Parkverbote und Kirchgänger

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Ich oute mich mal an die­ser Stel­le als Freund von Le­ser­brie­fen. Auf der ei­nen Sei­te schrei­be ich ger­ne sel­ber mal wel­che – wo­bei ich zu­künf­tig für mei­ne „5 Cent“ wohl eher die­sen Blog be­nut­zen wer­de –, aber noch viel lie­ber le­se ich die Mei­nun­gen an­de­rer. Wann im­mer es in un­se­rer Bun­des­stadt ei­nen Auf­re­ger gibt, war­te ich ge­spannt auf die Brie­fe an den Ge­ne­ral­an­zei­ger.

Auf die Samm­lung, die nun in der heu­ti­gen Aus­ga­ben zu fin­den sind, hat­te ich mich be­reits ge­freut, ahn­te ich doch, dass es noch an­de­re Men­schen in Bonn gibt, die ei­ne Mei­nung zum Park­ver­hal­ten der Münster-Gänger an Weih­nach­ten und Neu­jahr ha­ben. Jetzt sind sie zu le­sen. Die meis­ten ab­ge­druck­ten Zu­schrif­ten las­sen ah­nen, dass die Au­toren we­nig Ver­ständ­nis für die Nut­zung des recht abs­trak­ten Ent­schei­dungs­spiel­rau­mes der Buß­geld­stel­le ha­ben. Grund­sätz­lich will das erst ein­mal nichts hei­ßen, weil der GA hier und da ei­ne recht ei­gen­wil­li­ge Aus­wahl von Le­ser­brie­fen trifft.

Ich sel­ber ha­be mir bei Er­schei­nen des o.g. Ar­ti­kels be­reits ver­wun­dert die Au­gen ge­rie­ben. Da ste­hen ei­ne gan­ze Rei­he von Fahr­zeu­gen in­ner­halb der Fuß­gän­ger­zo­ne im Park­ver­bot und die Buß­geld­stel­le ent­schei­det, le­dig­lich Ver­war­nun­gen aus­zu­spre­chen. Dem Ar­ti­kel ist wei­ter zu ent­neh­men, dass die Park­ver­bo­te und die (an­geb­lich) un­be­frie­di­gen­de Park­platz­si­tua­ti­on rund um das Bon­ner Müns­ter schon seit län­ge­rem ein Är­ger­nis dar­stel­len. Da muss man dann zwar nicht, aber kann den Be­zug her­stel­len, dass die Falsch­par­ker sich des Park­ver­bo­tes be­wusst wa­ren, mit­hin dort fahr­läs­sig ih­re Fahr­zeu­ge abstellten.

Das kann man grund­sätz­lich nicht kri­ti­sie­ren. Es sei je­dem ge­stat­tet, auf die­se Art und Wei­se ge­gen Re­ge­lun­gen zu ver­sto­ßen, so­lan­ge da­bei kei­ne an­de­re Per­son er­heb­lich ge­fähr­det wird. Al­ler­dings den­ke ich, dass je­der dann auch be­reit sein soll­te, die Kon­se­quen­zen sei­nes vor­sätz­lich re­gel­wid­ri­gen Ver­hal­tens zu tra­gen. Dass das aber schein­bar zu­viel er­war­tet ist, le­sen wir dann wei­ter: Gro­ßen Är­ger ha­ben die (fol­gen­lo­sen) Er­mah­nun­gen bei den Got­tes­dienst­lern ausgelöst.

„Oh­ne Rück­sicht auf die Men­schen und ih­re Ge­füh­le und be­rech­nend“ hät­ten die Ord­nungs­amts­mit­ar­bei­ter der Stadt Bonn „aus­ge­rech­net in der ei­nen Stun­de, die die Mes­se dau­er­te“ die Straf­zet­tel ver­teilt, klag­te ein GA-Leser, der an Neu­jahr die Mes­se im Müns­ter be­sucht und auch ei­nen Straf­zet­tel er­hal­ten hatte.

Ich weiß nicht so recht, ob ich mich des Kopf­schüt­telns oder ei­nes Lach­an­falls be­die­nen soll, wenn ich ei­ne sol­che Aus­sa­ge le­se. Nicht nur wird hier die ei­ge­ne Ver­ant­wor­tung, die durch den ei­ge­nen Vor­satz ent­stan­den ist, mal eben auf ei­nen an­de­ren über­tra­gen. Viel­mehr ver­sucht der Mensch gleich­zei­tig, die ver­ant­wort­li­che Auf­sichts­be­hör­de in Miss­kre­dit zu brin­gen. (Was, ne­ben­bei be­merkt, nicht ge­lingt. Schließ­lich ist es völ­lig egal, ob die­se „ge­zielt“ oder „un­ge­zielt“ oder auch nur „halb ge­zielt“ ih­re Auf­ga­ben ausfüllt).

Die­ses The­ma er­in­nert mich dar­an, dass es bei je­der Ge­schwin­dig­keits­kon­trol­le die Fra­ge nach „be­rech­tigt“ oder „un­be­rech­tigt“ gibt. Da wird dann statt über den fahr­läs­si­gen oder auch vor­sätz­li­chen Ver­stoß zu dis­ku­tie­ren, lie­ber et­was Abs­trak­tes wie „Un­fall­schwer­punkt oder nicht“ her­an­ge­zo­gen. Ei­ne ver­gleich­ba­re Re­ak­ti­on zei­gen auch Fahr­rad­fah­rer, die in der Fuß­gän­ger­zo­ne an­ge­hal­ten und auf ihr Fehl­ver­hal­ten hin­ge­wie­sen wer­den („Ich ha­be doch nie­man­den ge­fähr­det.“). Das Ge­schrei da­nach scheint des­to lau­ter und ab­stru­ser zu sein, je kla­rer dem Ein­zel­nen der ei­ge­ne Feh­ler be­wusst ist.

Wie er­freu­lich wä­re es doch, wenn wir uns ein­fach ein­mal wie­der dar­über im Kla­ren wä­ren, dass wir al­lei­ne die Ver­ant­wor­tung für un­ser Han­deln tra­gen und da­mit je­der Ein­zel­ne auch be­ru­fen ist, sich mit den Kon­se­quen­zen die­ses Han­delns zu be­schäf­ti­gen und die­se zu tra­gen. Wie hilf­reich wä­re es, statt nur auf das ei­ge­ne Wohl, im­mer auch mal auf das des an­de­ren zu schau­en und sei­ne Ent­schei­dun­gen auch da­nach aus­zu­rich­ten. Als Ge­sell­schaft könn­ten wir da­von nur pro­fi­tie­ren und es wür­den viel mehr Men­schen Ver­ständ­nis da­für zei­gen, wenn die Buß­geld­stel­le tat­säch­lich ein Au­ge zudrückt.

3 Kommentare

  1. In der Tat. Ich fin­de es (als Ein­ge­bo­re­ne) ab­so­lut un­vor­stell­bar, dort zu par­ken, schon aus äs­the­ti­schen Grün­den, ich par­ke ja auch nicht mit­ten auf dem Markt­platz oder auf der Hof­gar­ten­wie­se und sa­ge dann: „Aber ich war doch nur im Kino/im Museum/ in der Uni, da kann doch kei­ner was ge­gen ha­ben.“ Es gibt Tief­ga­ra­gen, Bus und Stra­ßen­bahn hal­ten 200 Me­ter entfernt.

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