Wer sich mit der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on von Wirt­schaft und Ge­sell­schaft be­schäf­tigt, soll­te nicht nur Internet-Werkzeuge im Blick ha­ben, son­dern muss die Ver­än­de­run­gen be­trach­ten, die sich aus der Lo­gik des Net­zes ab­lei­ten: „Wirt­schaft, die im In­ter­net statt­fin­det, kann kaum mehr sinn­voll ab­ge­grenzt wer­den von sol­cher, die nicht im In­ter­net statt­fin­det“, so die Ein­schät­zung des Internet-Experten Chris­toph Kap­pes. Di­gi­ta­li­sie­rung der Land­wirt­schaft, Ro­bo­ter­ein­satz in der Al­ten­pfle­ge oder Online-Marktplätze für Hand­wer­ker sind nur ei­ni­ge Phä­no­me­ne, die auch tra­di­tio­nel­le Bran­chen auf den Kopf stellen.

Wenn heu­te je­der mit je­dem on­line kom­mu­ni­ziert, Ge­schäf­te zu­neh­mend nicht mehr im sauer­län­di­schen Kon­fe­renz­raum, son­dern welt­weit im Brow­ser ge­tä­tigt wer­den, Ar­beits­plät­ze nach di­gi­ta­ler Se­xy­ness aus­ge­wählt wer­den, das Netz­wis­sen un­se­ren All­tag und un­se­re Kul­tur prägt, stellt sich die Fra­ge, wie die deut­schen Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men in Zu­kunft be­stehen sol­len“, fragt sich der Köl­ner Mit­tel­stands­ex­per­te Mar­co Petracca.

Be­son­ders in die­sen Un­ter­neh­men wird nach An­sicht von Pro­fes­sor Pe­ter von Mitschke-Collande un­ter­schätzt, dass die Di­gi­ta­li­sie­rung nur zu 20 Pro­zent ei­ne Fra­ge der Tech­no­lo­gie ist. 80 Pro­zent der Auf­ga­ben lie­gen im Ma­nage­ment und im Ver­hal­ten der ver­netz­ten Privat- und Ge­schäfts­kun­den. Es reicht da­bei nicht aus, ein we­nig mehr IT und So­cial Web ein­zu­set­zen, um die ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­on zu­kunfts­fä­hig zu machen.

Ma­schi­nen­bau­er, Lo­gis­ti­ker, Robotik-Spezialisten und Zu­lie­fe­rer soll­ten sich des­halb exis­ten­ti­ell wich­ti­ge Fra­ge stel­len, die Pro­fes­sor To­bi­as Koll­mann beim Netzökonomie-Campus in die Dis­kus­si­on warf und beim NEO-Talk in Bonn am 9. No­vem­ber zu­sam­men mit Kers­tin Lomb, Ma­na­ging Part­ner WP Board Ser­vices, Vic­to­ria Ap­pel­be, Wirt­schafts­för­de­rin der Bun­des­stadt Bonn und Phil­ipp Be­cker, Ge­schäfts­füh­rer OS­CAR Young Ma­nage­ment Con­sul­tants, be­ant­wor­ten wird: „Wel­ches Start­up mit ei­ner tol­len in­no­va­ti­ven Idee aus dem Si­li­con Val­ley wür­de mit viel Geld Ih­re Bran­che ka­putt machen?“

Ein Pro­blem der man­gel­haf­ten di­gi­ta­len Kom­pe­tenz der Wirt­schaft sieht Koll­mann in For­schung und Leh­re: „Wir bil­den für die di­gi­ta­le Wirt­schaft nicht aus. Das fin­det in den Lehr­plä­nen ein­fach nicht statt.“ Hier ver­or­tet der Be­auf­trag­te für die Di­gi­ta­le Wirt­schaft ein gro­ßes Han­di­cap, weil da­durch nicht nur die Fach­kräf­te für die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on in Mit­tel­stand und Kon­zer­nen feh­len, son­dern auch zu we­nig Grün­der aus den Hoch­schul­sys­te­men her­aus­kom­men. Hier müss­te drin­gend ei­ne Ba­sis für die nächs­te Grün­der­ge­nera­ti­on ge­bil­det wer­den. „Wir müs­sen die­se The­men in die Bachelor-Studiengänge rein­be­kom­men”, so das Plä­doy­er von Koll­mann. Die­se Struk­tu­ren für die Aus- und Wei­ter­bil­dung feh­len auch in Be­rufs­schu­len und IHK-Lehrgängen.

Mehr denn je braucht Deutsch­land für den dis­rup­ti­ven Wan­del von Öko­no­mie und Ge­sell­schaft den Dia­log zwi­schen Mit­tel­stand und Netz­sze­ne. Da­von sind wir al­ler­dings weit ent­fernt. Fir­men­in­ha­ber, Tech­ni­ker und In­ge­nieu­re ha­ben ei­ne eher ver­schlos­se­ne Men­ta­li­tät und seh­nen sich nach Sta­bi­li­tät, die man in der Pro­vinz vor­fin­det. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on en­det häu­fig am Orts­aus­gangs­schild. Spä­tes­tens wenn die Be­trie­be auf Wett­be­werbs­pro­ble­me sto­ßen, die die di­gi­ta­le Sphä­re aus­löst, könn­te sich die­se Hal­tung rächen.

Wenn et­wa Kun­den der Hid­den Cham­pions An­la­gen di­rekt über chi­ne­si­sche Ab­satz­märk­te oder in­di­rekt über ei­ne Platt­form wie Ali­b­a­ba or­dern und das deut­sche Un­ter­neh­men mit dem drei­fa­chen Preis auf der Stre­cke bleibt, wenn sie sich nicht zu­vor auf die­se neu­en Her­aus­for­de­run­gen vor­be­rei­tet haben.

Das muss sich än­dern. Des­halb braucht die eta­blier­te Wirt­schaft mehr Nerd-Geist. Auf der Next Eco­no­my Open in Bonn wol­len wir die­sen Geist ver­mit­teln. Klas­sik trifft Grün­der, Nerds, Ha­cker, Ent­wick­ler und Blog­ger. Am 9. und 10. No­vem­ber im Rhei­ni­schen Lan­des­mu­se­um am Bon­ner Hauptbahnhof.

Al­le In­for­ma­tio­nen, das Pro­gramm und Ti­ckets gibt es auf der Web­site der #NEO15.

Text: Gun­nar Sohn
Bild: Shut­ter­stock

Of­fen­le­gung: Der Be­trei­ber von Bundesstadt.com, die Bonn.digital GbR, ist Part­ner der NEO15.

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