Alles, was ihr zu dem Bonner Bäderdilemma wissen müsst

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Hier geht es zum ak­tu­el­len Teil ab 2016.

Bonn – Die Bä­der­de­bat­te dreht sich im Kreis. Wir stel­len für euch chro­no­lo­gisch zu­sam­men, wor­an es liegt, dass seit 2006 nichts pas­siert ist, und wel­che Be­schlüs­se ge­trof­fen wurden.

Die Si­tua­ti­on in Bonn

Bonn hat zu vie­le Frei- und Hal­len­bä­der, und die sind in ih­rer Aus­stat­tung un­at­trak­tiv, tech­nisch ver­al­tet und nicht wett­be­werbs­fä­hig, so das Ex­per­ten­ur­teil in der Bä­der­fra­ge. Sta­tis­tisch ge­se­hen gibt es mehr Was­ser­flä­che pro Bür­ger als im NRW-Durchschnitt. Das freut zwar den Bür­ger, der nicht weit bis zum nächs­ten Bad fah­ren muss, ist für den ver­schul­de­ten Haus­halt Bonns aber ein Graus.

So gibt bzw. gab es bis vor kur­zem vier ma­ro­de Hal­len­bä­der (von de­nen ei­nes be­reits vor Jah­ren ge­schlos­sen wur­de), ein Kom­bi­bad und fünf Frei­bä­der, fast al­le in schlech­tem Zu­stand, für rund 320.000 Mit­bür­ger. Seit Jah­ren geht es des­halb dar­um, ei­ne Lö­sung für das Pro­blem zu fin­den und Kos­ten zu sparen.

Der (für uns relevante) Beginn der Bäderdebatte

Im Jahr 2006, al­so vor zehn Jah­ren, star­tet un­se­re Ge­schich­te der Bon­ner Bä­der­de­bat­te. Da­mals leg­te die Ver­wal­tung ein Bä­der­gut­ach­ten vor, des­sen Kern­aus­sa­gen man heu­te noch ab­ru­fen kann. Dar­in zu lesen:

Der jähr­li­che fi­nan­zi­el­le Auf­wand [Zum Be­trieb und Er­halt der Bä­der] liegt bei über 10.000.000 €, der lang­fris­ti­ge Sa­nie­rungs­be­darf bei 33.000.000 €, was den jähr­li­chen Auf­wand noch­mals um et­wa 1.650.000 € erhöht.

Die Vor­la­ge da­für wur­de für den Rat En­de 2006 vor­be­rei­tet. Sie ist selbst nicht ab­ruf­bar, wur­de aber als­bald er­gänzt durch fol­gen­den, zu­sam­men­fas­sen­den Satz:

Die Frei­bä­der blei­ben er­hal­ten. Das Fran­ken­bad wird durch ein mo­der­nes Familienfreizeit- und Wett­kampf­bad am bis­he­ri­gen Stand­ort er­setzt. Das Vik­to­ri­a­bad wird ge­schlos­sen und das Grund­stück vermarktet.

Im Kern sprach sich das Kon­zept al­so da­für aus, durch die Ein­spa­run­gen aus ei­nem zu schlie­ßen­den Vik­to­ri­a­bad ein neu­es Fran­ken­bad zu fi­nan­zie­ren, wel­ches güns­ti­ger im Un­ter­halt ist. Die Ar­gu­men­te, dar­un­ter die Nä­he bei­der Bä­der und die 3,1 Mil­lio­nen Eu­ro, die das Vik­to­ri­a­bad jähr­lich kos­te­tet, fin­den sich in der obi­gen SPD-Broschüre. Kri­tik da­zu gab es da­mals bei Rhein:Raum. Bis 2012 soll­te das Kon­zept um­ge­setzt sein, die CDU hät­te es da­mals ger­ne das Vik­to­ri­a­bad er­hal­ten, das Fran­ken­bad ge­schlos­sen.

Verschoben, Private Partnership

Am 31. Ja­nu­ar 2007 be­schloss der Rat im Zu­ge des Bä­der­kon­zep­tes un­ter an­de­rem den Neu­bau des Fran­ken­ba­des und die Schlie­ßung des Vik­to­ri­a­ba­des mit an­schlie­ßen­der Grund­stücks­ver­mark­tung. Doch auf­grund der an­ge­spann­ten Haus­halts­la­ge muss­te die ur­sprüng­lich ab 2008 ge­plan­te Neu­bau­maß­nah­me ver­scho­ben werden.

Die Ver­wal­tung teil­te im Sep­tem­ber 2007 mit: „[A]ufgrund der ge­än­der­ten Fi­nanz­si­tua­ti­on der Stadt Bonn ist es not­wen­dig, das vom Rat ver­ab­schie­de­te Bä­der­kon­zept zu mo­di­fi­zie­ren. Grund­sätz­lich soll je­doch an der Kon­zep­ti­on fest­ge­hal­ten wer­den.“ Die Ver­wal­tung woll­te da­für 9,3 Mio Eu­ro zu­rück­le­gen. „Die Neu­bau­maß­nah­me Fran­ken­bad (ca. 23,6 Mio. EUR) wird ver­scho­ben, in­fol­ge­des­sen wür­de das Vik­to­ri­a­bad erst nach Fer­tig­stel­lung geschlossen.“

Aus der ra­schen Um­set­zung des Bä­der­kon­zepts und dem Neu­bau Fran­ken­bad wur­de al­so nichts. Um das Pro­jekt den­noch zu rea­li­sie­ren, schiel­te man auf ei­ne pri­vat­wirt­schaft­li­che Kooperation.

In ei­nem Dring­lich­keits­an­trag am 17. De­zem­ber 2007, Be­grün­dung:

Im Hin­blick auf den zü­gi­gen Fort­gang der An­ge­le­gen­heit ist ei­ne kurz­fris­ti­ge Ent­schei­dung auf der Grund­la­ge der Emp­feh­lung des Pro­jekt­bei­ra­tes und des Aus­schus­ses geboten,

ver­an­lass­te ei­ne da­ma­li­ge Rats­mehr­heit des­halb ge­gen Stim­men der FDP, im Rah­men ei­ner „pri­vat­wirt­schaft­li­chen Lö­sung (PPP/ÖPP)“ ei­ne schnel­le­re und für die Stadt fi­nan­zi­ell güns­ti­ge­re Rea­li­sie­rung des Pro­jekts „Neu­es Fran­ken­bad“ zu er­zie­len – und das Grund­stück Vik­to­ria­kar­ree hö­her­prei­sig zu ver­mark­ten. Kos­ten­punkt fürs Fran­ken­bad ab 2008 da­mals: 26,2 Mil­lio­nen Euro.

Im April 2007 grün­de­te sich zu­dem der ers­te Pro­jekt­bei­rat Bä­der, der sich im Mai 2008 kon­sti­tu­ier­te.

Denkmalschutz verzögert – nicht

In ei­ner Vor­la­ge der Ver­wal­tung, die seit März 2008 in den Gre­mi­en un­ter­wegs war, wur­de der Denk­mal­schutz des Fran­ken­bads an­ge­spro­chen. Ei­ne Ver­zö­ge­rung für den jetzt ab 2013 ge­plan­ten Neu­bau sei aber nicht ge­ge­ben, heißt es darin.

Für die Grü­nen war den­noch im April 2008 klar: Das Bä­der­kon­zept ist ob­so­let – man sol­le neu dis­ku­tie­ren! Die FDP for­der­te ei­nen neu­en Rund­um­schlag und mehr In­for­ma­tio­nen. Die CDU frag­te, was mit al­ter­na­ti­ven Stand­or­ten, et­wa Rö­mer­bad, wäre.

Die Ver­wal­tung kon­ter­te dar­auf­hin und mach­te im Sport­aus­schuss im Mai 2008 klar: Bis­lang hat­te man sich auf das Fran­ken­bad ge­ei­nigt als neu­er Stand­ort, und wol­le da blei­ben. Zu­dem ar­bei­te man ge­ra­de am Kon­zept ei­ner pri­vat­wirt­schaft­li­chen Ko­ope­ra­ti­on. Und leg­te 2009 ein Gut­ach­ten vor, wel­ches ak­tu­ell auch wie­der im Ge­spräch ist: Das von KPMG und Pfaller.

Das Gutachten von 2009

Im Gut­ach­ten von KPMG und Pfal­ler war laut Ver­wal­tungs­mit­tei­lung zu le­sen: Man sol­le am Bä­der­kon­zept fest­hal­ten. Zu­dem soll­te ei­ne Fort­ent­wick­lung der städ­ti­schen Bä­der mit der Ziel­set­zung stattfinden:

  • Das Bon­ner Bä­der­an­ge­bot at­trak­ti­ver zu gestalten.
  • Die Bä­der zu re­no­vie­ren, be­hin­der­ten­ge­recht um­zu­ge­stal­ten und tech­nisch zu optimieren.
  • Fol­ge­kos­ten zu re­du­zie­ren als nach­hal­ti­gen Bei­trag für die Haushaltskonsolidierung.

Rea­li­siert wer­den sollten:

  • Er­halt al­ler Freibäder,
  • Neu­bau Frankenbad,
  • Schlie­ßung Vik­to­ri­a­bad und Grundstücksvermarktung,
  • Sa­nie­rung al­ler Bä­der (Mas­ter­plan).

Ge­prüft wer­den soll­te: „Ein­be­zie­hung in den Stadt­wer­ke­kon­zern (Prü­fungs­auf­trag).“

Die Ver­wal­tung sieht kei­ne Not­wen­dig­keit, vom Bä­der­kon­zept ab­zu­ge­hen und an­de­re Stand­or­te zu un­ter­su­chen, dies gilt in be­son­de­rem Ma­ße für Stand­or­te, die sich nicht im Be­sitz der Stadt be­fin­den. Das KPMG-Gutachten rät von der Er­rich­tung ei­nes gro­ßen Spaß- und Er­leb­nis­ba­des im Hin­blick auf die be­reits ein­gangs an­ge­führ­te Dich­te sol­cher An­ge­bo­te in der Re­gi­on ab.

Drei Jah­re wa­ren in­zwi­schen ver­gan­gen, oh­ne dass ein neu­es Bad ge­baut oder die an­de­ren Bä­der sa­niert wor­den sind. Das Kur­fürs­ten­bad, so die Schät­zung, müss­te laut da­ma­li­gem Gut­ach­ten des Bü­ros Krie­ger (2009/2010) für 13,3 Mil­lio­nen Eu­ro sa­niert werden.

Private Kooperation nicht wirtschaftlich – Sanierung Frankenbad kann aufgeschoben werden

Die SPD ließ im Fe­bru­ar 2009 an­fra­gen, wie es jetzt mit dem Fran­ken­bad wei­ter­ge­he. Schließ­lich ha­be KPMG ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit Pri­vat als un­wirt­schaft­lich ver­wor­fen; zu­dem stün­de im Raum, ob das Fran­ken­bad bis 2012 oh­ne Sa­nie­rung be­nutz­bar sei, bis der Neu­bau 2012 käme.

Die Ver­wal­tung konn­te be­ru­hi­gen: Man nut­ze der­zeit ab­ge­half­ter­te Res­te aus dem En­nertbad, et­wa in den Um­klei­de­ka­bi­nen. Und:

Un­ab­hän­gig von den Maß­nah­men im Zu­sam­men­hang mit dem Bä­der­kon­zept wird die Ver­wal­tung si­cher­stel­len, dass das Fran­ken­bad bis zum Neu­bau in sei­nen Funk­tio­nen er­hal­ten blei­ben kann.

2010: Das Viktoriabad schließt, das Frankenbad wurde nicht neu gebaut

Für vie­le er­hielt die Bä­der­de­bat­te 2010 erst­mals ei­nen rea­len Out­put. Das Vik­to­ri­a­bad schloss am 29. Mai 2010, wie im nicht um­ge­setz­ten Bä­der­kon­zept an­ge­droht. Hin­ter­grund war, dass die Stadt auf die­se Wei­se jähr­lich 700.000 Eu­ro ein­spa­ren woll­te – was nur durch ei­ne Bä­der­schlie­ßung und Ko­ope­ra­ti­on mit Ver­ei­nen zu er­rei­chen sei, wie sie im Sep­tem­ber 2010 mit­teil­te. Zu­dem wä­re ei­ne Sa­nie­rung zu teu­er ge­wor­den – 16,6 Mil­lio­nen Eu­ro, so ein Gut­ach­ter, wür­de ei­ne rei­ne Sa­nie­rung des Fran­ken­bads oh­ne Wert­stei­ge­rung kosten.

Wie hoch das Ein­spar­vo­lu­men für al­le ver­blei­ben­den Bä­der war, lis­te­te die Ver­wal­tung 2011 hier auf.

Kein Geld, kei­nen Plan. We­gen der wei­ter an­ge­spann­ten Haus­halts­si­tua­ti­on kam man in der Bä­der­de­bat­te nicht wei­ter. Zwar woll­te man sa­nie­ren, al­ler­dings war es den Ver­ant­wort­li­chen letzt­end­lich zu teu­er. Zu­dem hät­te ei­ne Sa­nie­rung des Fran­ken­bads laut Ex­per­ten am En­de so­gar kei­nen Cent an Be­triebs­kos­ten ge­spart, son­dern wä­re noch teu­rer ge­wor­den. 17 Mil­lio­nen hät­te dies ge­kos­tet. Doch die Ver­wal­tung und Bä­der­chef Mar­tin Schu­ma­cher und die Rats­mehr­heit, na­ment­lich Ge­org Fen­nin­ger und Tom Schmidt, tra­ten auf die Brem­se, for­der­ten ei­ne Ge­samt­kon­zep­ti­on, ein Bä­der­gut­ach­ten. Klar war of­fen­bar: Es muss­te et­was ge­sche­hen, doch die Si­tua­ti­on war verfahren.

2012: Gutachten tun gut

2011/2012 be­weg­te sich dann wie­der et­was in der Bä­der­de­bat­te. Ein neu­es Gut­ach­ten soll­te auf den Tisch kom­men, das scho­nungs­los die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten und Miss­stän­de auf­zeig­te – rund drei Jah­re nach dem letz­ten. Und Gut­ach­te­rin Kim Adam lie­fer­te am 16. März 2012 ein 300-Seiten-Werk, in dem aus­führ­lich auf Sa­nie­rungs­be­darf, La­ge, Chan­cen und Mög­lich­kei­ten ein­ge­gan­gen wur­de. Im Kern emp­fahl sie, gleich al­le Hal­len­bä­der zu­zu­ma­chen, die Frei­bä­der zu er­hal­ten und ei­nen Neu­bau zu wa­gen. 2014/2015 wä­re die­ser, wür­de al­les rund­lau­fen, fertig.

War­um man dies tun soll­te? „Die Fak­ten sind bit­ter: Vor al­lem die Hal­len­bä­der sind alt, un­mo­dern und sa­nie­rungs­be­dürf­tig. Das An­ge­bot lässt zu wün­schen üb­rig, viel mehr als sport­li­ches Bah­n­en­schwim­men ist nicht drin. „Al­les, was Spaß macht, ist ver­bo­ten“, so die Gut­ach­te­rin“ laut General-Anzeiger.

Ex­em­pla­risch in der De­bat­te ist ein wei­te­rer Punkt, den die Lin­ken und die FDP her­vor­he­ben und die die bei­den Eck­punk­te der De­bat­te dar­le­gen: Al­le sa­nie­ren oder neubauen.

Für die Lin­ke zeigt das Gut­ach­ten, wo­vor Po­li­tik und Ver­wal­tung zu lan­ge die Au­gen ver­schlos­sen hät­ten: Oh­ne mas­si­ve In­ves­ti­tio­nen geht es nicht, an­dern­falls dro­he das Schick­sal des Vik­to­ri­a­bads. Be­stä­tigt fühlt sich die FDP, denn sie for­dert seit lan­gem als ein­zi­ge Bon­ner Par­tei, au­ßer dem Vik­to­ri­a­bad noch ein zwei­tes Hal­len­bad, näm­lich das Fran­ken­bad, zu schlie­ßen und statt­des­sen ein at­trak­ti­ves Fa­mi­li­en­bad neu zu errichten.

Doch zu ei­ner Ent­schei­dung konn­te sich die Rats­mehr­heit nicht durch­rin­gen. Man wol­le ja nie­man­dem weh­tun, fass­te der EX­PRESS zu­sam­men.

OB Nimptsch sorgt für Zündstoff

Weil bis Ok­to­ber 2012 noch nichts ent­schie­den war, leg­te der um Streit und kla­re Wor­te nie ver­le­gen Ober­bür­ger­meis­ter Jür­gen Nimptsch ein ei­ge­nes, har­tes Spar­kon­zept vor. Denn dem de­sas­trö­sen Haus­halt wür­de ei­ne Schlie­ßung ei­ni­ger Bä­der gut zu Ge­sicht stehen.

Ver­ant­wort­lich zeich­ne­te sich da­für der neue Bä­der­ver­ant­wort­li­che Herkt. „Seit 20 Jah­ren wird über ein Bä­der­kon­zept ge­re­det, es ist aber nie er­stellt wor­den. Wir brau­chen jetzt Ent­schei­dun­gen“, dräng­te Herkt da­mals. Und stell­te ne­ben des eher sel­ten von Bon­nern fre­quen­tier­te Hardt­berg­bad auch die Frei­bä­der Melbbad und Frie­si zur Dis­po­si­ti­on. Statt­des­sen soll­ten Kur­fürs­ten­bad sa­niert und das Fran­ken­bad auf­ge­mö­belt wer­den, zu ei­nem Citybad.

Man muss der Ver­wal­tungs­lei­tung hier Chuz­pe aus­spre­chen: Mit dem Melbbad und Frie­si wur­den die bei­den Frei­bä­der mit dem größ­ten Rück­halt durch För­der­ver­ei­ne zur Schlie­ßung aus­ge­ru­fen. Ganz of­fen­sicht­lich lässt sich da­hin­ter Me­tho­de ver­mu­ten, hoff­te man viel­leicht auf ei­ne Über­nah­me durch die Ver­ei­ne? Und mit dem Hardt­berg­bad war Bonns ein­zi­ges Kom­bi­bad be­trof­fen – das­je­ni­ge, wel­ches laut Gut­ach­ten die bes­ten Über­le­bens­chan­cen hatte.

Po­li­tisch blieb die­ser Ver­wal­tungs­vor­stoß letzt­lich – eben­falls – folgenlos.

Telefonabstimmung

Der Rat woll­te lie­ber den Bür­ger fra­gen, statt zu ent­schei­den. Das ge­schah 2013. Die Kri­tik am Ver­fah­ren war deut­lich – und of­fen­sicht­lich: Be­fragt wur­den nicht al­le Bür­ger, son­dern nur 2500, die aber auch ei­nen Fest­netz­an­schluss vor­wei­sen muss­ten. „Je­der Bür­ger wird für den Er­halt des Ba­des in sei­ner Nä­he ab­stim­men, das ist ja auch nicht ver­wun­derns­wert“, sag­te Be­zirks­bür­ger­meis­ter Hel­mut Kol­lig. Des­halb hal­te er die an­ge­streb­te Bür­ger­be­fra­gung zum neu­en Bä­der­kon­zept für sinnlos.

Knapp ent­schie­den die Bür­ger: Das Kur­fürs­ten­bad wird ge­schlos­sen. Im Ge­gen­zug soll­te laut Grünen-Rathaustelegramm von Ju­li 2013 so­fort mit der Sa­nie­rung des Fran­ken­bads be­gon­nen werden.

Ge­gen FDP, BBB und ei­ni­ge SPD-Stimmen wur­de be­schlos­sen, dass da­nach die Sa­nie­rung des Hardt­berg­ba­des er­fol­gen soll. Mit der Mehr­heit der schwarz-grünen Ko­ali­ti­on wur­de die Ver­wal­tung be­auf­tragt, Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­mark­tung des Kur­fürs­ten­ba­des und sei­nen Wei­ter­be­trieb durch ei­nen Pri­vat­in­ves­tor zu schaf­fen. Ge­gen Grü­ne und den grö­ße­ren Teil der CDU-Fraktion (und ge­gen die Er­geb­nis­se der Bür­gerum­fra­ge) be­schloss der Rat, das Kur­fürs­ten­dau­er „auf Dau­er (zu) er­hal­ten“. Wäh­rend der Sa­nie­rung von Fran­ken­bad und Hardt­berg­bad sol­len die Öff­nungs­zei­ten der an­de­ren Bä­der er­wei­tert werden.

Wie kein zwei­ter Be­schluss spie­gelt die­ser die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit der Rats­mehr­hei­ten in der Bä­der­fra­ge wi­der. Ein In­ves­tor für das Kur­fürs­ten­bad fand sich nicht, das Fran­ken­bad wur­de nicht sa­niert. Das mo­nier­te auch die SPD 2014. Die Rats­mehr­heit ver­har­re, die Ver­wal­tung verschiebe.

Nichts Neues bei der Bäderdebatte

Was bleibt? Ak­tu­ell schwebt der schwarz-grünen Ko­ali­ti­on ein Kom­bi­bad in den Mie­sen vor, in Dot­ten­dorf. Oder auch nicht. Wel­che Bä­der hier­nach ge­schlos­sen wer­den, ist nicht ganz klar. Auf je­den Fall hat man 2015 ei­nen neu­en Bä­der­bei­rat ins Le­ben ge­ru­fen. Der ge­fun­de­ne Stand­ort wur­de so­fort wie­der zur Dis­kus­si­on ge­stellt. Und das Kur­fürs­ten­bad ist seit ei­ner Wo­che so ma­ro­de, dass es ver­mut­lich nie wie­der öff­nen wird. Es wä­re da­mit das zwei­te Hal­len­bad, dass in Bonn ge­schlos­sen wird, oh­ne dass im Ge­gen­zug ei­ne ver­nünf­ti­ge, zu­kunfts­ori­en­tier­te Lö­sung entsteht.

Im­mer­hin: Laut SGB sol­len die Dä­cher der Beue­ler Bütt und des Fran­ken­bads in die­sem Jahr sa­niert werden.

Was bleibt?

Be­denkt man, dass ein Neu­bau des Fran­ken­bads 2007 für 23 Mil­lio­nen Eu­ro zu ha­ben ge­we­sen wä­re, ei­ne Sa­nie­rung zwi­schen­zeit­lich auf 17 Mil­lio­nen ge­schätzt wur­de, ist ei­nes klar: War­ten führt nicht da­zu, dass es bil­li­ger wird. Je­des Jahr der nicht­ge­trof­fe­nen Ent­schei­dun­gen führt ent­we­der zu we­ni­ger Bä­dern oder teu­re­ren Lö­sun­gen. Letz­te­res kann sich die Stadt nicht mehr leisten.

Le­sen sie im zwei­ten Teil, wie es in der Bä­der­de­bat­te ab 2016 weiterging!

5 Kommentare

  1. Die ma­ro­den Zu­stän­de soll­ten al­len städ­ti­schen Po­lit­kas­pern in Rech­nung ge­stellt wer­den. Be­reits vor 30 Jah­ren ha­be ich mas­siv drauf ge­drängt für je­des Bad ein Kon­zept zu ent­wi­ckeln. Letzt­lich ha­be ich die­ses sel­ber er­stellt, viel Geld und Zeit in­ves­tiert und die­ses bei den Par­tei­en vor­ge­stellt. Man merk­te förm­lich, dass sie in ih­ren par­tei­po­li­ti­schen Zwangs­ja­cken steck­ten um ja nicht in ih­rem je­wei­li­gen Be­zirk Ge­fahr zu lau­fen un­be­liebt zu wer­den. Wenn Dumm­heit rad­fah­ren könn­te müß­te die hie­si­gen Po­li­ti­ker berg­auf bremsen.

  2. Wir sind ei­ne Fa­mi­lie mit vier Kin­dern aus Kes­se­nich und fah­ren zum Schwim­men im­mer nach Born­heim. Grund: es ist kein Fun-Bad, aber hat ei­ne ge­wis­se Aus­wahl an Be­cken für ver­schie­de­ne Al­ters­stu­fen. Das ge­wärm­te Au­ßen­be­cken ist na­tür­lich ge­ni­al, es wird im­mer ge­nutzt. Der FRei­bad­be­reich ist auch im Som­mer fast im­mer ziem­lich leer. Da­her wür­de ich mir für Bonn wün­schen: Hal­len­bad mit ganz­jäh­rig nutz­ba­rem Au­ßen­be­cken, aber kei­nen Freibad-Teil.

  3. […] Um das im Haus­halts­ent­wurf aus­ge­wie­se­ne De­fi­zit in  den Be­triebs­kos­ten im Bä­der­be­trieb in Hö­he von rd. 250.000 € im Jahr 2017 und 290.000 € im Jahr 2018 und in den Per­so­nal­kos­ten in Hö­he von rd. 450.000 € jähr­lich zu de­cken, wird 1. die Ver­wal­tung be­auf­tragt, Kon­takt mit In­ter­es­sen­ten auf­zu­neh­men, die den Be­trieb von Frei­bä­dern über­neh­men könnten/würden. An­schlie­ßend legt die Ver­wal­tung dem Rat ei­ne ent­spre­chen­de haus­halts­wirk­sa­me Ent­schei­dung vor. 2. Soll­te da­mit das De­fi­zit nicht aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen, er­ar­bei­tet die Ver­wal­tung ei­nen Vor­schlag, wie das rest­li­che De­fi­zit durch Ver­än­de­rung in der Bä­der­land­schaft aus­ge­gli­chen wer­den kann. Ver­än­de­rung be­deu­tet eher nicht, dass ein Topf voll Gold auf­taucht. Die­ses Vor­ge­hen ist üb­ri­gens ty­pisch für die Bä­der­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jah­re. Die Bä­der sind zu teu­er, al­so wird die Ver­wal­tung be­auf­tragt, Kon­zep­te zu er­ar­bei­ten, wie die glei­che Zahl an Bä­dern für we­ni­ger Aus­ga­ben zu hal­ten ist. Auch für das ma­ro­de Kur­fürs­ten­bad soll­te ein In­ves­tor auf­tau­chen; fin­den ließ sich die­ser nicht. In der Vor­la­ge heißt es wei­ter: “Schlie­ßun­gen von Hal­len kom­men frü­hes­tens in Be­tracht, nach­dem ein neu­es Bad er­öff­net wur­de”. Ge­meint ist das neue Zen­tral­bad. Wei­ter­hin heißt es: Der Rats­be­schluss zur Haus­haltkon­so­li­die­rung sieht die pau­scha­le Kür­zung der Ver­brauchs­kon­ten­vor. Das be­deu­tet für die An­sät­ze der Bäder-Betriebskosten im Ent­wurf des Haus­hal­tes 2017/2018 ei­ne Re­du­zie­rung in Hö­he von rund250.000 € in 2017 und rund290.000 € in 2018.Hinzukommt das jähr­li­che Per­so­nal­kos­ten­de­fi­zit in Hö­he von 450.000 €, das als Spar­ziel für die ge­kürz­ten Öff­nungs­zei­ten ab 2015 in den Haus­haltein­ge­plant wor­den ist, aber nicht er­reicht wer­den konn­te. Ein der­art ho­hes Ein­spar­po­ten­ti­al in Hö­he von insgesamtfast700.000 €in 2017 bzw. mehr als740.000€in 2018 (…) ist bei gleich­blei­ben­der Zahl der Be­triebs­stät­ten nicht er­reich­bar. 2015 hat­te man noch pro­biert, we­ni­ger Haus­meis­ter bei glei­cher Bä­der­an­zahl ein­zu­set­zen. Die Fol­gen wa­ren Bä­der, die nur für we­ni­ge Stun­den ge­öff­net hat­ten. Na­tür­lich kann man auch jetzt noch, wenn dann ein Vor­schlag der Ver­wal­tung kommt, die­sen ab­leh­nen, weil er Schlie­ßun­gen zur Fol­ge ha­be. Wie be­reits in der Ver­gan­gen­heit pas­siert. Nur ist das ei­ne Nicht-Politik. […]

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