Der große Coperlin – das neue Programm im GOP

Premiere einer Homage an die Zeit der Glamour-Revues

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Mit lau­ter Mu­sik wird schon vor Be­ginn der Show die Span­nung auf­ge­baut. Das Licht ver­löscht, der Vor­hang öff­net sich. Nach nur we­ni­gen Mo­men­ten und über die kleins­te Show­trep­pe der Welt be­tritt der Gast­ge­ber – im Schein­werf­wer­licht und flan­kiert von sei­nen at­trak­ti­ven As­sis­ten­tin­nen – die Büh­ne. Die Show kann be­gin­nen. „Der gro­ße Co­per­lin“ ent­fal­tet schon zu Be­ginn den rüh­ren­den Charme der frü­hen Tanz- und Variete-Revuen á la Li­do oder Cra­zy Hor­se, und würzt die­sen mit sei­nem reiz­vol­len Humor.

Der gro­ße Co­per­lin – Fo­to: Rei­ner Knudsen

Fast ge­nau ein Jahr nach sei­ner Er­öff­nung am 04. Sep­tem­ber 2016 legt das GOP in Bonn sei­ne neue Show auf. Di­rek­to­rin Ju­lia Fei­rer legt Wert dar­auf, dass ihr Thea­ter nicht nach der De­vi­se „hö­her, wei­ter, schnel­ler“ ver­sucht, die je­weils letz­te Show zu über­tref­fen. Viel­mehr wol­le man Viel­falt zei­gen und sei­nen Zu­schau­ern im­mer wie­der et­was An­de­res und Über­ra­schen­des bie­ten. Und das ge­lingt dem En­sem­ble an die­sem Abend über­zeu­gend. Vor Be­ginn der Re­vue hat Re­gis­seur Det­lef Win­ter­berg selbst­be­wusst er­klärt, es wür­de dem Pu­bli­kum gar nichts an­de­res üb­rig blei­ben, als zu la­chen. Zu­dem ver­spricht er „ech­tes Va­rie­te“ und „ei­ne rich­ti­ge Zau­ber­show, in der was ver­schwin­det und auch wie­der auf­taucht.“ Er wird Recht behalten.

Noch be­vor sich der knall­ro­te Vor­hang öff­net, wird dem Pu­bli­kum, das zu­sätz­lich zum Ein­tritt auch das Din­ner ge­bucht hat, das neue Me­nü aus der Kü­che vor­ge­stellt. Auch gas­tro­no­misch, so Di­rek­to­rin Fei­rer, su­che man Ab­wechs­lung. So ver­wöhnt das auf­merk­sa­me und stets freund­li­che Gastro-Team die Zu­schau­er auch wäh­rend auf der Büh­ne das Gute-Laune-Feuerwerk ste­tig ab­brennt und schafft da­mit ei­nen rund­um ge­lun­ge­nen Abend.

Das aus in­ter­na­tio­na­len Stars kom­po­nier­te En­sem­ble er­zeugt in sei­ner Show ei­ne kraft­vol­le At­mo­sphä­re aus be­wun­ders­wer­ter Akro­ba­tik, span­nen­der Jon­gla­ge, fas­zi­nie­ren­der Ma­gie, mit­rei­ßen­dem Tem­po und über­ra­schen­dem Humor.

Da­zwi­schen über­brückt der gro­ße Co­per­lin (her­vor­ra­gend dar­ge­bo­ten von Dus­tin Ni­co­lo­di) sel­ber die not­wen­di­gen Pau­sen von Auf- und Ab­bau. Wer sich da­bei vor plat­tem Witz fürch­tet, sei da­bei be­ru­higt: Der gro­ße Co­per­lin ist sich zu scha­de für fla­che Gas­sen­hau­er. Sein Witz ist stets über­ra­schend und bin­det ger­ne auch das Pu­bli­kum mit ein. Zwi­schen­zeit­lich be­tont er sel­ber al­ler­dings: „Es wird nicht besser.“

Duo Lia­ze­ed – Fo­to: Rei­ner Knudsen

Der Zu­schau­er kann über die ge­sam­te Show spü­ren, dass die Thea­ter­lei­tung ent­schie­den hat, die Künst­ler wäh­rend ih­res Auf­ent­hal­tes in Bonn ge­mein­sam in ei­nem Haus un­ter­zu­brin­gen. Das Team prä­sen­tiert auch in der Über­brü­ckung zwi­schen den ein­zel­nen Acts ein har­mo­ni­sches Zu­sam­men­spiel. Das da­bei stets prä­sen­tier­te of­fe­ne Lä­cheln ist an­ste­ckend. So wird deut­lich, dass das En­sem­ble bei al­ler An­stren­gung sehr viel Spaß an der Auf­füh­rung hat.

Apro­pos An­stren­gung: Kei­ner der Künst­ler hat sich ein ein­fa­ches Pro­gramm ge­wählt. An­ge­fan­gen von Stepp­künst­ler Mar­cel Pe­neux über das Duo Lia­ze­ed mit sei­ner Kraft­akro­ba­tik, der Neus­se­län­de­rin Em­ma Phil­ips am Luf­t­ring und dem un­wi­der­steh­li­chen Da­vid Bur­let als blitz­schnel­ler Jon­gleur und Tel­ler­dre­her ist schon die ers­te Halb­zeit der Show ein hoch­klas­si­ges Event. Der gro­ße Co­per­lin kom­men­tiert die Leis­tun­gen der Kol­le­gen mit dem Hin­weis: „Sieht ein­fach aus, ist aber nicht schwer.“

Im Tem­po fällt die zwei­te Halb­zeit da­ge­gen et­was ab. Die Dance Po­le Akro­ba­tik von Ni­co­lo­dis Schwes­ter Shei­la und die An­ti­po­den­jon­gla­ge von Em­ma Phil­ips sind da­bei si­cher­lich die High­lights. Chris Ki­lia­nos Akro­ba­tik an den Stra­pa­ten lässt al­lei­ne vom Zu­se­hen die Ar­me und Schul­tern schmerzen.

Nicht ganz in das Kon­zept passt die eher düs­te­re und mit knall­har­ten Hea­vy Me­tal Rhyth­men un­ter­leg­te Zau­ber­show von Craig Chris­ti­an und Eliza­beth Best. Hier hät­te man sich ein we­nig leich­te­re Magie-Unterhaltung gewünscht.

Em­ma Phil­ips – Fo­to: Rei­ner Knudsen

Die bie­tet zwi­schen­durch der gro­ße Co­per­lin sel­ber, der Tuch nach Tuch in sei­nen Hän­den ver­schwin­den lässt. Erst als er in Un­ter­ho­se auf der Büh­ne steht, fragt sich der Zu­schau­er wirk­lich, wo er die­se al­le lässt. Als der Gast­ge­ber auch das letz­te Ge­heim­nis lüf­ten will, fällt lei­der das Licht aus. So ein Pech!

Am En­de des Abends steht sehr ver­dien­ter gro­ßer Ap­plaus nicht nur für das her­vor­ra­gen­de Künstler-Ensemble, son­dern auch für Re­gie und Cho­reo­gra­phie, aber auch für Tech­nik und vor al­lem die be­mer­kens­wer­te Licht­show, die der ge­sam­ten Re­vue ih­ren kraft­vol­len Charme gibt.

Wäh­rend sich die Künst­ler tan­zend ver­ab­schie­den, schau­en wir zu­rück auf zwei Stun­den, in de­nen wir in die al­te Welt der gro­ßen Shows ent­führt wur­den. Mit dem gro­ßen Co­per­lin hat ein En­ter­tai­ner die Fä­den si­cher in der Hand, der die Acts mit viel Hu­mor aber auch sän­ge­ri­schem und ma­gi­schem Ta­lent verbindet.

Das En­sem­ble – Fo­to: Rei­ner Knudsen

Die von der GOP Show­kon­zept in Han­no­ver ent­wi­ckel­te Show ist be­reits durch al­le GOP-Theater in Deutsch­land ge­wan­dert und fin­det in Bonn nun ih­ren Ab­schluss. Bis zum 05. No­vem­ber ist „Die gro­ße Co­per­lin Show“ in Bonn zu se­hen. Re­gis­seur Win­ter­berg hat Recht, wenn er sagt, dass je­der in der Show et­was für sich findet.

Des­we­gen sei die Re­vue im GOP auch deut­lich emp­foh­len. Es ist ei­ne gro­ße Be­rei­che­rung für die Bon­ner Kul­tur­land­schaft, dass das GOP sich die­sem spe­zi­el­len Me­tier wid­met. Ei­ne sol­ches Event hebt sich deut­lich ab von vie­lem, was an­sons­ten in Bonn (und ver­mut­lich auch Köln) ge­bo­ten wird. Oder, um ein letz­tes Mal den gro­ßen Co­per­lin zu zi­tie­ren: eWow!

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