie ei­nen Wie­der­erken­nungs­wert in der Stim­me ha­ben. Hat sie. Und wie. Je­der Ton sitzt – bis zu dem ei­nen Mo­ment, wo sich ei­ne gro­ße Spin­ne auf Ihr Mi­kro­fon setz­te und sie ab­rupt kurz in­ne hal­ten muss. (Klingt jetzt hier ir­gend­wie ko­misch, ist aber in der Tat ge­nau so pas­siert, wie sie sel­ber nach dem Song erklärte….)

Bei „4th of Ju­ly“, ei­ner Akus­tik Ver­si­on, kann sie ih­re Stim­me dann noch bes­ser in Sze­ne set­zen. Gän­se­haut. (Und das eben NICHT we­gen der im­mer nied­ri­ger wer­den­den Temperaturen.)

Wei­ter geht es. Der Re­gen wird mal wie­der stär­ker. Die klei­nen Bä­che, die vom Büh­nen­dach vor­ne in den Gra­ben stür­zen, wir­ken, wenn ein Schein­wer­fer­licht sie „künst­le­risch“ her­vor­hebt, als wä­ren sie Teil ei­ner ge­nia­len Was­ser­show. Sind sie  aber nicht. Die Men­ge freut sich und klatscht.

Das Kon­zert plät­schert so da­hin möch­te man sa­gen und das ist hier nicht ne­ga­tiv ge­meint. Denn klar ist auch, dass wir es hier mit ei­ner pro­fes­sio­nel­len Band zu tun ha­ben, die ge­konnt und oh­ne vie­ler­lei Fir­le­fanz durch den Abend spielt. Das hat fürs Pu­bli­kum auch Vor­tei­le: Die Ra­dio­songs ha­ben al­le ma­xi­mal vier Mi­nu­ten und so kann Amy Mac­do­nald am En­de gan­ze 19 Songs performen.

Drei Zu­ga­ben und nach fast ex­akt 90 Mi­nu­ten ist Schluss. Der Re­gen ist ge­blie­ben und als die Lich­ter an der Büh­ne an­ge­hen, klingt aus den Bo­xen pas­send für den nach Hau­se Weg Tra­vis: „Why does it al­ways rain on me?“. Den Song hat­te Amy zwi­schen­durch auch kurz an­ge­sun­gen. Es war eben der Tag der Regen-Gags. Egal. Schön wars.

Set­list:
https://www.setlist.fm/setlist/amy-macdonald/2017/kunstrasen-bonn-germany-be589d2.html

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