Dem Worte gewidmete Kunstschöpfungen

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Kunst, Aus­stel­lung: Ei­ne gan­ze Band­brei­te an künst­le­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem ge­schrie­be­nen Wort, der Hap­tik des Bu­ches oder dem ein­sam auf­neh­men­den Pro­zess des Le­sens zei­gen die 28 Künst­ler der neu­ge­grün­de­ten Grup­pe AMorph in den groß­zü­gi­gen Räum­lich­kei­ten der Fa­brik 45 in Bonn.

Die­ser Aus­stel­lungs­be­richt er­schien erst­mals am 1.2.2015 auf Kul­tu­ra Ex­tra.

Im Ein­gangs­be­reich der Bon­ner Lo­ca­ti­on Fa­brik 45 über­rascht die Be­su­cher be­reits ei­ne Viel­zahl auf­ge­häng­ter ak­tu­el­ler Car­toons als kri­ti­sche Kom­men­ta­re zum is­la­mis­tisch mo­ti­vier­ten Ter­ror­an­schlag auf die Re­dak­ti­on der Sa­ti­re­zeit­schrift „Char­lie Heb­do“ in Frank­reich. Das wö­chent­lich er­schei­nen­de, be­deu­tends­te Sa­ti­re­ma­ga­zin Frank­reichs ver­öf­fent­lich­te mehr­fach Mo­ham­med­ka­ri­ka­tu­ren und setzt sich sa­ti­risch mit Is­la­mis­mus aus­ein­an­der. Am 7. Ja­nu­ar 2015 stürm­ten be­waff­ne­te Is­la­mis­ten die Re­dak­ti­ons­räu­me von Char­lie Heb­do und tö­te­ten zwölf Men­schen, dar­un­ter vier Zeich­ner des Magazins.

Blickpunkte1
Be­grü­ßung auf der Vernissage

Ei­ne viel­sei­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit dem, was Wor­te, Zei­chen und Bü­cher beim Men­schen aus­zu­lö­sen ver­mö­gen, ver­spricht auch die Aus­stel­lung BUCHBAR:

Es ist an der Zeit, dem Buch zu­rück­zu­zah­len, was es uns ge­ge­ben, an­ge­tan, vor­ent­hal­ten und weis­ge­macht hat.“

Das Buch in sei­nem me­dia­len Kon­text in der heu­ti­gen di­gi­ta­li­sier­ten Welt zei­ge die Aus­stel­lung, spie­le da­bei aber auch mit Ma­te­ri­al, Gen­res, Zei­chen und Spra­che. Der Por­trait­künst­ler und Co­mic­zeich­ner Jé­rô­me Pa­dil­la setzt sich bei sei­nen ein­füh­ren­den Wor­ten bei der Ver­nis­sa­ge am 29. Ja­nu­ar ei­nen kunst­voll ge­fer­tig­ten Hut auf, dem sei­ten­wei­se wild ge­form­te Flü­gel entwachsen.

Nina Herold
Ni­na He­rold und „Nach­richt reloaded“

Ky­ril­li­sche Buch­sta­ben pur­zeln zu­sam­men mit Rauch­schwa­den und –Rauch­rin­gen aus dem ge­öff­ne­ten Mund ei­nes Por­trai­tier­ten und ge­ben ei­nen Hin­weis auf ei­nen Na­men in dem zen­tral über dem Ein­gang des In­nen­raums der Fa­brik 45 por­trai­tier­ten Bild von Ni­na He­rold. Aus­ge­hend von ei­ner Selbst­fo­to­gra­fie (heu­te Sel­fie ge­nannt) ih­res Groß­va­ters mal­te die Künst­le­rin mit Acryl­far­ben das Por­trait Nach­richt 1930. Vor dem Hin­ter­grund fa­mi­liä­rer Er­zäh­lun­gen und My­then in­spi­rier­te der Mal­pro­zess au­ßer­dem zu dem 1,80m X 1,60m gro­ßen Ge­mäl­de Nach­richt re­l­oa­ded. In sei­ner Bild­spra­che er­in­nert die­ses Groß­por­trait an sur­rea­lis­ti­sche Bil­der von Re­né Magrit­te. Oh­ne sei­ne Ge­heim­nis­se preis zu ge­ben zieht das Bild des jun­gen Man­nes mit Kra­wat­te und den weit auf­ge­ris­se­nen Au­gen den Be­trach­ter in sei­nen Bann.

Ein wei­te­res groß­for­ma­ti­ges Por­trät­bild der Aus­stel­lung zeigt ei­ne ver­schmitzt lä­chelnd ge­dan­ken­ver­lo­ren ins Lee­re bli­cken­de, jun­ge Frau; vor ihr liegt ein auf­ge­schla­ge­nes Buch. Be­ein­dru­ckend an dem Öl­bild der Künst­le­rin Ute Fa­ber ist, dass die Por­trai­tier­te im un­te­ren Be­reich des Bil­des recht klein ist, die Um­ge­bung um sie her­um ist um­so grö­ßer, aber un­deut­lich und dun­kel. Bild­lich wird so dar­ge­stellt, wie die rea­le Welt um ei­nen her­um sehr viel an Kon­tu­ren ver­liert, wenn ei­nem beim Le­sen ei­ne ge­dank­li­che Welt vor Au­gen ge­führt wird.

Mandana Mesgarzadeh
Man­da­na Mes­garz­adeh und „Ober John…“

Clau­dia Söch­t­ing be­schäf­tig­te sich auf an­de­re Wei­se mit dem Me­di­um Buch. Sie fer­tig­te zwei groß­for­ma­ti­ge Col­la­gen aus Pa­pier und Pap­pe, in de­nen sie Buch­il­lus­tra­tio­nen aus­schnei­det und ne­ben­ein­an­der legt. So er­hal­ten Bild­be­trach­ter ei­nen un­ge­wöhn­li­chen Ge­samt­ein­druck der Il­lus­tra­tio­nen ei­nes Fach­bu­ches über Go­tik und ei­nes Rei­se­füh­rers über das Ho­he Tatra-Gebirge. Die ge­bür­ti­ge Ira­ne­rin Man­da­na Mes­garz­adeh stellt in ei­nem Gang, ge­nannt Tun­nel, di­rekt ne­ben der Ga­le­rie hand­be­ar­bei­te­te Buch­sei­ten aus. Ihr Kunst­werk heißt Ober John. Der Irr­tum –Al­ter und ist ein frei­flot­tie­ren­der Ro­man mit gram­ma­ti­ka­li­schen Män­geln. Mit Tin­te, Ed­ding, Filz­stift, Acryl und Gold­lack schwärz­te die Köl­ner Künst­le­rin ein­zel­ne Wor­te, Sät­ze oder Sei­ten in ei­nem Sach­buch, des­sen In­halt sie auf die­sem We­ge zu mehr Es­senz ver­hel­fen wollte.

Funs Kurstjens
Funs Kurst­jen­sund sei­ne Installationen

Bü­cher als Ma­te­ri­al für un­ge­wöhn­li­che In­stal­la­tio­nen wähl­te hin­ge­gen Funs Kurst­jens, in­dem er et­wa aus den­sel­ben kreis­rund auf­ge­fä­cher­te, far­bi­ge Lam­pi­ons formt. Der Bon­ner Künst­ler grün­de­te zu­sam­men mit Jé­rô­me Pa­dil­la und Ali Mon­za­vi die Grup­pe AMorph 2014 als of­fe­ne Platt­form für Künst­ler al­ler Rich­tun­gen und Me­di­en mit den un­ter­schied­lichs­ten Po­si­tio­nen. Auch Ali Mon­za­vi hat ei­nen ganz ei­ge­nen Zu­gang zu dem The­ma, das die Grup­pe den Künst­lern für ih­re ers­te ge­mein­sa­me Aus­stel­lung BUCH­BAR vor­gab. Sei­ne In­stal­la­ti­on Ich bin… zeigt an ei­ner Me­tall­ket­te auf­ge­häng­te als Hun­de­fut­ter die­nen­de Gän­se­bei­ne, die in Bü­cher ein­ge­bun­den sind und je­weils ei­nen nach un­ten hän­gen­den Plas­tik­hüh­ner­kopf tra­gen. Die­se Ele­men­te ha­ben un­ter­schied­li­che Auf­schrif­ten wie „Ich bin die Mensch­lich­keit“, „Ich bin in Aus­sch­witz“ oder „Ich bin Du“. Mit sei­nem be­fremd­li­chen Kunst­werk macht Mon­za­vi auf die ge­gen­stands­los ge­wor­de­nen Selbst­zu­schrei­bun­gen in der Kul­tur un­se­res heu­ti­gen Zeit­geis­tes auf­merk­sam, die auch durch die welt­wei­ten „Je Su­is Charlie“-Solidaritätsbekundungen mit der Sa­ti­re­zeit­schrift Char­lie Heb­do nach dem At­ten­tat ge­för­dert werden.

Christoph Ehrlich
Chris­toph Ehrlich

Die Er­öff­nung der Aus­stel­lung war gut be­sucht und be­glück­te auch durch in­ter­es­san­te Pro­gramm­punk­te wie dem Spiel der Gei­ge­rin Ana­hi­ta Aran­dan und dem Vor­trag drei­er, viel­stim­mi­ger und bild­ge­wal­ti­ger ei­ge­ner Tex­te des 19jährigen Poetry-Slammers Chris­toph Ehr­lich, der sich auch an ei­ner Gi­tar­re be­glei­te­te. Ei­ne se­hens­wer­te Aus­stel­lung, die noch bis zur Fi­nis­sa­ge am 7. Fe­bru­ar vie­le Be­su­cher in die Fa­brik 45 lo­cken dürfte.

Die Aus­stel­lung „BUCH­BAR“ fin­det vom 29.01.2015 bis 07.02.2015 in der Fa­brik 45, Hoch­sta­den­ring 45 in 53119 Bonn statt.

Mit Wer­ken von Mi­ra Zim­mer­mann, Gerd Maul­be­cker, Clau­dia Söch­t­ing, Gosia Rich­ter, To­bi­as Stutz, Mar­lies Her­mann, Puran Fa­la­tu­ri, Na­tha­lie Martius-Weber (Enn), An­na Chul­ko­va, Iza­bel­la Chul­ko­va, Ali Mon­za­vi, Funs Kurst­jens, Künst­ler­grup­pe Amorph, Bet­ti­na Guck­ler, Meh­di Aran­dan, Ai­da Aran­dan Yam­chi, Ni­na He­rold, Ute Fa­ber, Jen­ny Maus, Ah­mad Aran­dan, Syl­via Lie­bertz, The­re­sia Tarc­son, Chia­ra Theo­dos­siou, Ni­co­las So­lo­das, Da­ni­el Alex­an­der, JAFM, Man­da­na Mes­garz­adeh, Je­rô­me Padilla

Fi­nis­sa­ge
7. Fe­bru­ar 2015, 19:00 Uhr

Öff­nungs­zei­ten nach Ver­ein­ba­rung. An­fra­gen bei info[at]fabrik45.de

Wei­te­re In­fos sie­he auch auf der Home­page der Künst­ler­grup­pe.

Sämt­li­che Fo­tos (C) Ans­gar Skoda

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