Frauenfilm am Weltfrauentag – "Im August in Osage County" läuft im Stern und im Kinopolis

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Am heu­ti­gen Welt­frau­en­tag lohnt es sich auf ei­nen tem­po­rei­chen, ein­fühl­sa­men und schwarz­hu­mo­ri­gen Frau­en­film hin­zu­wei­sen: In sei­ner Ki­no­ad­ap­t­ati­on des pu­lit­zer­preis­ge­krön­ten und mit dem To­ny Award aus­ge­zeich­ne­ten Thea­ter­stücks Au­gust: Osa­ge Co­un­ty (2007) von Tra­cy Letts zeigt John Wells das Zer­bre­chen ei­ner, ger­ne als dys­funk­tio­nal be­schrie­be­nen Fa­mi­lie als er­grei­fen­des Schau­spiel­er­ki­no. Das Fa­mi­li­en­dra­ma Im Au­gust in Osa­ge Co­un­ty (USA, 2013) war­tet da­bei mit ei­nem bis in die Ne­ben­rol­len pro­mi­nent be­setz­ten und gut auf­ge­leg­ten Cast auf.

Die­se Be­spre­chung er­schien zum Film­start am 6. März erst­mals auf Kul­tu­ra Ex­tra.

Julianne Nicholson, Meryl Streep und Margo Martindale in "Im August in Osage County" © Tobis FilmDer in die Jah­re ge­kom­me­ne, al­ko­hol­ab­hän­gi­ge Schrift­stel­ler Be­ver­ly West­on (Sam She­pard) en­ga­giert re­si­gniert und mü­de ei­ne neue Haus­häl­te­rin, John­na (Mis­ty Upham). Sei­ne Frau Vio­let (Me­ryl Streep) nimmt der­weil ei­nen Dauer-Cocktail aus über­mä­ßi­gen Psy­cho­phar­ma­ka, weil sie an ei­nem Mund­höh­len­kar­zi­nom er­krankt ist. Sie ge­bär­det sich mal wie ein be­dröhn­ter Jun­kie und mal wie ein übel­lau­ni­ger Haus­dra­che. Als Be­ver­ly ei­nes Ta­ges spur­los ver­schwin­det, ver­sam­meln sich ei­ni­ge Fa­mi­li­en­mit­glie­der im schwül­hei­ßen Osa­ge Co­un­ty, um Vio­let zu un­ter­stüt­zen. Von den Töch­tern reist ne­ben Ivy (Ju­li­an­ne Ni­chol­son), die im­mer in der Nä­he der El­tern ge­blie­ben ist, auch Bar­ba­ra (Ju­lia Ro­berts) an, die lan­ge Zeit nicht mehr hier war. Auch Vio­lets ri­go­ro­se Schwes­ter Mat­tie Fae (Mar­go Mar­tinda­le) kommt zu­sam­men mit ih­rem Mann (Chris Coo­per). Die Be­su­cher brin­gen ei­ge­ne ver­track­te Fa­mi­li­en­ge­schich­ten mit. Mat­tie Fae und Charles strei­ten sich in ei­nem fort meis­tens über ih­ren Sohn Litt­le Charles (Be­ne­dict Cum­ber­batch), von dem Mat­tie Fae we­nig hält, wäh­rend Charles loy­al zu ihm steht. Bar­ba­ra hin­ge­gen lei­det dar­un­ter, dass ihr Ehe­mann Bill (Ewan Mc­Gre­gor) ein Ver­hält­nis mit ei­ner sei­ner Stu­den­tin­nen hat und zickt sich mit ih­rer pu­ber­tie­ren­den Toch­ter Jean (Abi­ga­il Bres­lin) an­dau­ernd an. Auch das Ver­hält­nis von Bar­ba­ra und Vio­let ist schon lan­ge an­ge­spannt und schon bald lie­gen bei­de im Clinch. We­ni­ge Ta­ge nach Be­ver­lys Ver­schwin­den wird sei­ne Lei­che aus ei­nem See ge­zo­gen – ein Sui­zid wird vermutet.

Ein Lei­chen­schmaJulia Roberts und Mery Streep (unten) in "Im August in Osage County" © Tobis Filmus es­ka­liert und en­det im Fiasko

Zur Bei­set­zung reist auch die drit­te Weston-Tochter an, die ex­zen­tri­sche Ka­ren (Ju­li­et­te Le­wis) mit ih­rem Ver­lob­ten Ste­ve (Der­mot Mul­ro­ney), ei­nem zwie­lich­ti­gen Ge­schäfts­mann, der so­gleich ein Au­ge auf die jun­ge Jean wirft. Der et­was nai­ve, aber gut­her­zi­ge Litt­le Charles kommt zu spät und ist be­trübt, weil er die Be­er­di­gung ver­passt hat. Bis­sig und ver­bit­tert trau­ert Vio­let auf ih­re ei­ge­ne, un­ver­söhn­li­che Wei­se. Sie schluckt mehr Schmerz­mit­tel als ihr gut tun, flucht, raucht und lässt an nichts und nie­man­den ein gu­tes Haar. We­der die drei Töch­ter sind in ih­rem Haus in Okla­ho­ma vor ih­ren Be­schimp­fun­gen si­cher, noch die an­ge­hei­ra­te­te Ver­wandt­schaft. Mit ih­ren ent­hemm­ten Ti­ra­den reizt Vio­let al­le bis aufs Äu­ßers­te. Für die Töch­ter ist klar, dass et­was ge­sche­hen muss. Als ers­tes kon­fis­zie­ren sie sämt­li­che Ta­blet­ten. Doch Vio­let ist längst nicht so hilf­los, wie al­le glau­ben. Bes­ser als al­le an­de­ren er­kennt sie, was sich hin­ter den Ku­lis­sen ab­spielt. Und sie weiß auch von den in­tims­ten Familiengeheimnissen…

Of­fen­ba­run­gen und Ent­hül­lun­gen – ei­ne Fa­mi­lie zerbricht

Tra­cy Letts ad­ap­tier­te selbst sein bis heu­te er­folg­rei­ches Thea­ter­stück für die Lein­wand. Re­gis­seur John Wells be­wies bis in die Ne­ben­rol­len Ge­spür für ei­nen ge­lun­ge­nen Cast. So re­prä­sen­tiert et­wa die Schwarz­fu­ß­in­dia­ne­rin Mis­ty Upham (auch be­kannt aus Fro­zen Ri­ver, 2008, Re­gie: Court­ney Hunt) be­son­nen ein har­mo­ni­sches Ge­bor­gen­sein in der aus­ge­dehn­ten Land­schaft von Osa­ge Co­un­ty, das ur­sprüng­lich In­dia­ner­land war. Das dy­na­mi­sche Spiel des En­sem­bles ent­schä­digt auch für all­zu ge­wollt er­schei­nen­de, stets neue un­be­que­me Ent­hül­lun­gen. Ins­be­son­de­re Me­ryl Streep zeich­net ih­re Fi­gur ge­konnt sub­til – mal über­ra­schend sanft und zart im Zwie­ge­spräch mit ei­ner ih­rer Töch­ter, im nächs­ten Mo­ment ei­ne rück­sichts­lo­se Di­va, die ei­ne Tour de For­ce der Schlag­ab­täu­sche for­ciert. Es ist ein be­we­gen­der Ki­no­mo­ment, wenn sie als schil­lern­de, un­be­re­chen­ba­re und gars­ti­ge Ma­tri­ar­chin beim Trauer­es­sen je­den der An­we­sen­den der Rei­he nach mit sar­kas­ti­schem Biss at­ta­ckiert, bis sich die dü­pier­te Bar­ba­ra schließ­lich en­er­gisch und hem­mungs­los flu­chend auf sie stürzt. Die an­de­ren müs­sen letz­te­re brem­sen, be­vor Schlim­me­res passiert.

Eben­so un­barm­her­zig wie un­ter­halt­sam wid­met sich Im Au­gust in Osa­ge Co­un­ty ei­ner har­ten Wirk­lich­keit ver­wandt­schaft­li­cher Be­zie­hun­gen mit manch­mal tris­ten und ver­let­zen­den Wahr­hei­ten fa­mi­liä­rer Ver­stri­ckun­gen. Zu Recht wur­den so­wohl Me­ryl Streep als auch Ju­lia Ro­berts für ih­re Dar­stel­lun­gen für den Aca­de­my Award no­mi­niert und gin­gen so in die­sem Jahr er­neut ins Oscar-Rennen. Die Ver­fil­mung der uni­ver­sel­len Ge­schich­te, wie Fa­mi­li­en mit­ein­an­der um­ge­hen, be­sticht auch durch stim­mungs­vol­le Ka­me­ra­bil­der von der ab­ge­le­ge­nen Um­ge­bung Osa­ge Co­un­tys, wel­che die schrof­fe Schön­heit der Ge­gend und den Blick in die Fer­ne des wei­ten Ho­ri­zonts stim­mungs­voll einfangen.

Al­le Fo­tos: To­bis Film

Im Au­gust in Osa­ge Co­un­ty läuft täg­lich im Stern und mehr­mals täg­lich im Bad Go­des­ber­ger Ki­no­po­lis.

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