Foto: Sebastian Derix
Fo­to: Se­bas­ti­an Derix

von In­sa Großkraumbach
Sven Re­ge­ner reißt die Ar­me hoch und ruft „Ro­man­tik!“ – und das klingt selt­sa­mer­wei­se gleich­zei­tig selbst­iro­nisch wie ernst­haft von Her­zen be­glückt. Nicht nur der Ti­tel ei­ner LP von Ele­ment of Crime, Ro­man­tik ist die Lo­sung des Kon­zert­abends, sie liegt in der Luft, wenn in den gran­dio­sen Tex­ten der Band aus klei­nen Be­ob­ach­tun­gen, schein­ba­ren Ba­na­li­tä­ten gan­ze Wel­ten und Ge­schich­ten im Kopf der Zu­hö­rer entstehen.

Ih­re wun­der­ba­re Poe­sie ent­fal­tet die Band live an die­sem Abend in ganz ent­zü­cken­der Wei­se. Die Stim­mung ist ent­spannt, die rund 2.000 Be­su­cher auf dem Kunst!Rasen sind bes­tens ge­launt und er­freu­en sich an dem, was die Band auf der Büh­ne mit sicht­ba­rem Ver­gnü­gen so treibt.

Dass es nicht son­der­lich voll ist, ist schön für die Zu­schau­er, die sich so­gar tan­zend ent­fal­ten kön­nen. Aus­ge­spro­chen be­dau­er­lich ist es aber, dass nicht mehr Men­schen in den Ge­nuss die­ses Kon­zerts ge­kom­men sind, das uns ver­zückt lä­chelnd und glück­lich in den Abend entlässt.

Foto: Sebastian Derix
Fo­to: Se­bas­ti­an Derix

Das Kon­zert be­ginnt pünkt­lich, Sven Re­ge­ner selbst kün­digt die Vor­band „Per An­ders“ an, die drei durch­aus schö­ne Stü­cke zum Bes­ten ge­ben darf, be­vor ge­gen 20 Uhr Ele­ment of Crime die Büh­ne be­tre­ten. Sven Re­ge­ner gibt nach dem 1. Stück die Pa­ro­le aus: „Wir spie­len noch ein Lied, und dann noch eins und noch eins und im­mer so wei­ter…“ Ei­ne ge­lun­ge­ne Über­lei­tung zum Ti­tel des 2. Stücks, die Band hält sich aber auch an die Vor­ga­be und bleibt bis 22 Uhr – nach ei­ni­gen Zu­ga­ben – auf der Büh­ne. Erst in der Zu­ga­be kommt das un­ver­zicht­ba­re „Del­men­horst“, das al­le be­geis­tert mitsingen.

Vie­le Zei­len der Lie­der, über­wie­gend aus dem jüngs­ten Al­bum „Lieb­lings­far­ben und Tie­re“ (VÖ 2014), hal­len nach und re­gen zu län­ge­rem Nach­den­ken an, man­che sind zu­gleich wun­der­schön und tief­trau­rig, et­wa: „Oh­ne dich will ich nicht, mit dir kann ich nicht sein.“ Die Band zeigt sich viel­sei­tig, es kommt auch ein Schif­fer­kla­vier und ei­ne Ca­jon zum Ein­satz. Sven Re­ge­ner tauscht im­mer wie­der Mi­kro­fon ge­gen Trom­pe­te ein. Trom­pe­ter sind gu­te Küs­ser, wur­de mir gesagt.

Foto: Sebastian Derix
Fo­to: Se­bas­ti­an Derix

Der letz­te Song, „Über Nacht“ wird si­tua­ti­ons­be­zo­gen va­ri­iert  in „Über Nacht ka­men die Vö­gel“, als plötz­lich ei­ne Vo­gel­schar über dem schon im Däm­mer­licht lie­gen­den Kon­zert­ge­län­de auftaucht.

Me­lan­cho­lisch ge­stimmt wer­den wir in die Nacht ent­las­sen: „Und kaum dass ich dich ein­mal wie­der­seh, ist der Som­mer schon wie­der vor­bei.“ Zwar hat der Som­mer ge­ra­de erst an­ge­fan­gen, mit dem Kon­zert von Ele­ment of Crime lie­ße sich aber selbst sein En­de et­was leich­ter ertragen.

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