Ein Boxabend mit Hindernissen

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Foto: Sebastian Derix
Fo­to: Se­bas­ti­an Derix

Es soll­te ein ganz gro­ßer Abend wer­den für Schwer­ge­wichts­bo­xer Ma­nu­el Charr. Der Köl­ner mit li­ba­ne­si­schen Wur­zeln trat am Wo­chen­en­de im Bon­ner Te­le­kom Do­me an, um sei­nem Ziel, dem nächs­ten Welt­meis­ter­schafts­kampf, ein gro­ßes Stück nä­her zu kom­men. Or­ga­ni­sie­ren muss­te er den gan­zen Kampf­abend selbst. Dar­an schei­ter­te am En­de wohl auch des­sen Qua­li­tät. Ma­nu­el Charr schaff­te zwar den Sieg ge­gen Ke­vin John­son, der ge­gen Welt­meis­ter Klitsch­ko einst über die vol­le Run­den­an­zahl ging, der ver­spro­che­ne K.O. wur­de es aber nicht.

Zu­dem war das Rah­men­pro­gramm kon­kur­renz­los schlecht. Ein Vor­kampf fand nicht statt, drei an­de­re en­de­ten spä­tes­tens nach ei­ner Run­de. Das Pu­bli­kum, im­mer­hin rund 4000 Zu­schau­er, wur­de un­ru­hig. Dar­an än­der­te auch die mu­si­ka­li­sche Un­ter­ma­lung nichts. Im Ge­gen­teil, die Dar­bie­tun­gen mach­ten die Si­tua­ti­on nur noch schlim­mer. Die an­ge­kün­dig­ten Per­ci­val Du­ke und Ba­har (ehe­mals Mon­ro­se) wa­ren gar nicht erst er­schie­nen, 80er-Ikonie Fan­cy da­ge­gen schon. Er wähn­te sich im ME­GA­DO­ME in Köln­Bonn und mach­te auch sonst ei­nen eher ver­wirr­ten Ein­druck. Die Pfif­fe aus dem Pu­bli­kum kom­men­tier­te er mit ei­nem: „Ihr da oben seid scheiße.“

Der Haupt­kampf, an­ge­kün­digt für ca. 23.45 Uhr, ließ dann auch deut­lich län­ger auf sich war­ten. Charrs Box­pro­mo­ter Prince Kay One brauch­te nach der Live-Sendung von „Deutsch­land sucht den Su­per­star“, bei der er in der Ju­ry sitzt, wohl et­was län­ger, um den Weg nach Bonn zu fin­den. Zu die­ser Zeit wa­ren die ehe­ma­li­gen „Container-Kollegen“ des Bo­xers schon lan­ge in der Hal­le. Auch Box-Urgestein Eb­by Thust gab sich die Eh­re, eben­so wie Prinz Mar­cus von An­halt, Stamm­gast bei der­lei Ver­an­stal­tun­gen. Da­ne­ben sorg­te die Ver­an­stal­tung für ver­stärk­te Po­li­zei­prä­senz. Ein Teil der Zu­schau­er wur­de als Ri­si­ko­grup­pe ein­ge­stuft. Da­zu bei­getra­gen hat­ten wohl auch Pro­vo­ka­tio­nen Charrs dem Ber­li­ner Rap­per Bu­shi­do ge­gen­über. Am En­de blieb es weit­ge­hend ruhig.

Fa­zit des Abends: Knapp 90 Jah­re nach Box-Legende Max Schme­ling ging Bonn mit dem Kampf­abend ei­nen Schritt ins Pro­fi­bo­xen zu­rück. Der Te­le­kom Do­me zeig­te sich als ge­eig­ne­ter Ver­an­stal­tungs­ort. Pro­ble­ma­ti­scher war die Um­set­zung der Ver­an­stal­tung. Bo­xer Charr schien am En­de mit Kampf und Or­ga­ni­sa­ti­on doch über­for­dert. Das tat dem Abend nicht gut. Ei­ne er­neu­te Chan­ce – mit pro­fes­sio­nel­ler Or­ga­ni­sa­ti­on – soll­te man Bonn und auch dem Do­me aber geben.

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