Ramis Flucht aus Syrien nach Bonn – Der Bundesstadt-Podcast Folge 2

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Fotos: Steve Paine

In den so­zia­len Me­di­en sieht man je­den Tag schö­ne Ge­schich­ten, wie Men­schen aus ver­schie­de­nen Län­dern in Bonn ein­an­der hel­fen, zu­sam­men­ar­bei­ten, lei­der auch nicht so schö­ne Ge­schich­ten und ich bin im­mer froh, wenn sich je­mand da­ge­gen stellt und Frem­den­feind­lich­keit nicht un­wi­der­spro­chen lässt. Die ei­nen le­ben schon län­ger in Bonn, die an­de­ren sind aus ih­rer Hei­mat ge­flo­hen, weil es dort kei­ne Zu­kunft für sie gab. Bonn ist stolz dar­auf, ei­ne in­ter­na­tio­na­le Stadt zu sein. Jetzt wird sie je­den Tag ein biss­chen in­ter­na­tio­na­ler. Ich se­he dar­in ei­ne gro­ße Chan­ce für Bonn. Aber was be­deu­tet Flucht? Bis­her hat­te ich kei­nen Kon­takt zu den Men­schen, die ge­flo­hen sind, noch zu ih­ren Er­leb­nis­sen. Ich er­fah­re viel dar­über im Ge­spräch mit Ra­mi, der aus Sy­ri­en nach Deutsch­land ge­flo­hen ist und nun in Bonn lebt.

Über die so­zia­len Me­di­en ha­be ich das meis­te zu die­sem The­ma er­fah­ren: ich las von den Ak­ti­vi­tä­ten in der Er­me­keil­ka­ser­ne, wie Hel­fer vor Ort via Twit­ter be­kannt ga­ben, was drin­gend be­nö­tigt wird, was nicht, und an­de­re gleich zum Bau­markt fah­ren: drei Tweets und fer­tig war der Sand­kas­ten für die Kin­der. Auch bei der So­cial­bar wur­den Pro­jek­te vor­ge­stellt, zum Bei­spiel die Facebook-Gruppe „Flücht­lin­ge Will­kom­men in Bonn“, die eben­falls Flücht­lings­hil­fe di­gi­tal ver­netzt lo­kal or­ga­ni­siert. Aber es gibt auch zahl­rei­che Grup­pen, die nicht on­line, son­dern lo­kal vor Ort han­deln. Und es gibt vie­le Eh­ren­amt­li­che, wie San­dra Prü­fer, die ein­fach hel­fen und tun, was sie können.

Sie hat Ra­mi aus Sy­ri­en ken­nen ge­lernt, der in ei­ner Bon­ner Flücht­lings­un­ter­kunft un­ter­ge­bracht ist. Ra­mi hat­te ir­gend­wann den lei­sen Wunsch ge­äu­ßert, ei­nen Buch­club zu star­ten. San­dra kämpft je­den Tag da­mit In­for­ma­tio­nen zu den Flücht­lin­gen zu brin­gen. Ge­mein­sam wol­len sie den Buch­club or­ga­ni­sie­ren, aber auch den bes­se­ren In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen Be­hör­den, In­sti­tu­tio­nen, Hel­fern und Flücht­lin­gen: meist be­kommt sie Fly­er auf Deutsch, die sie dann über­all ver­tei­len soll. Als Kommunikations-Expertin weiß sie, wie es bes­ser ge­hen wür­de und das will sie auch bald als Social-Entrepreneurin umsetzen.

Durch sie ha­be ich Ra­mi ken­nen ge­lernt. Wir ha­ben in der Stadt­bi­blio­thek ei­nen Kaf­fee ge­mein­sam ge­trun­ken und das Buch­pro­jekt be­spro­chen. Ein paar Ta­ge spä­ter ha­ben wir uns noch mal im Bon­ner Coworking-Space ge­trof­fen. Wie kön­nen Flücht­lin­ge Ar­beit fin­den, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen dür­fen Sie über­haupt ar­bei­ten? Was kann man tun, um den In­for­ma­ti­ons­fluss zu ver­bes­sern? San­dra und Ra­mi ha­ben vie­le Ideen, ei­ni­ge wer­den hof­fent­lich bald Wirk­lich­keit. San­dra sam­melt be­reits In­for­ma­tio­nen beim Ar­beits­amt, aber vie­le In­fos gibt es nur auf Deutsch, nicht mal auf Englisch.

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Fo­tos: Ste­ve Paine

Ra­mi war der ers­te Flücht­ling, den ich per­sön­lich ken­nen ge­lernt ha­be. Ich war neu­gie­rig, was er er­lebt hat. Ich woll­te sei­ne Er­leb­nis­se tei­len, al­so bat ich ihn um ein In­ter­view für den Pod­cast. Wir spra­chen mehr als ei­ne Stun­de lang, von sei­nem Le­ben in Sy­ri­en vor dem Krieg, wie sich nach Mo­na­ten des Kriegs wie­der der Wunsch nach All­tag her­aus­bricht, wie sei­ne er­folg­rei­chen Be­wer­bun­gen an Uni­ver­si­tä­ten in Tsche­chi­en und in der Tür­kei dann doch ab­ge­lehnt wur­den und wie er dann be­schloss sich auf den Weg zu ma­chen: Deutsch­land war sein Ziel.

Sein Weg war lang, auch die Er­zäh­lung die­ses Wegs ist da­her kei­ne an­ge­neh­me Kurz­ge­schich­te. Er ist nach zwei Wo­chen mit vie­len Un­ge­wiss­hei­ten in Bonn an­ge­kom­men. Im­mer wie­der gibt es stil­le Mo­men­ten in un­se­rem Ge­spräch, das wir auf Eng­lisch ge­führt ha­ben. Jetzt lebt er hier, zu­sam­men mit vie­len an­de­ren Ge­flüch­te­ten, in Bonn. Er mag die Stadt, die Men­schen sei­en freund­lich. Er geht zu Deutsch­kur­sen und hilft beim Über­set­zen. Doch wie geht es für ihn wei­ter? Mit bis zu 8 Men­schen ei­nen Raum tei­len, dass sei auf Dau­er für kei­nen gesund.

San­dra sagt: Ir­gend­wann wird Ra­mi kein Flücht­ling mehr sein. Das stimmt: Ir­gend­wann ist Ra­mi un­ser Nach­bar, ein Mit­ar­bei­ter, ein Freund, mit dem wir abends in den Buch­club ge­hen und wir le­sen und er­zäh­len Ge­schich­ten vom Le­ben. Im Pod­cast er­zählt Ra­mi sei­ne Ge­schich­te und sie ist hörenswert.

2 Kommentare

  1. Der Launch des in­ter­kul­tu­rel­len „con­nec­tions“ Buch­clubs (mit und für Neu- und Alt­bon­ne­rIn­nen) wird nächs­te Wo­che be­kannt­ge­ben. Das ers­te meet-up fin­det am 6. April um 18 Uhr im Li­te­ra­ri­schen Sa­lon der neu­en Zen­tral­bi­blio­thek Bonn statt. Als ers­tes Buch wur­de „In­nen­an­sich­ten aus Sy­ri­en“ aus­ge­wählt, ein Rea­der mit Tex­ten, Bil­dern und Fo­tos von zeit­ge­nös­si­schen sy­ri­schen Au­torIn­nen und Künst­le­rIn­nen, der 2014 von La­ris­sa Ben­der her­aus­ge­ge­ben wur­de . Wir freu­en uns, dass La­ris­sa beim Kick-Off Tref­fen da­bei sein wird. Zu­sam­men mit re­fu­gees & vol­un­te­ers wird sie Tex­te von drei Au­torIn­nen vor­le­sen (ab­wech­selnd in DE/AR), über die wir uns da­nach nä­her un­ter­hal­ten möch­ten. http://www.larissa-bender.de

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