🎄🤶🦌 Besinnliche Feiertage wünsche ich hier gerne stellvertretend für das vorliegende Blog…

Zwischen den Jahren birgt es mitunter ein besonderes Schmankerl inspirierende Produktionen am Theater Bonn Revue passieren zu lassen. Seit dem letzten Rückblick wurde der Spielplan um einige, neu vorzustellende Produktionen bereichert. Lasst Euch oder lassen Sie sich mit funkelnden Sternstunden bescheren, die hier nun vorgestellt werden:

In diesem Jahr wurde die Reihe FOKUS ’33 der Oper Bonn als Beste Wiederentdeckung mit dem internationalen Oper-Award 2023 gewürdigt. Fokus ’33 ist eine verdienstvolle Reihe am Theater Bonn, die vergessene und ausgegrenzte Opern aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, aufarbeitet und präsentiert. Maßgeblich für die Umsetzung und Konzeption der Reihe war Dramaturg Andreas K. W. Meyer, der im April diesen Jahres leider überraschend verstarb.

Am 10. Dezember diesen Jahres feierte das vorerst letzte Werk der Reihe Fokus ’33 Premiere. Im Foyer des Bonner Opernhauses bereichert eine Begleitausstellung des Arnold Schönberg-Centers in Wien sowie des Theaterwissenschaftlichen Institutes Köln mit Bühnenbildmaterial und Infos die Vorstellung. Anlässlich des 150-Jahre-Schönberg-Jubiläums im Jahr 2024 zeigt die Ausstellung u.a. Bühnenbild-Exponate zu weiteren Inszenierungen von Moses und Aron, u. a. 1974 in Caesarea (Israel):

Moses und Aron von Arnold Schönberg, nächste Vorstellungen am 29. Dezember, 7. und 13. Januar im Bonner Opernhaus:

Der Überfall auf Israel am 7. Oktober diesen Jahres setzt Fragen des Komponisten Arnold Schönberg (1874–1951), zu Existenzbedingungen eines Volkes Israel und zur Suche nach einem gelobten Land, in ein brisantes Licht. Die Inszenierung des Schweizer Regisseurs Lorenzo Fioroni verzichtet jedoch auf Bezüge zum aktuellen Nahostkonflikt.

Arnold Schönbergs nie fertiggestelltes Opern-Oratorium Moses und Aron gilt heute als ein Schlüsselwerk der Moderne. Der österreichische Jude und musikalische Avantgardist Schönberg gilt als Urheber der Zwölftontechnik. Er widmet sich in seinem Musiktheater dem Bildverbot des Zweiten Gebotes Gottes, dem Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten und der Gründung des Staates Israel.

Von Paul Zollers Bühnendecke hängt mittig eine brennende Glühbirne herab, die als Zeichen Gottes gedeutet werden kann. Die beiden Brüder tragen zu Beginn überdimensionierte Masken und es wird ein Puppentheaterspiel angedeutet.

Moses und Aron setzen sich miteinander und mit ihren Anhängern auseinander und festigen dabei ihre Weltsicht. Moses ringt mit sich und versucht seinem Volk, das zuvor zu vielen Göttern betete, Gott als etwas abstraktes verständlich zu machen. Sein Bruder Aron hingegen findet pragmatisch Kompromisse für das von Moses obsessiv vertretene Bildverbot. Die Anhänger von Moses legen auf dem Weg in die Wüste ihre schwere Kleidung ab und bewegen sich fortan in weißer Unterwäsche. Eine im Bühnenzentrum platzierte Großleinwand zeigt bald, wie das Volk von Schlangen heimgesucht wird. Die Schwarz-Weiß-Bilder mit mimisch ausdrucksstark verzerrten Gesichtern der Chormitglieder erinnern hier an die Stummfilm-Ästhetik. Bald fühlen Moses Anhänger sich von ihm alleingelassen und machen ihrer Wut angriffslustig, vielstimmig und auch gestisch ausdrucksstark bei seinem Bruder Aron Luft.

Der zweifelnde Moses arbeitet sich derweil in einem weißen Kasten auf dem Berg Sinai am Zwiegespräch mit Gott ab, wo er die zehn Gebote empfängt. Gegenstände fallen auf ihn von der Decke herab. Er entkleidet sich vollends, übergießt seinen Körper mit Farbe und wirft sich an die Wände, die nun mit menschlichen Abdrücken bemalt werden. Die Buchstaben A und O erinnern dabei an Alpha und Omega, Symbole für den Beginn des Universums.

Dietrich Henschel, von durchtrainierter Statur, gestaltet seinen Moses facettenreich mit musikalisch volltönendem Sprechgesang. Martin Koch vom Kölner Opernensemble mimt seinen Bruder Aron agil mit klarem, souveränem Tenor. Der beinahe hundertköpfige Chor und Extrachor der Bonner Oper, ergänzt um ein Berliner Vokalensemble singt unter der Leitung von Marco Medved teils zwölf-stimmig mit bewegender Präsenz, breit aufgefächert und bedrohlich dissonant. Musikalisch klingt das Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung des Chefdirigenten Dirk Kaftan differenziert, machtvoll und farbig expressiv. Die transparent und präzise modellierten Linien berühren mit verschachtelten Harmonien. Die detailreich umgesetzte Vorführung hinterfragt Sehgewohnheiten und eine Bildlichkeit.

Rigoletto von Giuseppe Verdi, nächste Vorstellungen am 26. und 30. Dezember, 5., 12. und 20. Januar, 3., 23. und 25. Februar im Bonner Opernhaus

Giuseppe Verdis Oper Rigoletto (1851) nach dem melodramatischen Versepos Le Roi s´amuse (1832) von Victor Hugo, wurde zunächst von der Zensur beanstandet, begründete dann jedoch den Welterfolg des italienischen Komponisten der Romantik, der zeitlebens (1813-1901) etwa dreißig Opern komponierte und bis heute einer der meistgespielten Opernkomponisten ist. Jürgen R. Weber findet provokante Bilder in seiner vielschichtigen Bonner Inszenierung.

Am Hof von Mantua dienen Frauen als Objekte der herzöglichen Verführungslust, werden von ihm teils verachtet und misshandelt. Der Herzog von Mantua steht im Zentrum einer dysfunktionalen höfischen Gesellschaft, die Orgien und andere Ausschweifungen feiert. Er missbraucht seine Macht, um Frauen triebhaft und gewissenlos zu erobern, Väter zu düpieren und sich über gehörnte Ehemänner lustig zu machen. Bei letzterem ist ihm auch sein buckliger treuer Hofnarr Rigoletto dienlich, der die Eroberungen seines Brotherrn auch vor den Augen der Betroffenen derb kommentiert. Was der Herzog nicht weiß, Rigoletto ist selbst Vater einer schönen und von ihm geliebten Tochter, Gilda, die er zu schützen versucht, indem er sie vor der Öffentlichkeit versteckt. Bald muss Rigoletto erkennen, dass seine Loyalität zum Herzog Grenzen hat.

Mit beweglichen Wandschirmen, Bilderrahmen und Videoprojektionen schafft Hank Irwin Kittel stimmungsvolle Bühnenbilder. Einige Großbild-Videoprojektionen von Gretchen fan Weber bergen effektvoll ein gewisses Ekelmoment, wenn etwa Maden und Würmer durch Augenhöhlen von Puppen kriechen. Diese Bilder werden im Close-Up gezeigt, während Mitglieder des Herrenchors halbnackt in Unterhosen und Krücken der nächsten Unterwerfung des Herzogs harren. Auch sie deformieren sich offensichtlich unter dem Einfluss der herzöglichen Misogynie. Gilda selbst benutzt ebenfalls Gehhilfen und wird von ihrem Vater in einem rollbaren Käfig mit Wendeltreppe verborgen. Höflinge entführen Gilda später mitsamt ihres Käfigs im Auftrag des Herzogs. Gewalt wird am Theater Bonn nicht explizit gezeigt. Trotzdem regt sich bei leidenschaftlichen Premierenbesuchern lautstarker Protest, wenn der Herzog Gilda im Vorbeigehen eine Schokoladentorte ins Gesicht wirft.

Ensemblemitglied Giorgos Kanaris gefällt packend in seinem Rollendebüt der komplexen Titelpartie, stimmlich farbig nuanciert mit dramatischem Bariton. Die deutsch-russische Sopranistin Anastasiya Taratorkina, derzeit am Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert, moduliert die Gilda souverän mit einfühlsamen Koloraturen, ausdrucksstark in den Höhen leuchtend. Auch der rumänische Tenor Ioan Hotea in der Rolle des Herzogs von Mantua beeindruckt als Gastsänger, der leichtfüßig die Canzone des Gewalttäters, „La donna è mobile“, eine der bekanntesten Opernarien aller Zeiten, in facettenreiche Stimmfarben zum Besten gibt. Musikalisch bleibt auch das Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung von Daniel Johannes Mayr durch dramatische Zuspitzungen und eine tänzerische Leichtigkeit mit forciert schwungvollen Tempiwechseln in Erinnerung.

Highlights des Internationalen Tanzes, nächste Vorstellung von der taiwanesische Tanzcompany B.Dance mit der Choreographie Floating Flowers von Po-Cheng Tsai am 23.1.2024 im Bonner Opernhaus

Der israelische Choreograph Shahar Binyamini zeigte seine Choreographie More than im ausverkauften Bonner Opernhaus. Zu Anfang bewegen sich zwei Tänzer langsam von rechts nach links über die Bühne. Der vordere ist ganz in ein durchsichtiges, dehnbares Gewebe gehüllt, das sich verformt und bewegt. Der hintere trägt, zieht und hält diesen Tuchstoff feierlich.

Später bewegt sich das Tanzensemble – Joseph Kudra, Roni Milatin, Dor Nahum, Or Saadi, Maya Botzer Simhon und Naor Walker – mal unabhängig und mal synchron spielerisch zu hypnotischen Rhythmen von Mark Eliyah, Mohammad Reza Mortazavi und Gamelan Degung. Sie tragen fleischfarbene Trikots mit schwarzen Mustern.

Sinnliche Berührungen zwischen Männer- und Frauenpaaren deuten in physisch starken Duos intime körperliche Begegnungen an. Ausdauernde und trotzdem ruckartig fragmentierte Bewegungen im Raum lenken den Blick. In einer Szene überrascht eine sanfte Gruppenumarmung; nun wird das Ensemble zum kauernden Bündel atmender Körper aus verschränkten Armen und Beinen. Shahar Binyamini tanzte selbst von 2007 bis 2013 in der renommierten Batsheva Dance Company und war fünfzehn Jahre Tänzer.

Nach der Deutschlandpremiere in Bonn zeigt im kommenden Jahr auch das Schauspiel Köln diese Produktion, und zwar am 14. und 15. Juni 2024 im Depot 2.

Das Duo Lucia Lagarra und Matthew Golding präsentierte während einer einstündigen Performance zu wechselnder Musik und stimmungsvollen Videoprojektionen auf der Hauptbühne kurze Choreographien von Anna Hop, Yuri Possokhov, Juanjo Arqués und Christopher Wheeldon. Thematisch beleuchteten die Stücke intime Momente, Verbindendes und Trennendes zwischen Mann und Frau. Nach den ersten beiden Choreographien fiel der Vorhang, da es eine deutlich hörbare technische Störung von der Musikanlage gab. Nach kurzer Pause war der Fehler behoben und die Vorführung von Fordlandia wurde ausdrucksstark fortgesetzt.

Das Staatsballett Stara Sagora tanzte jüngst – wie in der Weihnachtszeit im Vorjahr – das klassische Handlungsballett Der Nussknacker von Pjotr Tschaikowsky mit Live-Orchester. Die Ballett-Compagnie der Staatsoper aus Stara Sagora in Bulgarien zog bei dem Klassiker mit aufwendigen Kostümen, schnellen Schrittfolgen und kunstvollen Pirouetten Jung und Alt in den Bann.

Zuletzt beeindruckte u.a. auch das Gastspiel der Sydney Dance Company mit Impermanence und Forever and ever.

Woyzeck von Georg Büchner, nächste Vorstellungen am 11., 13., 27. und 31. Januar am Schauspielhaus Bad Godesberg

Sarah Kurze findet am Theater Bonn schöne Bilder für das frühe soziale und moderne Drama von Georg Büchner, das auf dem realen Kriminalfall des Johann Christian Woyzeck (1780–1824) beruht. Ausweglos scheint die Isolation Woyzecks: Dreimal zeigt die junge Regisseurin in einem Zwischenspiel mit choreographisch sich wiederholender Pantomime ein Bild der sozialen Kälte, Beziehungslosigkeit und Entfremdung: Alle Figuren gehorchen wie mechanisch ihren eigenen routinierten Bewegungen, ohne Woyzeck zu beachten, der rastlos und sorgenvoll um sie kreist und sie ungläubig anstarrt. Zur Besprechung

Der nackte Wahnsinn von Michael Frayn, nächste Vorstellungen am 27. und 30. Dezember, 12. Januar, 3. und 18. Februar am Schauspielhaus Bad Godesberg

Der nackte Wahnsinn des Briten Michael Frayn von 1982 reflektiert das Medium Theater. Das Chaos einer Generalprobe und späteren Premiere wird dargeboten. Sascha Hawemann zeigt im ersten Teil den gestressten Regisseur bei der letzten Probe vor der Premiere und lässt einige Szenen spielen, die schnell unterbrochen werden. Frivole Andeutungen des Stückes gehen über in Ausrutscher der Akteure. Darsteller widersetzen sich bewusst dem mitunter unfairen Regisseur, wichtige Akteure tauchen zu spät auf, Auftritte oder Abgänge werden verpasst oder verpatzt, wichtige Requisiten fehlen, werden liegen gelassen oder mit etwas grundsätzlich anderem ersetzt. Zur Besprechung

Fabian oder Der Gang vor die Hunde nach Erich Kästner, nächste Vorstellungen am 29. Dezember, 6. Januar und 9. Februar im Schauspielhaus Bad Godesberg

Erich Kästner beschreibt in seinem Großstadtroman Fabian (1931) das glamouröse Leben der Bars und Bordelle im Berlin der Goldenen Zwanziger. Er porträtiert das Lebensgefühl seines sensiblen Titelhelden in der gesellschaftlich-politischen Umbruchsituation der damaligen Zeit. Am Theater Bonn inszenierte nun Gastregisseur Martin Laberenz Kästners Roman über moralischen Verfall und den einhergehenden Zerfall der Weimarer Demokratie. Er setzt dabei viel auf Schauwerte, ohne jedoch die politische Dimension von Kästners Roman anzudeuten. Zur Besprechung

Wir wissen, wir könnten und fallen synchron nach Yade Yasemin Önder, nächste Vorstellungen am 13. und 20.1., 3. und 17.2. in der Werkstatt

Der Theaterabend widmet sich einer Coming-of-Age Geschichte einer jungen Frau, die eine problematischen Familiengeschichte mit einem schwer übergewichtigen, früh verstorbenen Vater verarbeitet. Sie verinnerlicht das Schönheitsideal Schlankheit und entwickelt ein gestörtes Verhältnis zum Essen. Auf der Bühne werden, ähnlich wie in dem Roman, assoziativ durch die Erzählzeit des Romans springende Miniaturen dargeboten. Regisseurin Emel Aydoğdu strukturiert in der Werkstatt Yade Yasemin Önders Roman durch wechselnde Monologe und Dialoge der Darsteller, die alle auch die Ich-Erzählerin des Romans verkörpern. Zur Besprechung

Weiterhin im Programm:

Von Mäu­sen und Men­schen nach dem Ro­man von John Stein­beck am 28. Dezem­ber, so­wie 17. und 20. Januar, sowie 17. Februar im Bad Go­des­ber­ger Schauspielhaus:

An­ders als in Stein­becks Ro­man wird auf der Büh­ne das En­de ab­ge­mil­dert. Ge­or­ge tö­tet nicht sei­nen Freund Len­nie, um ihn vor dem Lynch­mord zu be­wah­ren, wäh­rend er ihm vom ge­mein­sa­men Traum ei­ner glück­li­chen Zu­kunft er­zählt. In­ter­es­san­ter­wei­se wird ge­nau in der Stil­le die­ser Sze­ne das Mar­tins­horn ei­nes deut­schen Ein­satz­fahr­zeugs hör­bar. Es bleibt of­fen, ob es ein ein­ge­spiel­tes Ge­räusch ist oder ge­ra­de tat­säch­lich an der Stra­ße hin­ter dem Thea­ter ein Po­li­zei­au­to vor­bei­fährt. Ge­nau in dem Mo­ment der dro­hen­den Wildwest-Lynchjustiz wird so­mit die ord­nen­de Macht des good old Eu­ro­pe hör­bar. Ob es sich nun um ei­ne Ein­spie­lung han­delt oder um die Ge­räusch­ku­lis­se der Au­ßen­welt kön­nen die nach­fol­gen­den Thea­ter­be­su­cher beurteilen.

Si­mon Sol­berg scheut in Bonn mit dem Ein­satz zahl­rei­cher Songvor­trä­ge nicht die Me­lo­dra­ma­tik, oh­ne da­bei je­doch rühr­se­lig zu wer­den. Das wird Dra­ma ge­kürzt und et­wa das Schick­sal der Fi­gur des afro­ame­ri­ka­ni­schen Stall­knech­tes Crooks aus­ge­klam­mert. Sol­berg ver­weist auf ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen der Kli­ma­kri­se, in­dem die Fol­gen von ei­ner durch ei­ne Dür­re­ka­ta­stro­phe be­ding­ten Mi­gra­ti­on pro­ble­ma­ti­siert wer­den.
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Was fehlt uns zum Glück? nach dem Fra­ge­bo­gen von Max Frisch am 29. Dezem­ber, so­wie 6. und 10. Januar in der Werkstatt

Es ist ein Wag­nis, Max Frischs kri­ti­sche Selbst­be­fra­gung aus sei­nen Ta­ge­bü­chern auf die Büh­ne zu brin­gen; er schrieb dar­an in den Jah­ren 1966 bis 1971, sie er­schie­nen kom­plett erst­mals 2019. Am Thea­ter Bonn ge­lingt die Ad­apt­a­ti­on in Teilen.

Re­gis­seu­rin Kat­rin Plöt­ner lässt die Ak­teu­re elf Fra­gen­kom­ple­xe Frischs an­hand aus­ge­wähl­ter Fra­gen vor­stel­len. An­fangs herrscht ei­ne ge­wis­se Auf­ge­räumt­heit in Bet­ti­na Pom­mers Büh­nen­bild. Büh­nen­wän­de und Bo­den sind wie Ba­de­zim­mer­flie­sen ge­ka­chelt. Das wei­ße Ka­chel­mus­ter mit dun­kel­blau­en Strei­fen wie­der­holt sich auch auf den Re­qui­si­ten; Ele­men­te wie Qua­der, Wür­fel, Drei­ecke spie­geln das Mus­ter. Die fünf Ak­teu­re tra­gen an­fangs al­le kor­re­spon­die­ren­de Kos­tü­me von Jo­han­na Hla­wi­ca, de­rer sie sich teils nach und nach ent­le­di­gen. Auch Ewa Góre­ckis ef­fekt­vol­le wa­ckeln­de Licht­pro­jek­ti­on auf die Büh­ne va­ri­iert das Mus­ter.
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Die Glas­me­na­ge­rie von Ten­nes­see Wil­liams am Thea­ter Bonn, nächs­te Vor­füh­run­gen am 5. Januar und 7. Februar in der Werkstatt

Wie ein Sym­bol für ei­ne Ab­gren­zungs­mög­lich­keit wirkt ein brei­tes, fla­ches, dun­kel ge­hal­te­nes Was­ser­be­cken, das die Büh­ne zum Zu­schau­er­raum trennt. In Mat­thi­as Köh­lers Pro­duk­ti­on sind die Tie­re der Glas­me­na­ge­rie un­schein­ba­re Licht­re­fle­xe auf dem Was­ser. Glas er­scheint als Stoff für Träu­me sehr zer­brech­lich. Ein ge­lun­ge­nes Bild: Eben­so schim­mernd wie Glas spie­gelt das Was­ser ein kla­res Ab­bild der Büh­ne oder schim­mern­de Ver­zer­run­gen. Be­rei­chert wird die se­hens­wer­te und sorg­fäl­tig kom­po­nier­te In­sze­nie­rung durch ei­ne nu­an­cier­te Licht­re­gie und sel­ten zu auf­dring­li­che Ton- und Musik-Einspieler u. a. von ver­träum­ten Pop­songs von Co­co­Ro­sie oder La­na Del Rey. Zur Be­spre­chung

Fran­ken­stein Ju­ni­or nach Mel Brooks, nächste Vorstellungen am 31. Dezem­ber im Bon­ner Opernhaus

Premierenapplaus für ‚Frankenstein Junior‘ an der Oper Bonn | Foto (c) as

Jens Ker­bel zeigt das bun­te Trei­ben auf dem Spuk­schloss mit sei­nem le­gen­dä­ren Be­sit­zer vol­ler wohlig-wollüstiger Gru­sel­mo­men­te in deut­scher Spra­che. Wech­seln­de Büh­nen­bil­der und fes­seln­de Cho­reo­gra­phien, ein gro­ßes En­sem­ble und sat­ter Or­ches­ter­klang täu­schen über so man­che fla­che Gags, an­züg­li­che Zwei­deu­tig­kei­ten und plat­ten Slap­sticks hin­weg. Es kom­men ein­drück­lich Blit­ze, Don­ner und Wet­ter­leuch­ten zum Ein­satz. Das En­sem­ble tritt thea­tra­lisch mit Fa­ckeln und bren­nen­den Ker­zen auf die Büh­ne. Schwarz-Weiß-Projektionen be­bil­dern ef­fekt­voll Schau­plät­ze (Vi­deo: Ju­dith Se­len­ko). Schmissig-schwungvolle Me­lo­dien ge­hen mit Jazz-Passagen, Step-Einlagen, lus­ti­gen Ge­sichts­aus­drü­cken und Si­tua­ti­ons­ko­mik ein­her.
Zur Be­spre­chung

Al­le Fo­tos vom je­wei­li­gen Ab­schluss­ap­plaus (c) Ans­gar Skoda

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