Nimptsch hört auf

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Foto: Sebastian Derix
Die Mitarbeiter im Stadthaus bekommen im nächsten Jahr einen neuen Chef. – Foto: Sebastian Derix

Es war der Paukenschlag am Freitagnachmittag. Als sich alle Medien schon auf ein gemütliches Sommerlochwochenende eingestellt hatten, ließ Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch eine Bombe platzen: Er werde im kommenden Jahr nicht wieder zur Wahl antreten, verkündete Nimptsch auf seiner Website. Selbst seine Mitarbeiter im Stadthaus waren überrascht über den Zeitpunkt der Meldung. In der Pressestelle rotierten die Kollegen fortan bis zum Dienstschluss.

Im Wesentlichen nannte der OB zwei Gründe für seinen Rückzug: Stress im Stadtrat und die Gesundheitsprobleme seiner Frau. Dabei hätte er es sich durchaus vorstellen können, eine zweite Amtszeit in Angriff zu nehmen, wenn die Voraussetzungen gestimmt hätten. Die Angriffe aus der schwarz-grünen Koalition gegen ihn persönlich und die von ihm geführte Verwaltung machte dies aus seiner Sicht aber nicht möglich. Nimptsch fasst es so zusammen: „Für eine zweite Amtszeit, in der man eine „Kohabitation“ (der Oberbürgermeister hat ein anderes Parteibuch als die Ratsmehrheit) zum Wohle der Stadt gemeinsam konstruktiv lebt, hätte ich mich zur Verfügung gestellt. Die Erfahrungen der letzten Jahre lehren aber etwas anderes.“

Gleichzeitig machten die gesundheitlichen Probleme seiner Frau eine weitere Amtszeit für ihn unmöglich, so Nimptsch. Er wird in seiner Erklärung deutlich: „Die lebensbedrohliche Erkrankung meiner Frau gibt ihr und mir keine Sicherheit, dass uns 2020, nach einer möglichen zweiten Amtszeit, noch viel gemeinsame Lebenszeit zur Verfügung stehen wird; wir haben aber Grund zur Hoffnung, dass dies in den nächsten Jahren so sein wird.“

Aus den politischen Parteien in Bonn kommt Anerkennung für Nimptschs Entscheidung, aber auch Kritik. Die ehemalige Koalition aus CDU und Grünen lässt zum Beispiel nicht gelten, dass sie gezielt gegen den Bürgermeister gearbeitet hätte. Allerdings habe man es ihm auch nicht immer leicht gemacht, gesteht der CDU-Fraktionsgeschäftsführende Georg Fenninger. Nimptschs Partei, die SPD, reagiert mit Bedauern auf seine Entscheidung. In den sozialen Netzwerken sind die User fast einhellig der Meinung, dass Nimptschs Rückzug der richtige Schritt für die Stadt Bonn sei. Allerdings wird hier der OB auch für jedes kleine Problem in der Stadt persönlich verantwortlich gemacht – vom Ende der Museumsmeilenkonzerte, über die Lärmproblematik bis hin zum verregneten Sommer. Ihm die Generalschuld zu geben ist sicherlich zu kurz gedacht.

Ein gutes Jahr ist Nimptsch jetzt noch im Amt. Seine Zeit wird mit Sicherheit nicht leichter. Um Beethoven und sein Jubiläum will er sich noch kümmern, ums WCCB und die Konsolidierung des Haushalts. Leicht will er sich seinen Abschied offenbar nicht machen. Ob sich seine Hoffnung erfüllt, dass die Politiker in der Stadt sich durch seinen Rückzug zusammenraufen, um das „Zesammestonn“, dass sich Nimptsch einst auf die Fahne schrieb, wieder mehr zu leben, wird man sehen. Für die Stadt wäre es wünschenswert. In den Parteien geht spätestens jetzt die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die OB-Wahl im Oktober 2015 in die heiße Phase. Kandidaten, die sich auf den ersten Blick aufdrängen, gibt es nicht.

1 KOMMENTAR

  1. Eine überraschende Meldung, das stimmt. Ich sehe die Chancen auf ein positives Signal 2015 höher, als wenn er wieder angetreten wäre. Dass die bestehende Konstellation nicht funktioniert, konnte man jedenfalls erkennen. Ein Bürgermeister einer Großstadt braucht eine Mehrheit hinter sich, so oder so.

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