Konzertbesprechung: Dizzy Mizz Lizzy und die späte Liebe

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Im Rah­men der Rock­pa­last „Cross­roads“ Kon­zert­rei­he des WDR gas­tier­te heu­te vor zwei Wo­chen mit „Di­zzy Mizz Liz­zy“ (DML) ei­ne weit­ge­hend un­be­kann­te Band in der Har­mo­nie. Un­be­kannt? Wie man sich täu­schen kann….

Letzt­lich war es ein dum­mer Zu­fall, dass ich die­ses Kon­zert ge­se­hen ha­be. Mein Bru­der frag­te an und ich sag­te spon­tan zu. „Di­zzy Mizz Liz­zy? Nie gehört“.

Kar­ten gab es noch aus­rei­chend, bei Fischer-Z zwei Ta­ge zu­vor wä­re das eher ein The­ma ge­we­sen. Was wür­de mich al­so er­war­ten? Ein ers­tes Ge­spräch vor Kon­zert­be­ginn lies mich aufhorchen.

Ein Be­kann­ter mei­nes Bru­ders und be­ken­nen­der Fan von DML be­rich­te­te, dass die drei Dä­nen wohl An­fang der 90iger Jah­re in Dä­ne­mark ein gro­ße Num­mer wa­ren. Hun­der­tau­sen­de ver­kauf­te Al­ben, dar­un­ter das bis heu­te meist­ver­kauf­te Debut-Album al­ler Zei­ten in Dä­ne­mark. (VÖ März 1994)

In Bonn ha­ben sie dann 1995 auf der le­gen­dä­ren RhEIN­KUL­TUR ge­spielt. Nach dem 2. Al­bum war dann Schluss und die Band lös­te sich auf. Sän­ger Tim Chris­ten­sen wid­me­te sich dann sei­nem Solo-Projekt.

Mu­sik­stil? Ir­gend­was Al­ter­na­ti­ves, Power-Rock, 90iger Grunge und Gi­tar­ren eben. OK, das wür­de ja schon mal pas­sen, dach­te ich. Hier wun­der­te ich mich, dass die­se Band in der Hoch­pha­se mei­nes Mu­sik­in­ter­es­ses an mir vor­bei­ge­gan­gen war. Zwei Stun­den spä­ter frag­te ich mich das um­so mehr…

Die Har­mo­nie war gut ge­füllt, nicht zu voll, nicht zu leer. Vor mir stand of­fen­bar ei­ne Art ein­ge­fleisch­ter Deut­scher Fan­club. Text­si­cher und bei fast je­dem ers­ten Ton exta­tisch brül­lend, be­glei­te­ten sie den Gig.

Wie sich her­aus­stell­te, wa­ren Auf­trit­te der Band in Deutsch­land oh­ne­hin ei­ne Sel­ten­heit. In Dä­ne­mark schaff­ten sie es aber bis zum Ros­kil­de Fes­ti­val, um vor zig­tau­sen­den Men­schen zu spielen.

Die Songs, die für mich al­le­samt neu wa­ren, schaff­ten schnell den Weg in mein Ge­hör und ich war wie ge­fes­selt. Vor al­lem von Sän­ger Tim Chris­ten­sens Gi­tar­ren­spiel und sei­ner ein­präg­sa­men Stim­me. Die Songs der bis­her ein­zi­gen bei­den Al­ben („Di­zzy Mizz Liz­zy“ und „Ro­ta­tor“) und ein paar des neu­en, im April er­schei­nen­den, Al­bums be­geis­ter­ten mich für gut 80 Minuten.

Bäämm“: Und das war mir über 20 Jah­re ent­gan­gen? Auch mein noch mehr mu­sik­be­geis­ter­ter Bru­der schau­te un­gläu­big, als das Kon­zert zu En­de war.

Seit die­sem Abend lau­fen die bei­den Al­ben bei mir in Dau­er­schlei­fe und ich bin froh, Schät­ze wie „Wa­ter­line“, „Sil­ver­fla­me“ oder dem groß­ar­ti­gen „Love is a lo­sers game“ nun hö­ren zu dür­fen. Zu­dem steigt die Vor­freu­de auf das neue Al­bum. Spät, aber nicht zu spät, ha­ben wir uns al­so doch noch gefunden.

Ich möch­te an die­ser Stel­le na­tür­lich nicht die 2. Band des Abends un­ter­schla­gen. Ge­mäß Cross­road gibt es ja meist 2 Bands pro Abend. Doch das Trio „My Ba­by“ aus Ams­ter­dam konn­te mich mit de­ren Mu­sik­stil nicht wirk­lich über­zeu­gen. An­de­re wie­der­um fan­den die­se Art Mu­sik gran­di­os und künst­le­risch war an der Dar­bie­tung des mit „Del­ta Blues trifft auf trip­pi­ge Psychedelic-Parts so­wie Dub- und Funk-Elemente“ be­zeich­nen­den Stils nichts zu rütteln

Ich aber dis­ku­tier­te nach drei ge­spiel­ten Songs lie­ber an der Bar dar­über, wie mir DML bis­her durch die Lap­pen ge­hen konn­te. Mit u.a. der Er­kennt­nis, dass es si­cher­lich da drau­ßen noch vie­le, vie­le Bands gibt, die ich bis­her noch nicht ent­deckt habe.

Kei­ne Fra­ge: Die Su­che geht weiter.

TV-Tipp: Ei­nen klei­nen Mit­schnitt der Cross­road Kon­zer­te gibt es am 11. April 2016, 00.15 – 02.15 Uhr im WDR Fernsehen.

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