Die Schlagzahl ist unverändert hoch. Seit der Eröffnung des GOPs in Bonn wechseln die Shows alle zwei Monate. Nur Impulse lief vier statt zwei. Insgesamt kommt das Bonner Haus des GOP damit seit seiner Eröffnung im September 2016 auf 16 Shows. Allein das ist beeindruckend. Ja mehr noch, die kreativen Macher schaffen es auch immer wieder, neue und erfrischende Aspekte ins Programm einzubauen. Keine Show war dabei, die ich nicht hätte weiterempfehlen können.

Natürlich gibt es Unterschiede in der Konzeptionstiefe. Der berühmte rote Faden ist mal mehr und mal weniger vorhanden. Auch der Aufwand, der beim Bühnenbild getrieben wird, ist höchst unterschiedlich. Was aber nicht heißt, dass kein Bühnenbild unbedingt schlecht ist – im Gegenteil, bei der in der letzten Woche neu gestarteten Show „Slow“ fehlt dieses gänzlich, dafür wird umso eindrucksvoller bei den artistischen Parts mit Licht und Farbe gespielt. Für mich definitiv ein kleines Highlight am Rande der neuen Show Slow.

Ansonsten wenig überraschend, dass Slow so slow gar nicht ist. Von den 11 Akteuren tanzen, springen und fliegen zehn über die Bühne und nur einer, der Moderator Claude Criblez, ist slow – nein falsch, ganz falsch. Er ist nicht slow, er ist nicht langsam, er ist Schweizer. Er ist in seinem Rhythmus unterwegs. Zudem muss er ein bisschen Rücksicht nehmen, auf seine beiden Tiere, einen Fisch und eine Katze. Der Fisch fängt schnell an zu schwitzen, das darf er nicht, das ist nicht gut. Die Katze ist auch recht empfindlich, Hektik bekommt ihr nicht, sie fliegt sonst schnell auseinander. Die angenehme schweizerische Ausgeglichenheit überträgt sich schnell auf das Bonner Publikum. Der schöne Schweizer Dialekt tut sein Übriges. Fast kommt sowas wie Urlaubsfeeling auf.

Der Kontrast zu den übrigen Akteuren könnte größer nicht sein. In atemberaubender Geschwindigkeit wirbeln die Akteure über die Bühne. Der mit 34 Jahren sehr jungendlich wirkende Jonas Witt legt eine Performance mit dem Cyr hin, die ich so noch nicht gesehen habe. Das Tempo verschlägt einem schier den Atem und man fragt sich, wie man dabei noch dazu in Jeanshose so locker aussehen kann. Nur wer ganz genau hinschaut, sieht nach der Nummer wie heftig sein Brustkorb sich hebt und senkt.

Wer nur einmal versucht hat, drei oder vier Bälle halbwegs in der Luft zu halten, kommt bei der Australierin Hazel Bock aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie jongliert mit Ringen, Bällen und sogar Koffern, als sei es das Normalste der Welt. Ebenso ergeht es einem bei dem Taiwanesen Chu Chuan Ho, der den „Diabolo“ durch die Luft wirbelt, als hätte er sich mit diesem auf einen Pakt eingelassen. Yulia Girda und Michael Togni verzaubern zum Schluss das Publikum noch mal mit ausdrucksstarker Paarakrobatik. Hier geht es in Teilen tatsächlich noch mal ganz langsam zu. Ihre Körper verschmelzen zu einem und werden sekundenlang zur Skulptur.

Man mag kritisieren, dass die einzelnen Parts mehr eine Aneinanderreihung von Einzelakten sind, denn ein homogenes Ganzes. Da waren Shows wie „Talents“ oder „Appartement“ eindeutig stärker. Alles in allem ist Slow aber wieder eine sehr gelungene Show, die ich gerne weiterempfehle.

Die Vorstellungen finden von Mittwoch bis Sonntag statt. „Slow“ läuft noch bis zum 08. September 2019. Eintrittskarten sind bereits ab 34,- € erhältlich.

Offenlegung:
Zu der Presse-Premiere inklusive Menü wurde ich mit Begleitung eingeladen. Man hat mir aber keine Vorschriften gemacht, ob und wie ich zu berichten habe.

(Fotos: Joas Kotzsch)

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