Rock-Nerd der Extraklasse: Steven WIlson auf dem Bonner KunstRasen (Fotos: Sebastian Derix)

Man muss ihn wohl nicht lie­ben. Ein flei­ßi­ger, selbst­ver­lieb­ter Rock-Nerd. Mit den Jah­ren doch dort an­ge­kom­men, wo er hin will. Spu­ren hin­ter­las­send: In der Film­mu­sik, in der elek­tro­ni­schen Mu­sik, und jetzt als das of­fi­zi­el­le, zeit­ge­mä­ße(?) Aus­hän­ge­schild des Progressive-Rock. Er sel­ber fin­det das zwar schön, wür­de dem aber nie­mals of­fi­zi­ell zu­stim­men, denn er mag kei­ne Schub­la­den, je­den­falls nicht für sich.

Ste­ven John Wil­son, 51 Jah­re alt, aus Lon­don hat ge­ra­de in Bonn kon­zer­tiert. Mit Band zwar aber haupt­säch­lich: Selbst. Erst­mal voll im Re­gen. Kann er ja nichts dafür.
Der Mann ist wohl kein Frau­en­typ: ha­ger, ei­gent­lich un­schein­bar. Un­de­fi­niert ge­klei­det. Um sich selbst ir­gend­wie zu er­den je­den­falls bar­fuß, in dem Regen.

Im Pu­bli­kum auch eher Män­ner als Frau­en: die Bon­ner Gi­tar­ren­frak­ti­on ist zum ge­mein­sa­men Headbanging-Event angetreten.

Erst­mal das Drum­her­um: Die in­zwi­schen all­ge­gen­wär­ti­gen Vi­deo­lein­wän­de. Hier ent­schul­digt sich Wil­son und stellt klar, dass er nor­ma­ler­wei­se bei sei­nen Kon­zer­ten ei­nen zig mal grö­ße­ren Vi­deo­screen hin­ter sich auf der Büh­ne hat. Na toll. Schön an­zu­hö­ren für uns Bon­ner je­den­falls: Der ge­pfleg­te Lon­do­ner Ton­fall. An­ders als Ame­ri­ka, an­ders als Li­ver­pool: Lon­don eben, ge­sto­chen scharf, wie aus dem House of Par­la­ment. Auch tro­cken im Witz, wenn er bar­fuß im strö­men­den Re­gen ver­kün­det: „At least it is a sun­ny day“. Oh, dear.

Auf den Vi­deo­lein­wän­den je­den­falls im­mer wie­der et­was sur­rea­le, traum­ar­ti­ge, teils auch schö­ne Be­gleit­bil­der, die vom mu­si­ka­li­schen Ge­sche­hen auf der Büh­ne ab­len­ken. Hüb­sche Frau­en je­den­falls auf den Lein­wän­den, wäh­rend Wil­son sich ab­müht, sei­ne neu­en Songs beim Pu­bli­kum zu plat­zie­ren. So wird die Band zeit­wei­se zur Be­gleit­mu­sik zum Film. Scha­de auch, dass wir die Mu­si­ker gar nicht ken­nen­ler­nen, Wil­son stellt sie wäh­rend des ge­sam­ten Kon­zer­tes nicht vor. Das ist nicht ver­ges­sen, son­dern ge­wollt so.

Viel wird ge­schrie­ben über den aus­ge­feil­ten Sound, den der Meis­ter bis in die kleins­te Klei­nig­keit fest­legt. Wil­son ist ja live wie im Stu­dio meist sein ei­ge­ner Ton­in­ge­nieur. Nur bei sei­nem Pro­jekt „Black­field“ hat er Alt­meis­ter Alan Par­sons für Auf­näh­me und Mi­schung hinzugezogen.

Bei die­ser Art von Mu­sik braucht es das Pu­bli­kum ei­gent­lich „auf die Fres­se“, d.h. in an­ge­mes­sen ho­her Laut­stär­ke, fühl­bar um die Oh­ren und um den Bauch. Das war heu­te lei­der nicht ge­ge­ben. Wahr­schein­lich er­zwin­gen Kla­gen der Nach­bar­schaft die ge­rin­ge Laut­stär­ke und „Fühl­bar­keit“. Zu­erst glaub­te ich, mich ver­hört zu ha­ben: ei­ni­ge Klän­ge kom­men tat­säch­lich von hin­ten, d.h. von der Büh­ne ge­gen­über­ste­hen­den Mi­xer­platt­form. Ins­be­son­de­re ei­ni­ge at­mo­sphä­ri­sche Key­board­flä­chen schlei­chen sich im­mer wie­der von hin­ten ans Pu­bli­kum heran.

Sehr auf­wän­dig: Die gro­ße Ver­stär­ker­an­la­ge ist ex­tra mit min­des­tens vier un­ab­hän­gig an­steu­er­ba­ren End­stu­fen für so ei­nen kom­plet­ten Surround- mix an­ge­legt. Ha­be ich so noch nicht bei ei­nem gro­ßen Li­ve­kon­zert ge­hört. In­ter­es­sant. Hat aber auch das Po­ten­ti­al, vom Ge­sche­hen auf der Büh­ne ab­zu­len­ken. Ins­be­son­de­re in der ers­ten Halb­zeit kommt auf der Büh­ne (al­les tol­le Mu­si­ker) und im Pu­bli­kum bei teils un­in­spi­rier­ten instrumental- Di­no­sau­ri­er­opern noch nicht so recht Freu­de auf.

Wil­son gibt es zu: Bei dem Song: „Peop­le who eat darkness“ ist es nicht er, Wil­son, der ag­gres­siv ist, son­dern nur sei­ne Gi­tar­re (ei­ne Fen­der Te­le­cas­ter). Das reicht nicht an Emo­ti­on, um die Mas­sen anzustecken.

Un­ge­wohnt aber ir­gend­wie gut ge­macht: Die Lein­wand mit Da­me singt im Du­ett mit Wil­son. (Fo­to: Se­bas­ti­an Derix)

Zwi­schen­durch dann zum Luft schnap­pen und er­ho­len al­le mal auf den Bo­den le­gen. Sieht in­ter­es­sant, aber auch ir­gend­wie ge­wollt aus. Für Sound­tüft­ler in­ter­es­sant sind die in­ten­si­ven Gi­tar­ren­ar­bei­ten, die der Meis­ter am liebs­ten im Sit­zen vor sei­nen am Bo­den aus­ge­brei­te­ten Ef­fekt­pe­da­len ver­rich­tet. Wie in ei­ner ori­en­ta­li­schen Stras­sen­kü­che. Hier wer­den die Geis­ter ge­ru­fen, und teils kom­men sie dann auch als Klän­ge aus den Ef­fekt­pe­da­len heraus.

Wil­son pos­tet in den letz­ten Wo­chen die The­men für sein ak­tu­el­les Al­bum: „from the pa­ra­no­id cha­os of the cur­rent era in which truth can ap­par­ent­ly be a fle­xi­ble no­ti­on, ob­ser­va­tions of the ever­y­day lives of re­fu­gees, ter­ro­rists and re­li­gious fun­da­men­ta­lists“. Star­ker To­bak. Was der Mann sich mit sei­ner Gi­tar­re so al­les zutraut…

Dann doch end­lich so et­was wie ein Hit: „Per­mana­ting“, sei­ne ak­tu­el­le Sin­gle. Al­le lie­ben die­sen Song. Al­le, glau­be ich, au­ßer Ste­ven Wil­son. Es ist ein im Re­frain sehr ein­fa­cher, für ihn un­ty­pi­scher Song. Könn­te auch vom Electric Light Or­ches­tra und Jeff Lyn­ne (1979) sein.

Wil­son for­dert das Pu­bli­kum mit ein­ge­schränk­ter Über­zeu­gungs­kraft auf, vom Head­ban­gig zum „Dis­ko dance“ zu wech­seln. Wil­son freut sich über die vie­len Wil­son T-Shirts im Pu­bli­kum. Re­spekt oder gar Lie­be ge­gen­über den Zu­schau­ern bringt er nicht auf. Noch schlim­mer als das Bon­ner Pu­bli­kum, so sagt er sinn­ge­mäß, sei ei­gent­lich nur noch das Pu­bli­kum in Es­sen. Scha­de. Ei­gent­lich bleibt „Per­mana­ting“ der ein­zi­ge „Hap­py Song“ des Konzertes.

Toll klingt live auch der Song: „Song of I“ (feat. So­phie Hun­ger). Ok, die Drum­box am An­fang ist elek­tro­nisch, die muss vom Band kom­men. Aber dass gro­ße Tei­le der Ge­sangs­ar­ran­ge­ments aus dem Se­quen­cer kom­men, ist scha­de. Dass meh­re­re Ste­ven Wil­sons und So­phie Hun­gers von der Lein­wand aus mit­sin­gen ist schon et­was be­fremd­lich: Ent­we­der ein Mu­si­ker ist da, oder er ist nicht da – dann soll­te er auch nicht mitsingen…Noch er­staun­li­cher sind die kräf­ti­gen Rhyth­mus­gi­tar­ren vom Band, die kei­ner live spielt. Das soll­te bei zwei le­ben­di­gen Gi­tar­ris­ten auf der Büh­ne nicht nö­tig sein.

Schö­ne Songs, trotz­dem, und kla­rer druck­vol­ler mo­der­ne­rer Sound in der zwei­ten Hälf­te. Jetzt ist er aus end­lich aus dem Di­no­sau­ri­er­rock her­aus­ge­wach­sen und im neu­en Jahr­tau­send angekommen.

Und dann: „La­za­rus“: Ei­ne zeit­los schö­ne Bal­la­de. Da­nach „the sa­me asyl­um as be­fo­re“, „ver­mil­lioncore“, und „sleep tog­e­ther“. Fett. Schlüs­sig. Über­zeu­gend. Jetzt stö­ren auch die Ver­rück­ten mit den Mas­ken auf dem Vi­deo nicht mehr so sehr.

Pu­bli­kum und sehr sou­ve­rä­ner Schlag­zeu­ger wer­den ge­gen En­de noch­mal rhyth­misch ge­for­dert: Bei „the sound of mu­zak“ (Por­cu­p­i­ne Tree) fol­gen ab­wech­selnd im­mer 4/4 und 6/8 Tak­te auf­ein­an­der. Wenn man schnell bis 14 zählt, lan­det man im­mer beim An­fang des Tak­tes. Ist das Prog-Rock?

Die ein­bre­chen­de Dun­kel­heit hilft ge­gen En­de, dass es doch noch ein groß­ar­ti­ges Rock­kon­zert wird.

Die Ly­rics: Wahr­schein­lich kein gro­ßer, Zei­ten über­dau­ern­der und nie da­ge­we­se­ner Aus­druck (Zi­tat: „don’t be afraid to die. don’t be afraid to be ali­ve“.) Vie­len Dank.
Noch ein Zi­tat aus ei­nem Song: „The­se mo­ments, that last fo­re­ver in you:“ Vielleicht.
Ich hö­re mir gleich mor­gen noch­mal al­te und neue Al­ben an…

Gast­au­tor Jo­han­nes Kuch­ta ist ein Bon­ner Song­wri­ter und Mu­sik­pro­du­zent. Ne­ben sei­nem Haupt­be­ruf als Neu­ro­chir­urg be­treibt er das Ton­stu­dio und La­bel “Pho­no­s­phe­re“.

Ein ak­tu­el­les In­ter­view mit ihm gibt es hier: www.rheinexklusiv.de/parallele-welten-johannes-kuchta/

Up­date: 18.07.2018, klei­ne­re Korrekturen

22 Kommentare

  1. Die Set­list ist nicht rich­tig so… Man soll­te je­man­den re­por­ten las­sen, der we­nigs­tens die Songs kennt

    • Über kon­struk­ti­ve Kom­men­ta­re freu­en wir uns im­mer, des­halb neh­men wir je­den Hin­weis auf sach­li­che Feh­ler ger­ne ent­ge­gen. Wo ge­nau ist denn ein Feh­ler in der be­schrie­ben Setlist?

  2. Vol­le Zu­stim­mung bzgl. des obi­gen Kom­men­tars. Hr. Wil­son hat we­der „Blind House“ noch „To The Bo­ne“ gespielt.

    In­ter­es­sant auch, dass der Au­tor schreibt:“die Bon­ner Gi­tar­ren­frak­ti­on ist zum ge­mein­sa­men Headbanging-Event an­ge­tre­ten.“ Denn ich ha­be un­ter den 1800 Be­su­chern kei­ne „Gi­tar­ren­frak­ti­on“ ge­se­hen, die ge­mein­sam stän­dig gehead­bangt hät­ten. Bei zwei oder drei Songs si­cher­lich, aber das war es dann auch.

  3. Rich­tig Ger­hard, sel­ten so ei­nen be­lang­lo­sen Kon­zert­bei­trag gelesen….
    Der Ver­fas­ser hät­te sich et­was mehr Hin­ter­grund­wis­sen an­eig­nen sol­len und müssen!
    Für die wid­ri­gen Ver­hält­nis­se hat SW das Pu­bli­kum sehr gut unterhalten…..es war zu mei­nen an­de­ren SW Kon­zer­ten in die­sem Jahr sehr kom­pri­miert, ge­schul­det der knap­pen Spiel­zeit, 22:00…wenn ich das vor­her ge­wusst hätte!!
    Da kann ich ger­ne auf die Vor­stel­lung der Band ver­zich­ten (was er sonst im­mer macht) und hö­re lie­ber ei­nen Song mehr! Nächs­tes Mal ein­fach je­man­den hin­schi­cken, der et­was mehr In­ter­es­se an der Sa­che hat!

  4. Bei al­ler viel­leicht be­rech­tig­ten Kri­tik am In­halt, wir ma­chen das hier al­le un­ent­gelt­lich in un­se­rer Frei­zeit. Der Au­tor hat le­dig­lich den kos­ten­frei­en Ein­tritt zum Kon­zert be­kom­men und be­rich­tet von sei­nen Ein­drü­cken. Wir sind kein Wilson-Fachmagazin, wir sind nicht ein­mal ein Musik- oder Kon­zert­ma­ga­zin, son­dern ein Lo­kal­blog, das eh­ren­amt­lich über das be­rich­tet, was in Bonn passiert.

    Pau­schal­be­schimp­fun­gen fin­de ich nicht för­der­lich. Wenn ihr wirk­lich an ei­ner in­halt­li­chen Qua­li­täts­ver­bes­se­rung in­ter­es­siert seid, freu­en wir uns über je­den Hin­weis. Sach­li­che Feh­ler bes­sern wir ger­ne aus.

  5. Schlech­tes­te Re­view ever und vol­ler al­ter­na­ti­ver Fak­ten… da hat je­mand ganz schön schlecht hingehört.

  6. Wie ge­wünscht, hier die Fehler:
    1. Der Song „To the bo­ne“ wur­de nicht gespielt.
    2. Der Song „Song of un­born“ ist nicht von Por­cu­p­i­ne Tree, son­dern von Wil­sons Solo-Album „To the bone“.
    3. Die­ser Song wur­de als letz­te Zu­ga­be ge­spielt, nicht vor „The sound of muzak“.
    3. „cu­re­rent area“ muss „cur­rent era“ heißen.
    4. So­phie Hun­ger wird ein­mal mit „f“ buchstabiert.
    5. „dont“ braucht ei­nen Apo­stroph > don’t.
    6. „ali­fe“ ist falsch buch­sta­biert > alive.
    7. Di­ver­se an­de­re sprach­li­che Feh­ler, die aber nicht re­le­vant sind.

  7. So, ich ha­be jetzt, am Tag nach dem Kon­zert die zwei ver­wech­sel­ten Song­ti­tel korrigiert.
    Vie­len Dank, Oli­ver Tra­vel für den Hinweis.
    An­sons­ten schei­nen ei­ni­ge Kom­men­ta­to­ren ja in den Grund­fes­ten erschüttert.
    Mei­ne Ab­sicht war kei­ne Blas­phe­mie, kein Heruntermachen.
    Hat­te ich in der Nacht nicht ge­schrie­ben, dass es „doch noch ein gross­ar­ti­ges Rock­kon­zert“ war?
    Freue mich auf kon­struk­ti­ve Dis­kus­si­on, ger­ne auch mit an­de­ren Sicht­wei­sen des Konzert.
    Herz­li­che Grüsse,
    Johannes 

    PS: Für al­le ganz Ge­nau­en hier die chro­no­lo­gi­sche Song­lis­te des Abends:

    In­tro („Truth“ short film)
    Nowhe­re Now
    Pariah
    Home Invasion
    Re­g­ret #9
    The Creator Has a Mas­ter­tape (Por­cu­p­i­ne Tree song)
    Refuge
    Peop­le Who Eat Darkness
    Ancestral
    Don’t Ha­te Me (Por­cu­p­i­ne Tree song)
    Permeating
    Song of I
    La­za­rus (Por­cu­p­i­ne Tree song)
    The Sa­me Asyl­um as Before
    Vermillion-core
    Sleep Tog­e­ther (Por­cu­p­i­ne Tree song)
    Blackfield
    The Sound of Mu­zak (Por­cu­p­i­ne Tree song)
    Song of Unborn

    • Ger­ne. Und „Per­me­a­ting“ in der Set­list heißt na­tür­lich „Per­mana­ting“. Das war viel­leicht auch die Recht­schreib­kor­rek­tur, steht schließ­lich kor­rekt so in der Review ;-)

  8. Hier ei­ne schö­ne Zu­sam­men­fas­sung ge­schrie­ben von BERN­HARD DREG­GER, zi­tiert aus der Face­book Grup­pe prog-rock dt als Ant­wort auf mei­ne gest­ri­ge Kon­zert­kri­tik (ich ler­ne gerne):
    „Ste­ven Wil­son ist mit Ab­stand ei­ner der flei­ßigs­ten und vom künst­le­ri­schen Out­put her der groß­ar­tigs­te Künst­ler un­se­rer Zeit! Sich selbst zu in­sze­nie­ren liegt ihm völ­lig fern. Er re­mixt, pro­du­ziert, spielt live, macht ne­ben­her noch sei­ne Sei­ten­pro­jek­te wie Bass Com­mu­ni­on, Black­field, etc. hilft mal eben re­nom­mier­ten Bands wie Anathe­ma, Opeth und The Pi­neapp­le Thief auf die Sprün­ge. Da­bei ist er voll­stän­dig auf dem Bo­den ge­blie­ben, be­rich­tet in al­len In­ter­views und Bei­trä­gen ge­nau­es­tens über das War­um und Wie des­sen, was er tut, wel­che Sicht er auf die POP-/Rockmusik heu­te im Hin­blick auf die Di­gi­ta­li­sie­rung hat und ist gleich­zei­tig größ­ter Fan von der Mu­sik der 70er und 80er, hul­digt sei­nen Stars von Prince über Da­vid Bo­wie, Jet­hro Tull, die er eben­so re­mi­xed wie King Crim­son, Simp­le Minds, Te­ars for Fe­ars, die Lis­te ist un­end­lich. Ste­ven Wil­son be­sitzt ein un­heim­lich an­mu­ten­des Wis­sen über al­le mög­li­chen LP‘s, de­ren Be­set­zung, Pro­du­zen­ten, wann sie wo auf­ge­nom­men wur­den etc.
    Dass er bei je­dem sei­ner Kon­zer­te bar­fuß auf­tritt, mit Bril­le und sich selbst mehr als Ar­ran­geur und we­ni­ger als Mu­si­ker sieht sei nur am Ran­de be­merkt. Er um­gibt sich seit ge­rau­mer Zeit mit Mu­si­kern aus der ers­ten Rei­he be­gna­de­ter Fä­hig­kei­ten, zu­letzt auch Mar­co Min­ne­mann und Guthrie Go­van, sei­ne Langzeit-Mitwirkenden wie Nick Be­ggs (Ka­ja­goo­goo) und Adam Holz­mann (Mi­les Da­vis Group) sei­en hier noch er­wähnt. Ihm selbst ist das ‚Im-Mittelpunkt-Stehen‘ völ­lig un­an­ge­nehm, ich konn­te in den letz­ten 10 Jah­ren deut­lich ver­fol­gen, wie er sich selbst da­zu er­zo­gen hat, der Front­man sei­ner ei­ge­nen Solo-Band zu werden.
    Ste­ven Wil­son wird völ­lig zu­recht als der King of Pro­gres­si­ve Rock be­zeich­net, auch wenn er mir selbst vor ei­ni­gen Jah­ren sag­te, dass er mit dem Be­griff Pro­gres­si­ve Rock ei­gent­lich nichts an­fan­gen kann.
    Ich ha­be ihn auf der lau­fen­den Tour be­reits 2x ge­se­hen, in Es­sen und in Lon­don und war rest­los be­geis­tert, er hat mit sei­ner be­ein­dru­cken­den Show die Mess­lat­te er­neut hö­her ge­setzt, das Roy­al Al­bert Kon­zert er­scheint En­de des Jah­res auf Blu­eR­ay, DVD, CD, Vinyl.
    Beim gest­ri­gen Kon­zert hat er sich je­doch völ­lig zu­recht über die Lautstärke- und Zeit­be­gren­zun­gen ge­är­gert, die in un­se­rer Stadt dem Ver­an­stal­ter des Kunst­ra­sen! das Le­ben im­mer schwe­rer machen.
    Schade!
    So schnell wer­den wir ihn in Bonn nicht mehr be­grü­ßen dürfen.
    Dei­ne Idee, sich ein paar Al­ben an­zu­hö­ren, fin­de ich groß­ar­tig! Nur wird die Aus­wahl schwer sein. Da­her mei­ne Tipps in fol­gen­der Reihenfolge:
    1. To The Bone
    2. The Ra­ven That Re­fu­sed to sing
    3. Hand Can­not Erase
    Dann Por­cu­p­i­ne Tree:
    1.Deadwing,
    2.In Absentia
    3.Fear Of A Blank Planet
    4. Stu­pid Dream
    5. The Incident
    Blackfield:
    1.Blackfield I
    2.Blackfield II“

  9. … viel­leicht auch nicht wirk­lich kon­struk­tiv aber zu­min­dest ein Kri­tik­punkt, der mir rich­tig Schmer­zen be­rei­tet hat:
    Die letz­ten Zei­len des Stücks „Song of Un­born“ aus dem Zu­sam­men­hang zu rei­ßen und so­mit die Ly­rics von WIl­son als „[…] wahr­schein­lich kein gro­ßer, Zei­ten über­dau­ern­der und nie da­ge­we­se­ner Aus­druck […]“ zu klassifizieren.
    Ge­ra­de in­halt­lich be­zieht Wil­son im­mer wie­der deut­lich Stel­lung zu po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen The­men – das vor­letz­te Al­bum „Hand.Cannot.Erase“ the­ma­ti­siert gar durch­gän­gig die so­zia­le Ent­frem­dung der Ge­sell­schaft bis hin zum Sui­zid auf Ba­sis ei­ner rea­len Sto­ry. Mehr In­halt und Po­si­ti­on geht da aus mei­ner Sicht kaum – das kann ei­ne ein­zi­ge Text­zei­le oh­ne Kon­text kaum wi­der­spie­geln. Da­her hät­te ich mir ge­wünscht, dass über die Wer­tung der Qua­li­tät die­ser ei­nen Text­zei­le hin­aus das „tex­tu­el­le Ge­samt­werk“ mit be­rück­sich­tigt oder zu­min­dest er­wähnt wor­den wäre.
    An­sons­ten ist es in­ter­es­sant, ‚mal ei­nen Kon­zert­be­richt von ei­nem Au­tor zu le­sen, der wohl nicht zur ein­ge­fleisch­ten Fan­ge­mein­de von Ste­ven Wil­son zu ge­hö­ren scheint. Da merkt man – und das sieht man auch an den an­de­ren Kom­men­ta­ren – dass man als lang­jäh­ri­ger „Fol­lower“ die Per­son und das Werk von Ste­ven Wil­son als bei­na­he „un­touch­a­ble“ ein­sor­tiert. Da soll noch ei­ner sa­gen, der Wil­son pro­du­zie­re kei­ne Emotionen;-)

    • Den Kom­men­tar kann ich nur un­ter­schrei­ben. Au­ßer­dem noch ir­ri­tie­rend die Fehl­ein­schät­zung, er wür­de Per­mana­ting nicht lie­ben – wo er doch be­son­ders stolz auf das Lied ist.
      Vie­le Feh­ler im Text sind wohl Sa­che der Wahr­neh­mung. Es kam nicht so recht Freu­de auf? Kein Re­spekt ge­gen­über Fans – nur we­gen ei­nem au­gen­zwin­kern­den Kom­men­tar über (in Schland üb­ri­gens recht all­ge­gen­wär­ti­ge) apa­thi­sche Crowds?

  10. Die Dreck­schmeis­ser oben ha­ben lei­der mehr­heit­lich recht – das geht so ei­gent­lich nicht.
    Da ja schon al­les an­de­re so schön in die An­kla­ge­schrift auf­ge­nom­men wur­de, von mir nur noch:
    Wer Wil­son we­nigs­tens ein biss­chen kennt, weiß, dass er auch beim „Raven“-Album mit Pro­du­zen­ten­le­gen­de Alan Par­sons zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat (vgl. z.B. http://www.gaesteliste.de/texte/show.html?_nr=1457 ).
    Just my 2 Cents.
    Klaus

    • Lie­ber Klaus Re­cket, ich ken­ne Alan Par­sons per­sön­lich ganz gut. Ha­be mit ihm in den Köl­ner Maar­weg­stu­di­os im letz­ten Jahr Aufnahmen/ Mi­xe ge­macht und bin da­nach zeit­wei­se sein per­sön­li­cher Ge­sund­heits­be­ra­ter ge­we­sen. Ich weiss aus per­sön­li­cher Er­fah­rung, wie er ar­bei­tet. Ste­ven Wil­son kann­te ich zu­ge­ge­be­ner­mas­sen vor dem Bon­ner Kon­zert nicht. Bei ei­ni­gen Pro­duk­tio­nen von Wil­son, ins­be­son­de­re bei Blick­feld hört man Par­sons gut her­aus. Das be­spro­che­ne Kon­zert war aber lei­der in kei­ner Wei­se ge­eig­net, Ste­ven Wil­son als leuch­ten­de Fa­ckel in der ak­tu­el­len Mu­sik­land­schaft zu platzieren.

KOMMENTIEREN

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein