Vor­hang auf für das Thea­ter Bonn! – Der letz­te Rück­blick ist schon wie­der et­was her und auf den Büh­nen des Stadt­thea­ters gibt es wie­der ei­ni­ges zu be­stau­nen. Am Thea­ter lau­fen der­zeit vie­le span­nen­de Pro­duk­tio­nen – auch zu lo­ka­len The­men oder von ge­bür­ti­gen Bon­ner Au­torIn­nen – und das könn­te ge­ra­de zwi­schen den Jah­ren ein schö­ner Zeit­ver­treib sein. Auch 2017 hat­te ich vie­le mit­tei­lens­wer­te Theatereindrücke:

Ulf Schmidts Bonno­po­ly in den Bad Go­des­ber­ger Kam­mer­spie­len. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 10., 19. und 27. Dezember.

In­halt­lich be­han­delt die Text­vor­la­ge von Ulf Schmidt vor al­lem auch den Bau­skan­dal des World Con­fe­rence Cen­ter Bonn (WCCB), der für die Bür­ger vor Ort weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen hat. Das De­sas­ter um das am­bi­tio­nier­te Groß­pro­jekt, bei dem sich Stadt­re­gie­rung und städ­ti­sche Ver­wal­tung ko­los­sa­le Fehl­ein­schät­zun­gen leis­te­ten, dürf­te die Stadt bis 2041 rund 309 Mil­lio­nen Eu­ro oh­ne den ei­gent­li­chen Be­trieb des Kon­fe­renz­zen­trums kos­ten. Bonno­po­ly ist ei­ne wich­ti­ge und mu­ti­ge Thea­ter­vor­füh­rung, in der fa­ta­le po­li­ti­sche Pro­zes­se über­spitzt und ka­ba­ret­tis­tisch auf die Büh­ne ge­bracht wer­den. Zur Be­spre­chung

Ab­schluss­ap­plaus für ‚Un­ter­leu­ten‘ in den Bad Go­des­ber­ger Kam­mer­spie­len (c) as

Ju­li Zehs Un­ter­leu­ten in den Bad Go­des­ber­ger Kam­mer­spie­len. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 13., 20., 22. und 30. Dezember.

Lie­be­voll, ges­tisch und mi­misch aus­drucks­stark agie­ren die Dar­stel­ler in mehr­fa­chen Rol­len, in­dem sie teils auf der Büh­ne flie­gend Kos­tü­mie­run­gen wech­seln. Ein span­nen­der Thea­ter­abend, der Ge­gen­warts­the­men wie ei­ne Um­set­zung der En­er­gie­wen­de un­ter­halt­sam aus un­ter­schied­li­chen Blick­win­keln ver­han­delt. Zur Be­spre­chung

Ge­or­ges Bi­zets Car­men an der Oper Bonn. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 10., 13., 20. und 25. Dezember.

Re­gis­seur Car­los Wag­ner in­sze­niert Car­men an der Oper Bonn mit al­ler­lei Schau­wer­ten. Ne­ben gro­ßen Auf­zü­gen der Opern­chö­re samt Sta­tis­ten tre­ten ef­fekt­vol­le cho­reo­gra­phi­sche Ein­la­gen, wie ein­drück­li­che Sze­nen aus Flamenco-Tanzdarbietungen. Zur Be­spre­chung 

Oth­mar Schoecks Pen­the­si­lea an der Oper Bonn. Letz­te Vor­füh­rung am 14. Dezember.

Ab­schluss­ap­plaus für ‚Pen­the­si­lea‘ am Bon­ner Opern­haus (c) as

Nun wur­de die ers­te Kleist-Oper in Bonn von Pe­ter Kon­wit­sch­ny be­we­gend und tem­po­reich mit ei­nem star­ken En­sem­ble in­sze­niert. Die emo­ti­ons­ge­la­de­ne Wucht, die we­der Pen­the­si­lea noch Achill im Griff ha­ben, wird durch Schoecks Mu­sik deut­lich in der Ex­tre­me aus­ge­lo­tet. Ner­vö­se Rhyth­men, ato­na­le Ak­kor­de und un­ge­wöhn­li­che In­stru­men­tie­run­gen for­men das Klang­ge­sche­hen. Zur Be­spre­chung

Fried­rich Dür­ren­matts Die Phy­si­ker an den Bad Go­des­ber­ger Kam­mer­spie­len. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 26. und 28. Dezember.

Drei Phy­si­ker ge­ben vor, geis­tes­krank zu sein. Sie be­fin­den sich in ei­ner psych­ia­tri­schen Kli­nik. Ei­nem von ih­nen ist ei­ne Er­fin­dung ge­lun­gen, die die Ver­nich­tung der Mensch­heit zur Fol­ge ha­ben könn­te. Ei­ne ver­gnüg­li­che Um­set­zung des tra­gi­ko­mi­schen und bis heu­te ak­tu­el­len Büh­nen­klas­si­kers. Zur Be­spre­chung 

Ber­tolt Brechts Die hei­li­ge Jo­han­na der Schlacht­hö­fe in den Bad Go­des­ber­ger Kam­mer­spie­len. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 16., 21, 25. und 29. Dezember.

Lau­ra Lin­nen­baum in­sze­niert das Dra­ma mit ty­pi­sier­ten Fi­gu­ren und über­deut­li­cher Sym­bo­lik. So wer­den letzt­lich vor al­lem wirt­schaft­li­che Pro­zes­se wie das En­de des Wohl­stan­des, Über­pro­duk­ti­on, Kri­se und Sta­gna­ti­on und die Wi­der­her­stel­lung des wirt­schaft­li­chen Kreis­lau­fes bild- und wort­reich for­mel­haft mit den un­ter­schied­li­chen Par­tei­en als na­he­zu un­ab­wend­bar vor­ge­führt. Zur Be­spre­chung 

Ab­schluss­ap­plaus für ‚Sun­set Bou­le­vard‘ an der Oper Bonn (c) as

An­drew Lloyd Web­bers Sun­set Bou­le­vard am Bon­ner Opern­haus. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 9., 15. und 31. Dezember.

Gil Meh­mert in­sze­niert das hin­ter­grün­di­ge, 1993 ur­auf­ge­führ­tes Mu­si­cal über den Auf­stieg und Fall von Stars, die Käuf­lich­keit von Kunst und die Aus­beu­tung jun­ger Kol­le­gen in der scho­nungs­lo­sen Traum­fa­brik Hol­ly­woods höchst ein­drucks­voll. Zur Be­spre­chung 

Mi­guel de Cer­van­tes Don Qui­jo­te auf der Werkstatt-Bühne. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 22. und 29. Dezember.

Ins­ge­samt ist dem Re­gie­duo Ha­jo Tu­schy und Ja­cob Sus­ke nach Fjo­dor Mi­chailo­witsch Dos­to­jew­skis Der Spie­ler mit Don Qui­jo­te er­neut ein im­pro­vi­siert wir­ken­der, mo­no­lo­gisch reich­hal­ti­ger Par­force­ritt gelungen- dies­mal auf ei­nem zum glor­rei­chen Schlacht­ross er­dach­ten al­ten Gaul Ro­si­nan­te. Ein ori­gi­nel­les Kam­mer­spiel im bes­ten Sin­ne. Zur Be­spre­chung

Tanz­gast­spie­leAls nächs­tes Der Nuss­kna­cker vom Bal­lett Dort­mund am 23., 27. und 28 De­zem­ber im Bon­ner Opernhaus.

Ich be­sprach zu­letzt While we can, Prince und Le Chat Noir vom Sca­pi­no Bal­let Rot­ter­dam, Hie­ro­ny­mus Bosch: The Gar­den of Earth­ly De­lights von der Com­pa­gnie Ma­rie Choui­nard, Der Tod und das Mäd­chen/ An­dan­te/ Po­lish Pie­ces und Lie­der ei­nes fah­ren­den Ge­sel­len von der Com­pa­gnie In­trodans, Tapes­try / Ma­nin­yas / Ve­lo­ci­ty vom Hous­ton Bal­let und Ce que le jour do­it à la nuit von der Com­pa­gnie Her­vé Koubi.

Wer­ner Schwabs Die Prä­si­den­tin­nen auf der Werkstatt-Bühne. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 21. und 28. Dezember.

Im­mer wie­der wird ei­nem bei die­sem Dra­ma buch­stäb­lich schwarz vor Au­gen. Die Wit­ze und Dia­lo­ge sind oft­mals ge­mein und auf ei­nen Clou oder ei­ne Ent­wick­lung der Cha­rak­te­re hofft man ver­ge­bens. Zur Be­spre­chung

Yas­sin Mushar­bashs Ra­di­kal auf der Werkstatt-Bühne. Nächs­te Vor­füh­rung am 12. Dezember.

Ra­di­kal ist ein Stück über den ex­tre­mis­ti­schen Rand so­wohl rechts als auch über den is­la­mis­ti­schen Ter­ror. Ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Pro­ble­men, die der in Deutsch­land von der Mehr­heit ge­leb­te Is­lam mit sich bringt, fehlt völ­lig. Zur Be­spre­chung

Hen­rik Ib­sens Die Frau vom Meer in den Bad Go­des­ber­ger Kam­mer­spie­len. Nächs­te Vor­füh­run­gen am 17. Dezember.

Ib­sen ge­stal­tet in sei­nem 1889 ur­auf­ge­führ­ten Dra­ma ei­ne Frau, die sich ei­ner un­be­stimm­ten Meeres­sehn­sucht hin­gibt und kei­nen per­sön­li­chen Be­zug zu ih­ren Mit­men­schen und ins­be­son­de­re zu den Töch­tern ih­res Man­nes auf­zu­bau­en ver­mag. Ob­gleich Mar­tin Nimz‘ In­sze­nie­rung das En­de an­ders als bei Ib­sen of­fen lässt, scheint von An­be­ginn an klar, dass die­se Fi­gur ih­re ei­ge­ne Un­ter­was­ser­welt be­reits ge­fun­den hat. Zur Be­spre­chung

Al­le Fo­tos vom je­wei­li­gen Ab­schluss­ap­plaus (c) Ans­gar Skoda

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