OneBillionRising Tanzdemo am 14. Feb. // Bonner Jugendbewegung ruft zur Demo gegen G-20 Außenministertreffen auf

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Ein Zeichen der Solidarität setzen gegen die Ausbeutung und Gewalt an Frauen und Mädchen – das ist das Ziel der globalen „One Billion Rising“ Tanzaktion. Am Dienstag, 14. Februar, um 16 Uhr findet sie zum fünften Mal in Bonn statt.  

Die eine „Milliarde” steht für das Drittel aller Frauen und Mädchen, die laut einer UN-Statistik in ihrem Leben weltweit schon Opfer von Gewalt wurden.  Am Valentinstag 2013 gingen erstmals abertausende Menschen deshalb in über 190 Ländern gemeinsam zu dem Lied “Break the Chain” tanzend auf die Straßen.

Die One Billion Rising Kampagne wurde 2012 von der New Yorker Künstlerin und V-Day-Gründerin Eve Ensler  initiiert. V-Day (“victory over violence”) ist eine globale Bewegung zum Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die kreative Veranstaltungen fördert, um Menschen für das Thema zu sensibilisieren und aufzurütteln.

Morgen wird um 16 Uhr auf dem Bonner Münsterplatz vor dem Beethoven-Denkmal getanzt. Zu der Protestkundgebung mit anschließendem Smartmob erwarten die Veranstalter mehrere Hundert Menschen. Das Video zeigt das erste Bonn Rising. 

“Der Schwerpunkt in diesem Jahr ist Ausbeutung, sei es psychischer, körperlicher oder ökonomischer Art,” so Organisatorin Marita Horscheidt. “Es ein Aufruf an Frauen und Männer ein sichtbares Zeichen zu setzen, sich nicht durch Rassismus und Sexismus den Glauben an ein friedliches Miteinander nehmen zu lassen. Gemeinsames Tanzen ist der erste Schritt dazu.”

Bereits am 21. Januar hatten hunderte Frauen und Männer in Bonn für Menschen- und Frauenrechte demonstriert und sich mit dem “Women’s March on Washington” solidarisiert.  

Einen Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump und seiner aggressiven Antrittsrede sind Hunderttausende Frauen und Männer rund um den Globus auf die Straßen gegangen, darunter auch in Bonn und sechs anderen deutschen Städten. Den Veranstaltern zufolge haben sich mehr als fünf Millionen Menschen an dem Women’s March on Washington und über 650 Schwester-Märschen auf allen Kontinenten beteiligt, einschließlich der Antarktis.

Der Bonner Sister March zog von der Amerikanischen Siedlung in Bonn-Plittersdorf zur Rheinaue und erinnerte an das Prinzip des gewaltfreien, friedlichen Widerstands und die Worte des amerikanischen Bürgerrechtlers  Martin Luther King Jr..

Die Demo wurde von einer multikulturellen Gruppe von Müttern, deren Kinder die Bonn International Schule besuchen, initiiert. Über Mundpropaganda und soziale Medien haben sie die Einladung verbreitet und hervorgehoben, dass Männer ausdrücklich willkommen sind.

„Wir demonstrieren für den Frieden, Inklusion, Vielfalt, Gleichberechtigung, Respekt und alle Menschenrechte. Jeder, der diese Werte teilt, ist willkommen. Es geht darum, dass unsere Stimmen gehört werden. Wir werden nicht still bleiben, sondern Widerstand leisten und aufstehen für das, woran wir glauben“, erklärte Sonja S., die eine US-Bürgerin ist und sich darüber freute, dass auch Männer dem Aufruf gefolgt waren.

Ole Tangen Jr., ein Journalist aus New Jersey, der seit 10 Jahren in Bonn lebt und mit einer Deutschen verheiratet ist, erklärte: „Ich bin ein Sohn, Ehemann und Vater einer Tochter. Ich bin auch hier, um zu sagen, wie lächerlich es ist, dass wir im Jahre 2017 noch bzw. wieder für Frauenrechte demonstrieren müssen“.

Er äußerte sich hoffnungsvoll, dass Trumps Präsidentschaft von kurzer Dauer sein wird, denn das Rad der Geschichte lasse sich nicht zurückdrehen und der Widerstand formiert sich in einer breiten Koalition. „Am Ende könnte Trump, der wohl die meist polarisierende politische Figur in der jüngsten US-Geschichte ist, die amerikanische Gesellschaft durch die Opposition zu ihm mehr vereinen als jeder Präsident zuvor“, so Tangen.

#NoBanNoWall (Foto: Bonner Jugendbewegung)

Trumps aggressive Antrittsrede, frauen- und fremdenfeindliche Agenda sowie ablehnende Haltung zur EU und dem Pariser Klimaabkommen hat weltweit Besorgnis und Entsetzen ausgelöst. Auch die Bonner Jugendbewegung hatte am 21. Januar zu einer Demo gegen die Politik des neuen US-Präsidenten und den Rechtsruck in Deutschland aufgerufen. Unter dem Motto “Make Racists Afraid Again” zogen über 150 junge Frauen und Männer mit bunten Plakaten und lauten Sprechchören durch die Innenstadt, um ihre Stimme für Frauenrechte, Flüchtlinge und offene Grenzen zu erheben.

Jugend-Demo gegen Trump und Rechtspopulismus in der Bonner Innenstadt am 21. Januar (Foto: Bonner Jugendbewegung)

Am 16. Februar wollen sie ihren Protest fortsetzen mit einem Jugendblock und Demonstrationszug gegen das G-20 Außenministertreffen, der ab 17 Uhr vom Haus der Geschichte zum Konferenzort führen soll. Zusammen mit anderen Organisationen und lokalen Gruppen fordern sie eine Bekämpfung der Fluchtursachen, einen Stopp der Abschottung der EU Außengrenzen und Abschiebungen nach Afghanistan.

Das zweitägige G-20 Außenministertreffen im WCCB ist ein Vorbereitungstreffen für den G-20 Gipfel im Juli, der unter der deutschen Präsidentschaft und dem Motto “Eine vernetzte Welt gestalten” in Hamburg stattfinden wird. Die zweitägige Konferenz ist der erste internationale Auftritt für den neuen amerikanischen Außenminister und ehemaligen Exxon Mobile Konzernchef Rex Tillerson. 

Das Treffen der Außenminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ist das erste diplomatische Großereignis in Bonn seit der Afghanistan-Konferenz im Jahr 2011.

Gespannt ist man in Bonn, ob die neue US-Regierung einen isolatorischen Kurs fahren oder sich konstruktiv in die Verhandlungen einbringen wird, beispielsweise zur Lösung des Syrien-Konflikts oder bei globalen Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise und den Klimawandel.

Secretary Tillerson and German Foreign Minister Share a Laugh Before Their Meeting in Washington U.S. Secretary of State Rex Tillerson and German Foreign Minister Sigmar Gabriel share a laugh before their bilateral meeting at the U.S. Department of State in Washington, D.C., on February 2, 2017. [State Department photo/ Public Domain]
Außenminister Sigmar Gabriel hat seinen neuen US-Amtskollegen Rex Tillerson bereits am 2. Februar in Washington kennengelernt. (Foto: US State Department / Public Domain)
In Bonn ansässige Akteure der Entwicklungszusammenarbeit hoffen, dass von der Konferenz ein Signal für die Stärkung der Zivilgesellschaft ausgehen wird. Der “Kampf gegen Fluchtursachen”, sagte Bernd Bornhorst von Misereor gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur, dürfe nicht zu einem “Kampf gegen Flüchtlinge und deren Zuzug in die reichen Länder des Westens” werden.

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