#WalkTogether — Erinnerung an Nelson Mandelas historischen Bonn Besuch im Juni 1990 // Zeitzeugen-Gespräch am 18. Juni mit Ingeborg Wick

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Handschlag zweier Freiheitskämpfer - Willy Brandt hat Nelson Mandela nach seiner Freilassung Anfang 1990 nach Deutschland eingeladen. (Foto: Thomas Imo. Quelle: Friedrich Ebert Stiftung)

Nel­son Man­de­la wä­re die­sen Som­mer 100 Jah­re alt ge­wor­den. Zu Eh­ren Ma­di­bas, wie er lie­be­voll in Süd­afri­ka ge­nannt wird, möch­te das 67 Blan­kets for Nel­son Man­de­la Day Ger­ma­ny  Ge­mein­schafts­pro­jekt Men­schen mit­ein­an­der ver­bin­den und in sei­nem Sin­ne die Welt ein biss­chen bes­ser und wär­mer machen. 

67 Blan­kets hat 2015 in der süd­afri­ka­ni­schen Haupt­stadt Pre­to­ria ei­nen Gui­ness Welt­re­kord auf­ge­stellt mit ei­nem 3.133 m2 gro­ßen Decken-Teppich. (Fo­to: 67 Blankets)

Wir ha­ben im Mandela-Jubiläumsjahr ei­nen 67 Blan­kets Ab­le­ger ge­star­tet in Deutsch­lands ehe­ma­li­ger Haupt­stadt und UN Stadt, um an sein Le­ben und Wir­ken und Man­de­las his­to­ri­sche Be­su­che in Bonn zu er­in­nern,“ er­läu­tert Sel­ma Fri­cke, 67 Blan­kets Ger­ma­ny Bot­schaf­te­rin. „Dies ist auch ein krea­ti­ves Sto­ry Tel­ling Pro­jekt. Die be­glei­ten­den Ak­ti­vi­tä­ten sind an­ge­lehnt an die glo­ba­le #Walk­Tog­e­ther Kam­pa­gne der El­ders. Sie sol­len in­spi­rie­ren und auf­zei­gen, was uns ver­eint und un­se­re ge­mein­sa­me Mensch­lich­keit ausmacht.“

The El­ders ist ei­ne von Nel­son Man­de­la 2007 ge­grün­de­te Grup­pe von ehe­ma­li­gen Staats­män­nern und -frau­en, Frie­dens­ak­ti­vis­ten, Men­schen­recht­lern und In­tel­lek­tu­el­len. Ihr Ziel ist, die Er­fah­rung, die Be­zie­hun­gen und den öf­fent­li­chen Ein­fluss der Mit­glie­der zur Lö­sung glo­ba­ler Pro­ble­me einzusetzen.

Das ge­mein­nüt­zi­ge 67 Blan­kets Pro­jekt wur­de in Süd­afri­ka kurz nach Man­de­las Tod im De­zem­ber 2013 ge­bo­ren. Die lang­jäh­ri­ge per­sön­li­che As­sis­ten­tin und Ver­trau­te des frü­he­ren süd­afri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Zel­da La Gran­ge hat­te ih­rer Freun­din Ca­ro­lyn Steyn die Her­aus­for­de­rung ge­stellt, 67 De­cken bis zum nächs­ten Man­de­la Day zu fer­ti­gen. Dar­aus ist die nun­mehr welt­wei­te 67 Blan­kets for Nel­son Man­de­la Day In­itia­ti­ve entstanden.

Man­de­las Le­ben und Wir­ken er­leb­bar machen

Um an Man­de­las ers­ten Bonn Be­such im Ju­ni 1990 zu er­in­nern, nur vier Mo­na­te nach sei­ner Haft­ent­las­sung, ver­an­stal­tet die In­itia­ti­ve heu­te ei­nen #Walk­Tog­e­ther Abend mit ei­nem Zeitzeugen-Gespräch mit In­ge­borg Wick. (18. Ju­ni 2018, 18-22 Uhr, Rudolf-Steiner-Haus, Thomas-Mann-Str. 36, 53111 Bonn) 

Begrüßung für Mandela am Flughhafen
In­ge­borg Wick be­grüßt Nel­son Man­de­la in Deutsch­land. (Fo­to: Tho­mas Bü­chel. Quel­le: Afas)

Wick ist die ehe­ma­li­ge Ge­schäfts­füh­re­rin der Anti-Apartheid Be­we­gung in Deutsch­land. Die Bon­ne­rin wird über ih­re Be­geg­nun­gen mit Nel­son Man­de­la, sein Le­ben und Wir­ken und das welt­wei­te En­ga­ge­ment zu sei­ner Frei­las­sung und Be­en­di­gung des Apartheid-Regimes in Süd­afri­ka berichten.

Als Frei­heits­kämp­fer, Ge­fan­ge­ner und Po­li­ti­ker – Nel­son Man­de­la blieb bis zu sei­nem Tod den Idea­len von An­ti­ras­sis­mus, Ge­rech­tig­keit und Frie­den in­halt­lich und per­sön­lich treu“, sagt Wick.

Wil­ly Brandts Wil­kom­mens­re­de für Man­de­la am 11.06.90 (Fo­to: Kor­ne­lia Da­netz­ki. Quel­le: FES)

Der frü­he­re Kanz­ler und Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger Wil­ly Brandt hat­te Man­de­la nach Deutsch­land ein­ge­la­den als da­ma­li­ger Prä­si­dent der So­zia­lis­ti­schen In­ter­na­tio­na­len. In sei­ner Re­de  am 11. Ju­ni 1990 beim Be­grü­ßungs­emp­fang mit Tau­sen­den von Gäs­ten sag­te er: „Schon der ge­fan­gen­ge­hal­te­ne Nel­son Man­de­la war uns ein Sym­bol der Un­er­schro­cken­heit, der Über­zeu­gungs­treue und da­durch vor al­lem der Hoff­nung, dass es für Süd­afri­ka ei­ne bes­se­re Zu­kunft ge­ben könn­te. Der frei­ge­las­se­ne Nel­son Man­de­la ist noch mehr: Er ist ein Sym­bol der Ver­söh­nungs­be­reit­schaft und des Frie­dens zugleich.“

#Be­The­Le­ga­cy – Fort­füh­rung des Man­de­la Erbes 

Vor der „Walk To Jus­ti­ce“ Dis­kus­si­ons­run­de mit in­ge­borg Wick (20 Uhr) gibt es ei­nen 67 Blan­kets Emp­fang mit Pro­jekt­be­tei­lig­ten und Rem­schei­der Künst­le­rin Ute Lennartz-Lembeck und krea­ti­ven Mitmach-Aktivitäten. Au­ßer­dem wer­den Schü­ler und Leh­rer von Bonns Fünf­te Ge­samt­schu­le ihr neu­es Schul­aus­tausch­pro­jekt mit der süd­afri­ka­ni­schen Ndy­e­bo Se­con­da­ry School, ei­ne Town­ship Schu­le in Port Eliza­beth, vorstellen. 

Das Ti­pi ist kol­la­bo­ra­tivss Kunst­werk, ge­fer­tigt von über 400 Men­schen aus al­ler Welt (Fo­to: San­dra Prüfer)

Die ers­ten für das lo­ka­le 67 Blan­kets Pro­jekt ge­fer­tig­ten De­cken und Schals wer­den am 1. Ju­li zu­sam­men mit ei­nem bun­ten Ti­pi, ein von Lennartz-Lembeck in­iti­ier­tes Kunst­pro­jekt, beim KLASSIK!PICKNICK auf dem Kunstrasen-Gelände prä­sen­tiert. Wäh­rend ei­ner Mandela100 Ak­ti­ons­wo­che (18.-25. Ju­li) sind wei­te­re #Walk­Tog­e­ther Ak­tio­nen ge­plant, dar­un­ter ein bun­tes Fest am 22. Ju­li im Trink­pa­vil­li­on in Bad Go­des­berg. An­fang De­zem­ber wer­den al­le ge­spen­de­ten De­cken und Schals zur Er­in­ne­rung an Nel­son Man­de­las fünf­ten To­des­tag am 5. De­zem­ber an lo­ka­le ka­ri­ta­ti­ve Ein­rich­tun­gen übergeben.

Mehr In­fo zu dem lo­ka­len 67 Blan­kets Ge­mein­schafts­pro­jekt fin­det sich (in Deutsch, Eng­lish, Ara­bisch) auf den Bon­nec­tions Blog.

Zum Tod Man­de­las hat der Ver­ein Ko­or­di­na­ti­on Süd­li­ches Afri­ka, die Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­ti­on des Ver­eins „Afrika-Süd Ak­ti­ons­bünd­nis“ (AAB) der ehe­ma­li­gen Anti-Apartheid-Bewegung, fol­gen­de Pres­se­mit­tei­lung veröffentlicht:

Der lange Weg zur Freiheit 

Bielefeld/Bonn, den 06.12.2013: Als lang­jäh­ri­ge Strei­ter ge­gen Apart­heid und Ras­sis­mus trau­ern wir um Nel­son Man­de­la, der uns An­re­gun­gen, Mut und In­spi­ra­ti­on ge­ge­ben hat. Kaum ein an­de­rer Mensch un­se­rer Zeit ver­kör­pert die Idea­le von Frei­heit, Frie­den, Ge­rech­tig­keit und Ver­söh­nung so sehr wie Nel­son Man­de­la, der am 5. De­zem­ber im Al­ter von 95 Jah­ren in Jo­han­nes­burg ge­stor­ben ist. 

Man­de­la stand für die­se Idea­le als Frei­heits­kämp­fer, Ge­fan­ge­ner, Po­li­ti­ker und als Per­son. In­te­gri­tät, Un­beug­sam­keit, Le­bens­lust und Hu­mor zeich­ne­ten sei­nen Cha­rak­ter aus. Man­de­la wur­de des­halb schon zu Leb­zei­ten zu ei­nem My­thos. Welt­weit seh­nen sich die Men­schen nach Po­li­ti­ke­rin­nen und Po­li­ti­kern, die men­schen­recht­li­chen Zie­len in­halt­lich und per­sön­lich treu blei­ben. Über­se­hen wird oft, dass die­se von po­li­ti­schen Be­we­gun­gen und per­sön­li­chen Bin­dun­gen ge­tra­gen wer­den müssen. 

Trotz jahr­zehn­te­lan­ger In­haf­tie­rung Man­de­las und an­de­rer Füh­rer des Be­frei­ungs­kamp­fes er­leb­te der Anti-Apartheid-Widerstand in Süd­afri­ka seit den 1980er Jah­ren ei­nen brei­ten Auf­schwung. Die­ser war den Zie­len der Frei­heits­char­ta aus dem Jah­re 1955, des Pro­gramms des Af­ri­can Na­tio­nal Con­gress (ANC), ver­pflich­tet. Un­ter­grund­kampf und Exil, Ent­beh­run­gen und mensch­li­che Ver­lus­te durch den Ag­gres­si­ons­krieg der Apart­heid­re­gie­run­gen ge­gen die schwar­ze Be­völ­ke­rung konn­ten den süd­afri­ka­ni­schen Wi­der­stand nicht brechen. 

Nel­son Man­de­la wur­de auf der Ge­fan­ge­nen­in­sel Rob­ben Is­land nicht nur durch sei­ne po­li­ti­schen Idea­le, son­dern auch durch en­ge Freund­schaf­ten ge­tra­gen. Seit Mit­te der 1960er Jah­re wur­de Man­de­la welt­weit zu ei­nem Sym­bol be­son­ders der kirch­li­chen und bür­ger­li­chen Anti-Apartheid-Bewegung, mit dem Mot­to „Frei­heit für Nel­son Man­de­la“. Bis weit in die 1980er Jah­re war Man­de­la für die Spit­zen von Po­li­tik und Wirt­schaft der west­li­chen Welt ein Feind­bild. Noch 1988 gei­ßel­ten der US-Präsident Ro­nald Rea­gan und die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin Mar­gret That­cher Man­de­la als „Ter­ro­ris­ten“. Hin­ter­grund hier­für war die en­ge Ver­bun­den­heit ih­rer Län­der mit dem Apart­heid­staat als Bas­ti­on der an­ti­kom­mu­nis­tisch ver­stan­de­nen „Frei­heit“ so­wie als Land der un­be­grenz­ten Ge­winn­mög­lich­kei­ten für die Wirt­schaft ih­rer Länder. 

Ne­ben den USA und Groß­bri­tan­ni­en ge­hör­te auch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu den Ver­bün­de­ten des Apart­heid­re­gimes, wo­bei be­son­ders die militärisch-nukleare Ko­ope­ra­ti­on ei­ne Rol­le spiel­te. Die Zu­sam­men­ar­beit wur­de Mit­te der 1970er Jah­re vom ANC und der Anti-ApartheidBewegung auf­ge­deckt. Die Bun­des­re­pu­blik hat­te Süd­afri­ka so­gar völ­ker­rechts­wid­rig zu ei­nem Nu­kle­ar­staat mit auf­ge­rüs­tet, so dass das Land An­fang der 1990er Jah­re über ei­ge­ne Atom­bom­ben ver­füg­te. Als ers­ter de­mo­kra­tisch ge­wähl­ter Staats­prä­si­dent Süd­afri­kas setz­te sich Nel­son Man­de­la für ei­ne Auf­ar­bei­tung der Ge­schich­te des Apart­heid­staa­tes ein. 

Die Ar­beit der „Wahrheits- und Bank­ver­bin­dun­gen: GLS Bank, BLZ: 430 609 67 Kon­to: 4025 932 400 (IBAN DE90 4306 0967 4025 9324 00, BIC GENODEM1GLS) Ver­söh­nungs­kom­mis­si­on“ un­ter Lei­tung von Erz­bi­schof Des­mond Tu­tu gilt als welt­weit vor­bild­li­cher Ver­such, die un­ter ei­nem dra­ko­ni­schen staat­li­chen Re­pres­si­ons­re­gime be­gan­ge­nen Ver­bre­chen ge­sell­schaft­lich oh­ne Rück­griff auf das Straf­recht aufzuarbeiten. 

Da sich wich­ti­ge Ak­teu­re aus der frü­he­ren Re­gie­rung und dem al­ten Mi­li­tär­ap­pa­rat dem Ver­söh­nungs­ge­dan­ken ver­wei­ger­ten, ge­lang die­ser Ver­such nur in An­sät­zen. Auch vie­le aus­län­di­sche Fir­men lehn­ten ei­ne Mit­ver­ant­wor­tung ab und wie­sen die Vor­stel­lung von Ent­schä­di­gung für frü­he­res Un­recht weit von sich. Noch heu­te war­ten die meis­ten Apart­heid­op­fer auf ei­ne aus­rei­chen­de Ent­schä­di­gung. Die de­mo­kra­ti­schen Wah­len von 1994 ha­ben Süd­afri­ka die po­li­ti­sche Frei­heit ge­bracht. Der ANC stellt seit­her die Regierungen. 

Doch die mit dem Pro­gramm der Be­frei­ungs­be­we­gung ANC ver­bun­de­nen For­de­run­gen nach Um­ver­tei­lung des ge­sell­schaft­li­chen Reich­tums, so­zia­ler Ge­rech­tig­keit und wirt­schaft­li­cher Mit­spra­che sind in wei­ten Tei­len nicht ein­ge­löst. Trotz 20- jäh­ri­ger ANC-Regierung ist Süd­afri­kas Ge­sell­schaft von Ar­beits­lo­sig­keit, Woh­nungs­not, Ar­mut, Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung, Kri­mi­na­li­tät und wach­sen­der Spal­tung in Arm und Reich ge­prägt. Die Kor­rup­ti­on in Po­li­tik und Ver­wal­tung ist ein Dau­er­pro­blem wie auch die Ge­walt in den zwi­schen­mensch­li­chen Auseinandersetzungen. 

Zur Frei­heit Süd­afri­kas ist es noch ein lan­ger Weg. Nel­son Man­de­la rief schon im Wahl­kampf 1994 sei­ne An­hän­ge­rin­nen und An­hän­ger zu kri­ti­scher Wach­sam­keit ge­gen­über Par­tei und Re­gie­rung im zu­künf­ti­gen Süd­afri­ka auf. Die vie­len zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen, die heu­te für ein ge­rech­tes Süd­afri­ka ein­tre­ten, kön­nen sich auf ihn berufen.

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Die Ko­or­di­na­ti­on Süd­li­ches Afri­ka e.V. ist Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­ti­on des Ver­eins „Afrika-Süd Ak­ti­ons­bünd­nis“ (AAB), der ehe­ma­li­gen Anti-Apartheid-Bewegung. Heu­te ar­bei­tet KO­SA als bun­des­wei­ter Zu­sam­men­schluss von ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen, die mit ih­rer Ar­beit die viel­fäl­ti­gen Be­zie­hun­gen zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der Eu­ro­päi­schen Uni­on und den Län­dern des Süd­li­chen Afri­ka kri­tisch und so­li­da­risch be­glei­ten. Da­zu ge­hö­ren: Ak­ti­on Bun­des­schluss, die in Bonn sit­zen­de In­for­ma­ti­ons­stel­le Süd­li­ches Afri­ka (IS­SA), Kirch­li­che Ar­beits­stel­le Süd­li­ches Afri­ka (KA­SA), Ko­or­di­nie­rungs­kreis Mo­sam­bik (KKM), Main­zer Ar­beits­kreis Süd­li­ches Afri­ka, Med­i­co In­ter­na­tio­nal, SO­DI In­ter­na­tio­nal Ber­lin, Welt­frie­dens­dienst, Welt­haus Bie­le­feld, Zim­bab­we Netzwerk 

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